Es gibt Filme, die die Welt nicht braucht, aber sich doch noch zum gelegentlichen Anschauen eignen. Dazu gehört auch Miami Blues, der einen etwas schwarz humorigen Thriller darstellt, auch wenn hier etliches an Potential verschwendet wurde und der Plot darum nur auf Sparflamme lodert. Sonstige Schwächen sind dann auch meistens nur abseits vom Cast zu finden. Denn der kann seine Sache noch recht passabel über die Bühne ziehen, während Regisseur George Armitage (Hawaii Crime Story) scheinbar unmotiviert an die Inszenierung heran gegangen war.
Ex-Knacki Junior (Alec Baldwin) will im sonnigen Miami durchstarten und träumt vom großen Coup, doch es läuft nicht so, wie vorgestellt. Kaum angekommen, tötet er versehentlich einen nervigen, aber harmlosen Krishnajünger und hat von nun an den pensionsreifen Cop Mosley (Fred Ward) an der Backe. Als der ihm auf die Spur kommt, schlägt Junior ihn zusammen und klaut ihm Dienstmarke, Revolver und Gebiss. Fortan löst er Mosleys Fälle auf seine Weise, und behält das Diebesgut. Von dieser Art, den Lebensunterhalt zu verdienen, hält seine Frau Susie (Jennifer Jason Leigh), eine Ex-Nutte, nicht viel. Nach einem misslungenen Überfall haut sie Junior mit dem Fluchtauto ab. Zuhause angekommen wartet schon der wütende Mosley auf ihn...
Sympathien kann Alec Baldwin (Mississippi Delta) mit dem Part des stets kaltblütigen Ganoven nicht gewinnen. Junior ist zwar ein harter Kerl, geht über Leichen und macht sonstigen Unfug, sympatisch ist er aber zu keiner Sekunde. Schauspielerisch betrachtet kann Baldwin eine solide Performance vorweisen. Am besten schlägt sich jedoch Fred Ward (Tremors), der hier zudem noch als ausführender Produzent unterwegs war. Sein alternder Cop ist es dann auch, der den Löwenanteil der Sympathien für sich verbuchen kann. Jennifer Jason Leigh (The Hitcher) wirkt als Jungprostituierte auf der Suche nach dem Glück zu naiv und dümmlich, als dass man hier wirklich was abgewinnen kann. Die Nebendarsteller wie Charles Napier (Rambo 2) und Nora Dunn (Three Kings) vollbringen brauchbare Leistungen, wenngleich nicht oscarverdächtig.
Actionmäßig kann Miami Blues keinen Blumentopf gewinnen, denn außer ein paar blutigen Körpertreffern herrscht hier (wirklich) gähnende Leere. Denn der Film versucht sich eher als Thriller mit schwarzem Humor. Und der will auch nur bedingt aufkommen, wenn z.B. Mosley und sein Kollege Scherze über den toten Krishna machen, oder Junior als Cop nach einem vereitelten Taschenraub sich mit der Tasche der Bestohlenen davon macht. Atmosphärisch geht die Rechnung indess nur teilweise auf, denn von dem schwülen Flair Miamis ist nichts zu spüren. Dafür wirkt der Streifen aber durchweg ernst und rauh. Härte ist durchaus vorhanden, da Finger gebrochen werden, Blut spritzt und Junior unsanft von ein paar Fingern getrennt wird. Das wars dann aber auch mit dem Härtegrad. Den Großteil von Miami Blues können die Darsteller retten, die immerhin für etwas Spannung sorgen können, wenngleich man sich lediglich fragt, wie weit Junior sein Spiel noch treiben will und wann Susie endlich schnallt, welch ein dreckiger Halunke ihr Stecher wirklich ist. Somit sind im Spannungsbereich immerhin so was wie 30 Prozent vorhanden, was aber noch lange nicht für einen megaspannenden Thriller der Superlative genügt. Der Plot an sich ist eigentlich recht interessant und hätte es auch verdient, voll ausgeschöpft zu werden. Das tut Armitage halt nicht, und so ist das Endresultat nur durchschnittliche Thrillerkost, gegen die so manche Tatort-Folge oder irgendwelche Freitagabend-Krimis in den ersten Programmen spannender daher kommen.
Mein Fazit ist daher, dass Miami Blues ein weiteres Produkt voller ungenutzter Möglichkeiten ist, und sich aufgrund seiner routiniert argierenden Darsteller und einem gewissen Härtegrad über Wasser halten kann. Der Rest bringts hier einfach nicht.