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Der Zuschauer verfolgt zwei unscheinbare junge Männer, Collegeboys könnte man fast meinen, mit ihrer Amateurkamera in den Keller. Nach diesen ersten fünf Sekunden ist es dann vorbei mit dem, was unvorbereitete Menschen ertragen könnten und wir werden Zeuge von bestialischen Handlungen, die die beiden an einer weiblichen Geisel vornehmen. Kein harter, doch ausgeklügelter Psychoterror, noch nicht einmal die Erniedrigungen eines handelsüblichen Exploitationfilmes kämen als Vergleich in Frage, das "Underground" im Titel deutet es trefflich an, aus welcher Ecke die absurden Gewaltfantasien kommen. Sie verhöhnen die gefesselte Frau, überströmt mit Blut und beschmiert mit Kot, dass es einem den Magen umdreht. Nicht viel besser ergeht es einer anderen Anhalterin in der Nacht, die Szenerie ist hart an der Grenze dessen, was selbst Genrepublikum als erträglich empfindet und weit jenseits von Pietät, Anstand oder gutem Geschmack. Die Bilder sind verwackelt wie in einem Snuffvideo, mal über und mal unterbelichtet und schon gar nicht farbkorrigiert, die Kamera scheint wahllos draufzuhalten, wo es gerade dem Voyeur gefällt. Bereits aufgrund des kompletten Verzichts jeder technischen Fertigkeit oder qualitätsverbessernder Technik sind die ungeschliffenen Bilder nur noch Fans extremer Amateurfilme zugänglich. Und wer will schon sehen, wie junge Menschen prügelnd, quälend und mordend durch die Gegend ziehen und gar keine richtige Geschichte erzählen, außer dem einen Prozent, dass die Schnauze voll hat von den ewig gleichen Splatterfilmen mit beknackten Zombiestorys, die sich, erstmal erwachsen geworden, im Nachhinein doch nur lächerlich machen. "August Underground" gehört garantiert nicht zu den Home Made Filmen, die unfreiwillig komisch sind, sondern ist nihilistischer Dreck, ein grotesk übler Film in Form und Inhalt. Dies ist pure, nein purste Exploitation jenseits von mittlerweile caféhaustauglichen Vorlieben für Jess Franco oder kokettem Unvermögen in den Reihen der Bethmanns, Roses oder gar Simonas. Wie ein Antidot zu schick aufpolierten Horrorfilmen kommt ein Fred Vogel mit seinen Schergen an und tritt mit extremst ausgewalzten Fäkal- und Gorepanoramen fett in die Sickoecke, in der Selbstzweck der grafischen Darstellungen oberste Priorität hat. Eine Geschichte geben sie nicht einmal vor zu erzählen, sondern schmeißen sich die erniedrigenden Kommentare hysterisch lachend zu, während das Opfer einen abgeschnittenen Zeh essen soll. Etwas Haue im Moshpit eines Hardcorekonzerts sowie eine Auseinandersetzung an einer Tankstelle wirken dagegen unschuldig wie Schülervideos, doch das ist nur der Mittelteil. Und für alle Kritiker und Cineasten: Nach formalen Kriterien würde dieser Streifen gerade mal einen halben Punkt bekommen, als Maßstab Film mit Finesse, Message oder schönen Bildern. Doch das will er gar nicht sein, dies ist die Gosse, der Underground. Wem das zum Schluss immer noch gefällt (und das sind gewiss nicht viele), der sollte in den zweiten Teil "August Underground's Mordum" reinschauen, der noch einen draufsetzt.

Fazit: Wird bei 99% aller Betrachter Ekel, Würgereiz und Abscheu sowie Verachtung für diese Amateurfilmer hervorrufen. Dreckig und selbstzweckhaft und krank. 7/10 Punkten

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