Review

Santa Sangre
(Legend Home Entertainment)
In der Reihe Kino Kontrovers aus dem Hause Legend Home Entertainment kommt einer D E R Kinoklassiker des Midnite Kinos schlechthin!!!Alejandro Jodorowsky und sein spektakuläres Spätwerk Santa Sangre aus dem Jahre 1989 sind allen Interessierten des abseitigen Filmes nicht nur ein Begriff, sondern D E R Inbegriff des surrealen Kinos! Um einen Jodorowsky – Film angemessen beschreiben zu können, muss man sich zuerst ein wenig mit der Person des Künstlers beschäftigen. Der mittlerweile fast 80 jährige chilenische Künstler gilt als Multitalent (wirkt er doch als Schauspieler, Regisseur, Autor, Schriftsteller, Comicautor). Nach einem Studium in Chile in den Bereichen Psychologie und Philosophie zieht es ihn nach Paris, wo er durch die Kontakte zu dem Pantomimen Marcel Marceau seine ersten Erfahrungen in der Schauspielerei sammeln, und seinen ersten Kurzfilm drehen konnte. Der Hang zum absurden Theater, und enge Kontakte zu der dortigen intellektuellen Szene brachten ihn in den 60ern nach Mexico, wo er seine ersten Spielfilme drehte, die alle zu Klassikern avancierten (Fando und Lis, der legendäre El Topo und der nicht minder berüchtigte The Holy Mountain). Zurück in Frankreich traf Jodorowsky Mitte der 70er den Comiczeichner Jean Giraud/Moebius, mit dem er das hochgesteckte Ziel hatte, den Romanzyklus Dune – Der Wüstenplanet zu verfilmen. In den Hauptrollen waren vorgesehen: Orson Welles, Salvador Dali und Gloria Swanson, die Musik sollte von Pink Floyd stammen, und der Film sollte die zehn Stunden nicht unterschreiten. Da die Planung zu lange und zu teuer wurde, zogen sich die Geldgeber zurück, und die Produktion starb (kaum vorstellbar, wäre dieses Projekt gelungen, es wäre wahrscheinlich der unglaublichste Film der Filmgeschichte geworden!) Nach diesem Projekt wurde es still um den Künstler, einzig eine Auftragsarbeit erblickte das Licht der Leinwand. Erst im Jahre 1989 gelang ihm mit Santa Sangre ein fulminantes Comeback, welches zwar gefälliger und einfacher zugänglich war als seine Frühwerke, aber eine derart visuelle Wucht aufbrachte, dass es einem den Atem nimmt. In Santa Sangre geht es um den kleinen Zirkusjungen Fenix, dessen Vater ein ewig betrunkener Messerwerfer und Frauenheld ist, die Mutter eine manisch religiöse Trapezkünstlerin ist. Als die Mutter den Vater bei einem Seitensprung erwischt, verätzt sie ihm sein Geschlecht, er schneidet ihr beide Arme ab und richtet sich dann selbst. Da der kleine Fenix diese grausame Tat mit ansehen musste, wird er durch den Schock traumatisiert und verbringt lange Jahre in einer Heilanstalt. Wieder zurück dient er nun seiner invaliden Mutter als lebendige Armprothese, und lässt sich, psychisch labil, von ihr als Mordinstrument missbrauchen. Hier werden Ähnlichkeiten zu dem Klassiker Psycho aufgezeigt, der sich ebenfalls mit der übersteigerten Form des ödipalen Mutterkomplexes auseinandersetzte, Jodorowsky arbeitet hier jedoch auf mehreren Ebenen. Ihm reicht nicht alleine die intellektuelle Ebene, auch in der Visualisierung, dem Bildaufbau und der Farbgebung einzelner Komponenten lässt sich eine weitere Ebene aufdecken. Somit kann der Film mehrfach gesehen werden, und jedes mal würde man eine neue Haut abziehen, und eine weitere Deutung machen können. Genau dies ist es, was den Film so unglaublich spannend macht.Lob muss an dieser Stelle der Firma Legend Home Entertainment ausgesprochen werden, dass sie diesen Meilenstein in einer Form auf den Markt bringen, wie es besser nicht hätte sein können. Alleine die Extras auf der Bonus- DVD, unter anderem die 90 minütige Dokumentation über den Regisseur, der Audiokommentar, die Interviews, der Kurzfilm oder die nicht verwendeten Szenen machen den Kauf dieser DVD für einen Cineasten unausweichlich, sondern auch die gute Bild- und Tonqualität des Filmes lässt keine Wünsche offen. Dazu gibt es eine Unmenge an Informationen in dem umfangreichen Booklet. Ein Film, der die Gemüter erregt findet endlich seine entsprechende Würdigung in dieser überaus gelungenen DVD-Veröffentlichung (http://www.ofdb.de/view.php?page=fassung&fid=6182&vid=195074).

CFS

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