Fenix (Adan-/Axel Jodorowsky) wächst in einer Zirkusfamilie aus: Sein fettwanstiger Vater ist das Alphatier der Zirkusclique und Frauenheld aus Leidenschaft. Seine Mutter hingegen Sektenführerin und leicht abgedreht. Ein wenig verloren in den Wirren dieser obskuren Zirkuswelt begegnet Fenix der taubstummen Alma (Faviola Elanka Tapia, später Sabrina Dennison). Doch für mehr als das Bekennen der tiefsitzenden, gegenseitigen Zuneigung bleibt nicht wirklich Zeit, denn als Fenix' Mutter ihren Gatten beim Seitensprung erwischt, finden beide ihr Ableben und Alma wird fortgerissen. Für Fenix' ein Schock, den er zu Lebzeiten nicht mehr vergessen wird. Seine Jugendjahre verbringt er in einer Anstalt, bis er eines Tages ausbricht und seine alten Zirkuskumpanen als gespaltene Persönlichkeiten entwickelt. Allen voran existiert seine Mutter in seinem Kopf in bester Hitchcockmanier weiter, da sie in Fenix' Augen lediglich ihre beiden Arme verlor, nicht aber ihr Leben...
Im Groben kann man Santa Sangre also als eine Art Psycho verstehen, nur das der Film dem Stoff andere Seiten abgewinnt und sich nicht ausschließlich der Thematik widmet. So nimmt alleine die Vorgeschichte um die Kindheit Fenix' eines großen Teil des Films ein. Hier ist es so, dass zwar jeder Szene durchaus eine Bedeutung zuzuordnen ist, gerade in Bezug auf das innerfamiliäre Verhältnis, ein roter Faden aber scheinbar fehlt. Die einschneidenden Ereignisse sind von einer gewissen Willkür geprägt und verschwinden zum Teil bezugslos im Voranschreiten des Films.
Zu sehr ruht sich der Film hier auf seiner Bildgewaltigkeit aus, welche zugegeben erwähnenswert ist. Die Kulissen sind herausragend arrangiert und verleihen dem Film die Jodorowsky-typische surreale Note. Auch die Musik ist dieser Atmosphäre zuträglich. Somit vermag der Film zu jeder Zeit zu fesseln. Vermutlich war es auch des Schöpfers Absicht, die erste Hälfte etwas wirr bzw. unharmonisch zu gestalten. Unbequem ist der Film sowieso, dafür sorgt der verspielten Thematik zum Trotz die oftmals in aller Nüchternheit auftretende Realität.
Die zweite Hälfte des Films wird von der traumatisierten Psyche des Protagonisten getrieben. Kein eigenes Leben mehr führend, kontrolliert die imaginäre Mutter jegliches Handeln. Dass Morden von begehrenswerten Frauen ist da wenig überraschend, doch die Entwicklung der makaberen Mordszenen ist detailverliebt ausgearbeitet und lässt leicht auf die Einflüsse in Fenix' Kindheit schließen. Jodorowskies Sohn Axel meistert seine nicht immer leichte Rolle angemessen. Leider kommt das Drumherum um den Protagonisten meistens zu kurz. Gerade Almas Figur wirkt häufig nur alibihaft integriert. Der Fokus auf den Protagonisten würde überdies auch besser funtionieren, wenn man den Zuschauer tiefer in seine Gefühlswelt hineinreißen würde. Doch die Distanz bleibt oftmals zu groß.
Was bleibt, ist ein guter Film mit der altbekannten Thematik des Schizophrenen: Herausragend ist die Präsentation und spannend ist der Film durchweg. In der Hinsicht also typisch für Jodorowsky. Der Film wirkt aber bisweilen zu beschränkt und nicht ausgewogen genug!