Hollywood-Remakes und kein Ende! Das derzeit durch Hollywood ein regelrechter Asia-Film-Remake-Boom geht, dürfte kaum noch jemanden neu sein. Hat man doch schon mit "The Ring" und "The Grudge" den Asia-Horror, für westliche Kinopublikum, salonfähig gemacht und das sogar auf überraschend gelungene Art und Weise. Vor allem "The Ring" steht seinem grandiosen Original eigentlich in nichts nach. Nun, Spätsommer 2005, soll auch endlich der dritte große Horror-Hits Japans sein US-Remake erhalten. "Dark Water", von Ringu-Regisseur Hideo Nakata, schaffte es, genau wie "Ringu" und "Ju-On - The Grudge", eine Atmosphäre aufzubauen, die man in Hollywood-Streifen schon längst kläglich vermisst. Wenn das Wasser unaufhörlich von der Decke tropft und ein merkwürdiges Geister-Mädchen umherspuckt, dann ist wohliges Bibbern vor der Glotze angesagt. Leider bleibt einem dieses Gefühl aber nur im Original, den das Remake bietet leider, trotz guter Atmosphäre, nur noch knapp überdurchschnittliche Grusel-Unterhaltung und bleibt hinter den anderen US-Remakes zurück.
Zu Gute halten muss man "Dark Water" dabei aber definitiv die Nähe zum Original. Drehbuchschreiber Rafael Yglesias hält sich doch erstaunlich eng an die bekannte Vorlage und veränderte nur einige kleinere Details bzw. fügte nur vergleichsweise wenig eigene Sachen hinzu. (Vor allem am Ende) Und somit hat eigentlich auch die Geschichte des US-Remakes ein ordentliches Potenzial an Spannung zu bieten. Wieder geht es um eine Mutter, die mit ihrer Tochter in eine heruntergekommene Wohnung zieht, in der sich, Anfangs noch unbemerkt, ein riesiger Wasserfleck an der Decke bildet. Als die Mutter darauf hin die Sache untersucht, stößt sie auf ein gar furchtbares Geheimnis! Ja, die Geschichte hat wirklich viele Möglichkeiten zu bieten, die für gute Spannungsmomente herhalten könnten. Die nahezu identische Übernahme des Handlungsverlaufs des Originals ist durchaus gelungen und lässt auch im Remake, mit einer relativ glaubwürdigen Geister-Grusel-Story aufwarten. Gut abgekupfert, wenn man so möchte.
Und auch in Sachen Atmosphäre wird einiges geboten. Die Spannungsschraube zieht sich stetig fester zusammen und der triste, steht's verregnete, Schauplatz, bildet beim Zuschauer ein stetig beängstigendes Gefühl in der Magengegend. Des weiteren sorgt dafür vor allem auch die gut gelungene Sounduntermahlung, die, sowohl in Sachen Musik als auch in Sachen Soundeffekte, für eine wunderbare Unterstreichung des ganzen Treibens sorgen kann.
Schade allerdings, dass es auch bei "Dark Water" eine ganze Zeit lang dauert, bis die Handlung in die Pötte kommt. Die ersten vierzig Minuten ziehen sich doch mitunter recht lahm in die Länge und können kaum für Begeisterung sorgen. Eher im Gegenteil. Durch einen relativ schwülstigen Dialog-Schwall, der vor allem in diesen ersten Minuten stetig präsent ist, kommt es mitunter zu richtig nervigen Begebenheiten. Allen voran die Szene, in der der Hausverwalter Murray, den beiden "Damen", die Wohnung vorstellt und dabei ununterbrochen nicht aufhört, dämlich vor sich hin zu labern. Nicht nur das die Inhalte dieser Dialoge meist völlig leer sind, nein, sie gehen einem, u.a. auch durch die penetrante Vortragsweise von Schauspieler John C. Reilly, ziemlich auf die Nerven, genauso wie das schwülstige Mutter-Kind-Geplänkel, was, ähnlich wie bei "Ring 2", nicht nur nervig, sondern mitunter auch höllisch übertrieben auf den Zuschauer wirkt.
Des weiteren ist auch das Erschreckerpotenzial leider nur bedingt gelungen ausgefallen. Die Atmosphäre stimmt zwar, wie schon erwähnt, doch ein wirkliches dichtes Grusel-Gefühl, so wie es beim Original eigentlich stetig präsent war, will sich hier beim besten Willen nicht einstellen. Die Schocks sind mitunter etwas schlampig ausgearbeitet worden und können höchstens Anfänger in den Kinosessel zwängen. Zwar fröstelt es einen schon, wenn der Geist des toten Mädchens plötzlich versucht, Töchterchen Ceci umzubringen, doch so richtiges Horror-Feeling mag einfach nicht aufkommen. Dafür hat man das Ganze vielleicht doch schon ne Spur zu oft gesehen.
An den Darstellern kann dies aber wirklich nicht liegen! Egal ob es Hauptdarstellerin Jennifer Connelly ist, die ihren verängstigten Mutter-Part wirklich mehr als nur glaubwürdig rüberbringt oder die kleine Ariel Gade, die zwar keine zweite Dakota Faning ist, aber ihren Part trotzdem mit spürbaren Talent darstellt. Dazu dann noch John C. Reilly, als Hausverwalter Murray, der hier allerdings eher an den Nerven der Zuschauer sägt. Und Pete Postlethwaite, der einen wirklich herrlich unsympathischen Hausmeister darbietet. Bis auf Reilly, kann man also zufrieden sein.
Fazit: Knapp überdurchschnittliches Gruselremake eines japanischen Horror-Hits, dass sich zwar erstaunlich eng an seine Vorlage hält und auch mit einer gekonnten Atmosphäre aufzuwarten vermag, aber vor allem durch seine schwülstigen Dialoge, den unausgegorenen Schock-Effekten und dem fehlenden letzten Schritt zum wirklichen Horrorerlebnis, auch viel wieder einbüßt. Wer das Original nicht kennt wird sich zwar sicher auch hier mächtig gruseln können und Anfänger werden ab und an im Kinosessel festkleben, alle anderen sollten sich aber maximal auf einen "annehmbaren" Grusler gefasst machen, der mit der Qualität von "The Ring" oder "The Grudge" nicht mehr mithalten kann. Schade!
Wertung: 6/10 Punkte