Kein Schnellschußremake, sondern Qualitätsware, das hat man wohl mit dem US-Nachdreh des in Japan höchst effektiven und erfolgreichen „Dark Water“ beabsichtigt.
Und das funktioniert so: man verändere die Storyline nur geringfügig, suche sich ein passendes, weil unheimliches Setting, engagiere eine Oscarpreisträgerin als Hauptdarstellerin; eine gute Kinderdarstellerin dazu, die zufällig nicht Dakota Fanning ist; setze auf trübe, düstere, hoffnungsarme Atmo und stopfe die Nebenrollen dann noch fröhlich mit bekannten Gesichtern zu.
Und das kommt dann dabei heraus: ein relativ überproduzierter und deswegen gerade in seiner bemühten Effektivität uneffektiver Horrorfilm.
Dabei ist der Schauplatz, ein Appartmentkomplex aus den güldenen 60ern mitten auf der nahe New York liegenden Insel „Roosevelt Island“, hinreichend dazu angetan, einem ein permanent ungutes Gefühl zu geben. In düsteren, ausgebleichten Farben präsentiert sich Walter Salles Werk, dessen Protagonisten psychisch genauso brüchig sind, wie die Rohre in dem Wohnkomplex.
Jennifer Connelly spielt die in Scheidung befindliche Dahlia, die die düster-schmoddrige Wohnung aus Geldgründen akzeptieren muß, um das Sorgerecht für ihre Tochter Ceci behalten zu können. Von ihrer eigenen Mutter mit einem Trauma aus der Kindheit versehen und von Migräneanfällen geschüttelt, sieht sie sich neben den Geldsorgen und dem bösartigen Exmann noch anderen Härten ausgesetzt, der tropfenden Decke, dem widerborstigen Hausmeister und Geräuschen aus der Wohnung über ihr. Alles nicht so ganz geheuer und vielleicht geht ja Übernatürliches um...
Miss Connelly geht nun wirklich in der schauspielerischen Intensität auf, hier einen kurz vor dem Zusammenbruch befindlichen Charakter mit allen Nuancen spielen zu müssen, die der Job hergibt. Das ist harte Arbeit und sie steigt richtig tief ein, doch das wirkt sich auf die eher seichte Storyline fast schon nachteilig aus. Das Drehbuch vermag ihre Probleme nicht völlig auszuloten und so erscheint ihr plötzlicher Zusammenbruch nach zwei Dritteln des Films zwar gut gespielt, aber viel zu überzogen.
Dagegen geben sich die namhaften Nebendarsteller die Klinke in die Hand und wirken geradezu erholsam für den Zuschauer: John C.Reilly lockert mit dem dödeligen Vermieter einiges auf, Pete Postlethwaite gibt den mürrischen Hausmeister, Dougray Scott darf mal wieder das Ekel spielen und Tim Roth hat mit dem niedlichen Anwalt endlich mal eine positive Rolle abgefegt, die man vor zwanzig Jahren wohl Richard Dreyfuss angeboten hätte.
Alles sehr gute Leistungen, aber sie passen nicht ganz zum sonstigen Tenor des Films.
Wichtig aber ist es wohl gewesen, hier weniger die Bedrohung, als vielmehr die Verunsicherung und die Täuschung über die wahren Zustände aufzuzeigen. Dahlias Hintergrundgeschichte kommt nach und nach genauso ans Licht wie die Parallelen zu der Familien, die oben drüber wohnte. Auch die anderen Figuren täuschen vor: Reilly verbringt seine Zeit im Wettbüro, der Anwalt operiert vom Wagen aus und gibt vor, eine Famiile zu besitzen, der finstere Exmann hat auch nette Seiten. Nichts ist, wie es scheint.
Großartige Voraussetzungen für stimmige Atmosphäre, aber immer dann, wenn „Dark Water“ zugibt, ein Gruselfilm zu sein, fällt er buchstäblich ins Wasser. Da häufen sich (im Vergleich zum Original) Fehler auf Fehler: Geisterstimmen singen mit Ceci ein Lied, Dahlia hat Erscheinungen und träumt schon vom Geisterkind, daß seine Absichten mehr als überdeutlich erklärt – das alles trägt nicht dazu bei, vorzutäuschen, das Mütterlein könnte das zusammenparanoieren.
Ständig spritzt überall moddriges Wasser hervor, schön eklig, kann aber nicht verhehlen, daß hier ein Geist ohne Rücksicht auf Verluste seine Mutti wiederhaben will.
Salles erweist sich da nicht als sonderlich geschickt und versaut die spannendste Szene des Originals, nämlich die Gewißheit, daß man nicht sein, sondern ein Geisterkind an der Hand führt, total, indem er es als eine Art flaches „Ring 3“ inszeniert.
Der Schluß bleibt dann auch nicht ambivalent, sondern hollywoodeskes Patchworktralala: es ist alles im Lot, obwohl gar nichts im Lot ist.
Trotzdem kann „Dark Water“ einem stimmungstechnisch das Lächeln rauben und man ist heilfroh, wenn Roth oder Reilly es für Sekunden wieder in uns beschwören.
Salles ist ein eindrucksvoller Film gelungen, dessen Wirkung leider nicht den nötigen abseitigen Rausch erzeugt, sondern lediglich bedrückt und somit ein wenig künstlich wirkt.
Die gute Absicht will ich aber nicht leugnen, es ist schwer, etwas wirklich Eigenes zu produzieren. (6/10)