Nach dem lauwarmen „Ring 2“ schwappt Hollywoods Remake-Welle japanischer Horrorfilme mit „Dark Water“ den ersten richtig dicken Flop in die Kinos.
Die junge Mutter Dariah zieht mit ihrer kleinen Tochter Ceci in eine heruntergekommene Bausünde auf einer Insel nahe New York. Der Streit um das Sorgerecht für Ceci und ein nie überwundenes Kindheitstrauma beschäftigen Dariah aber mehr, als die Tatsache, dass der Geist eines verschollenen Kindes in dem Haus spukt und Ceci immer mehr in seinen Bann zieht…
„Dark Water“ beeindruckt von Anfang an mit seinen stimmungsvollen Locations, die ein sehr beklemmendes Gefühl erzeugen. Hervorzuheben ist natürlich die gespenstische Wohnanlage auf der Insel, die in ihrer Hässlichkeit und ihren gigantischen Ausmaßen quasi prädestiniert ist für unheilvolle Ereignisse. Auch Orte wie Dariahs Wohnung selbst, die Straßen und die Umgebung in ihrem farbentleertem Dauerregen, hat die Regie stimmungsvoll eingefangen. Vergleicht man das mit der Beschränkung eines „Ju-On“ auf nur ein Häuschen, so hatte man bei „DW“ eigentlich die besten Voraussetzungen für einen packenden Horrorfilm. Leider macht die Story dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung.
„DW“ als Horrorfilm zu bezeichnen, ist fast schon übertrieben. Die Schockmomente sind nicht allzu hart, überdies extrem selten und vorhersehbar. Wenn Dariah in den schummrigen Keller geht oder die verlassene Wohnung im obersten Stockwerk untersucht, dann rechnet man eben schon damit, dass gleich irgendetwas passiert. Verbunden mit den zahnlosen Schockmomenten, kommt keine besondere Spannung auf. „Ring“ zeigt, wie man mit geringen audiovisuellen Mitteln eine verstörende Atmosphäre erzeugen kann, „DW“ verzichtet freiwillig darauf – eine Wasserpfütze allein sorgt nicht automatisch für Gänsehaut.
Schlechte Schocker sind ja eigentlich schon ein Genickbruch für Japano-Horror, bei „DW“ kommt noch eine sehr unausgewogene, zähe Handlung hinzu. Zuviele unwichtige Handlungsstränge werden erst intensiv behandelt, und dann wieder liegengelassen. Dies merkt man besonders an der völlig verschenkten Figur des Rechtsanwalts. „DW“ wirkt über weite Strecken mehr wie ein Beziehungsdrama als wie ein Horrorfilm. Wen kümmert denn die Sorgerechtsfrage, interessiert jemand, wo Dariah ihre Arbeit findet und ihr Gestreite mit ihrem Exmann, während es in dem Haus SPUKT?!? Bekommt Dariah jetzt endlich einen Klempner oder muss der Hausmeister kommen, obwohl der nicht will? „DW“ stellt den übernatürlichen Aspekt soweit zurück, dass jegliche Spannung im Keim erstickt wird.
Schauspielerisch gibt es an Jennifer Connellys Leistung nichts zu bemängeln, leider muss sie eine überladene Figur darstellen. Dass hier auf Teufel komm raus Parallelen zwischen Dariahs Kindheitstrauma und dem Schicksal des vermissten Kindes erzwungen werden, kann man Connelly nicht ankreiden. Die kleine Ceci ist zum Glück nicht so altklug wie Aiden in „Ring“ und oftmals sowieso im Kindergarten. Tim Roth hat als Anwalt, wie oben geschrieben, einen sehr undankbaren Part, und muss sogar noch für deplatzierte Sparwitze herhalten. Gegen Ende verschwindet er spurlos aus der Handlung, obwohl man irgendwie damit rechnet, dass er und Dariah zusammenkommen. „DW“ scheitert somit nicht nur an seiner Handlung, sondern auch an der Charakterisierung seiner Figuren.
Fazit:
„Dark Water“ ist das bisher schlechteste Japan-Horror-Remake, was vor allem an seiner Spannungslosigkeit und dem unentschlossenen Drehbuch, liegt. Sämtliche guten Voraussetzungen (Darsteller, Setting) werden entweder schlecht oder gar nicht genutzt. Ein Film, den man sich hätte sparen können, und der vielleicht schon das Ende dieser Remake-Welle einläutet.
2/10