Review

Und wieder mal verschwommenen Kindheitserinnerungen auf den Leim gegangen.
In einer Zeit als die Wiesen noch grün waren und das Wünschen noch geholfen hat, da überboten sich die frischen, jungen Privatsender mit den Plünderungen ihrer Filmbibliotheken und fuhren so manchen Film einmal und nie wieder ins aktuelle Tagesprogramm und auf diesem Weg fand damals auch "Nachts kommt die Angst" in mein Herz - die letzte Regiearbeit von Grusel- und Thrillerautorenaltmeister Jimmy Sangster (von dem sogar die letzten Notizzettel noch für Filme mißbraucht wurden, wie der deutsche Schlachtfetzen "Flashback - Mörderische Ferien" beweist) erschien mir unglaublich bizarr, bedrückend und intensiv, angesiedelt in einer absurden, fast surrealen Atmosphäre.

Hat sich was mit den Traumnebeln der Jugend - mit den Jahren hat der Film (inzwischen preisgünstig als DVD erhältlich) doch ein wenig von seinem Zauber eingebüßt, vor allem was das dramaturgische Timing angeht.
Dennoch ist "Fear in the Night" immer noch ein würdiger Vertreter der Psychothrillerzunft, der die Zuschauer zwar ständig zu wilden Vermutungen auffordert, diese dann aber immer geschickt auf Distanz hält - allerdings ein wenig zu lange, um beim hastig herbeigeführten Finale dann noch großartig zu überzeugen.

Für Genießer schon die Vortitelsequenz, wenn die entspannte Kameraarbeit Arthur Grants (der im selben Jahr starb) zu den üblichen Schulklängen einer ländlichen Privatschule eben über so ein begrüntes Anwesen streicht, durch alle möglichen Räume, Korridore und Säle und damit die Handlungsorte der Geschichte vorab streift. Während akustisch überall Leben herrscht, sind jedoch die Räumlichkeiten und die Umgebung menschenleer, ein bizarrer Gegensatz, der solange anhält, bis uns ein paar Füße von oben steif ins Bild baumeln. Cheers!

In diese etwas ungewöhnliche Umgebung wird die Geschichte die just 22jährige Peggy (ein wenig zu zögerlich-naiv: Judy Gleeson) stürzen, die sich nach kurzer Kennenlernzeit mit dem deutlich älteren Robert (ernstes Enigma: Ralph Bates) verheiratet hat. Sie soll ihn an die etwas abgelegene Privatschule begleiten, wo er Lehrer und/oder Hausmeister für alles darstellen soll, was allerdings durch die Tatsache getrübt wird, daß Peggy ein panisches Trauma mit sich herumschleppt, das gut begründet scheint: sie wird in den unpassensten Augenblicken ständig von einem behandschuhten Fremden attackiert, der einen künstlichen Arm zu besitzen scheint. Was ihr natürlich niemand glaubt, weder die Zimmerwirtin, noch der Arzt und Robert eigentlich auch nicht.

Vor Ort wird die Sache dann nicht unbedingt besser, denn es herrscht Ferienzeit und das Anwesen ist hübsch gelehrt - beste Voraussetzungen für ein Vier-Personen-Kammerspiel, denn ansonsten sind nur noch der Direktor Carmichael (bizarre Präzision: Peter Cushing) und seine Frau Molly (instant bitch: Joan Collins) anwesend. Carmichael schmeißt für Peggy alsbald eine etwas seltsame Hausführung und lüftet ihr die Altmädchenfrisur dann auch gleich mal mittels seines (aha!) künstlichen Armes, während Molly mit der Schrotflinte die Hasen vom Gelände splattert und ein bißchen agressiv wirkt. Und dann ist da ja noch der böse Angreifer, Roberts eigene Waffe im Haus und, womit die unbequeme Atmo noch potenziert wird, die Soundkulisse eine höchst aktiven Jungenschule, die durch Tonbänder über die Gegensprechanlage nach Belieben eingeschaltet wird.

Natürlich steckt hinter dieser Ansammlung roter Heringe ein ganz übles Ding, aber bis man sich dem auf zwei Schritt genähert hat, verwirrt Sangster die Zuschauer mit seinem eigenen Skript noch ein paarmal. Ganz geübte Psychothrillerliebhaber werden anhand der Personenkonstellationen sicherlich bald herausfiltern, was hier wirklich abläuft, aber die intensive Atmosphäre der verlassenen Schule (hinter der natürlich auch noch eine Geschichte steckt) und die vielen Verunsicherungen über Realität und Wahn halten die Sache über die meiste Zeit der 80 Minuten am Laufen.
Leider ist das Tempo bisweilen etwas zu gemächlich, die Dialoge zu lang oder mehrfach rekapituliert, um wirklich mitreißen zu können und allzuviel passiert auch nicht in diesem Film, der zu lange braucht, um wirklich auf Touren zu kommen. Gleichbleibend schnell schreitet die Geschichte voran und suhlt sich manchmal zu sehr in der eigenen Umständlichkeit und der Ineffektivität der Hauptfigur, zu der man wegen ihrer kindlich-psychotischen Bräsigkeit einfach keine Verbindung aufbauen kann. (Es ist immer schlecht, wenn man der Identifikationsfigur indifferent gegenüber steht, sie also eigentlich auch bequem sterben könnte.)
Die Höhen und Tiefen sind nicht gut genug ausgepegelt und wenn nach 65 Minuten endlich die Katze aus dem Sack ist, dann kommt das nicht als Überraschung, sondern in so gewöhnlichem Tonfall weitergespielt, daß entspannte Charaktere glatt übersehen könnten, daß gerade der Clou der Story verraten wurde.

Mit der Optik einer guten "The Avengers"-Episode und der Kameraarbeit, die eindeutig Giallo-Einflüsse aufweist, macht "Fear in the Night" trotzdem noch einiges her, aber so an die Sofakante mitreißen kann der Film heutzutage nicht mehr, hat aber in seiner Geschlossenheit qualitative Vorteile gegenüber anderen Hammer-Spätwerken aus dieser Zeit, die mit modernen Mätzchen aufgewertet werden sollten, sich so aber nur selbst lächerlich machten. Ein kleiner, sauberer Kammerthriller mit einigen verbalen Längen, dessen Optik eindeutig gegen den Plot gewinnt - das ist ausreichend, um eine gemäßigte Empfehlung auszusprechen. (6/10)

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