Review

Ein Hammer der (weiblichen) Psychologie

Als die britischen Hammer Studios ihre Pfähle, Silberkugeln und Särge des klassischen Horrors finanziell davonschwimmen sahen, gingen auch sie gegen Ende ihres „ersten Lebenszyklus'“ neue Wege. Im eher unterschätzten und untypischen „Fear in the Night“ wandelt das altmodische Studio auf hitchcockigen und gar giallo'esken (!) Pfaden - und schielte damit arg Richtung Zeitgeist und damals älterer, wie neuerer Krimiströmungen. Die Handlung schickt eine Frau nach einem scheinbaren Nervenzusammenbruch (oder war es eine echte Attacke daheim?) mit ihrem frischen Ehepartner in ein leeres Jungeninternat, in dem er nach den Ferien zu unterrichten beginnen soll. Doch nach anfänglicher Einsamkeit und Entspannung geschehen der guten Dame auch dort gruselige Dinge…

Die Wände reden…

In klassischer „Werde ich/Frau verrückt?!“-Tradition (auch von Polanski, Wise oder etwa Clouzot) vereint „Fear in the Night“ Psychogramm, Paranoia, Home Invasion und oldschoolige Hammer-Produktionswerte mit einer tollen Protagonistin, alten Holzwänden und einem Peter Cushing in Topform. Addiert man dazu einige fiese Finten und Wendungen (gerade im letzten Drittel überschlägt sich alles dreifach!), eine creepy Soundkulisse und seine damals moderneren Sensibilitäten, dann vergisst man fast die deutlichen Längen zwischendurch, besonders zu Beginn. Und den ein oder anderen vorhersehbaren Kniff. Aber der langsame Aufbau zahlt sich aus. Selbst King, Kubrick und ihr „Shining“ ließen sich inspirieren. Rechnung und Story gehen auf, machen Sinn und in den besten Momenten Angst. Neugier mehr als alles andere. Die Laufzeit überspannt den Bogen keinesfalls. Und die Klangwelt hat es in sich. All das lässt einen etwas traurig auf Hammers unvermeidliches und nicht mehr abzuwendendes Schicksal blicken, da das altehrwürdige Studio scheinbar doch erfolgreich und kompakt mit der Zeit gehen konnte… Allein das Blut ist noch immer rot und dickflüssig wie Wachs. Nur kommt es diesmal aus einem Hasen statt einem Jungfrauenhals. 

Fazit: odd Hammer out… genauso un- wie außergewöhnlicher Psychothriller, der sein berühmtes Studio mal in einem etwas anderen Takt tanzen ließ. Schönes Ding! 

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