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Noch ein Blindgriff in die Asiakiste:
„Keizoku – Ungelöste Morde“ präsentiert sich als Agatha-Christie-Mystery a la „10 kleine Negerlein“, die auf einer einsamen Insel für den Tod eines Ehepaars auf einer Fähre zur Rechenschaft gezogen werden sollen. Klingt prima, ist aber nur bedingt so.

Bei Ansicht fällt nämlich der unverhältnismäßige Anteil an Polizeifiguren einer Sondereinheit auf, deren neue Leiterin ein weibliches Schusselchen ist, allerdings gesegnet mit einem wachen Intellekt. Scheinbar nur für ein paar komödiantische Elemente zuständig, ist die Einheit aber deutlich überzeichnet.

Nebenbei entspannt sich ein gängiges Murder-Mystery, das etwa für 75 Minuten ausreicht und bis dahin ist der Fall dann auch in bester Christie-Tradition gelöst. Nur geht der Film eben 114 Minuten – denn der Fall findet auf einer mysteriösen, oftmals verschwindenden Insel statt und die bietet den Kreuzriß zum Totenreich.
Es wallen die Nebel und plötzlich tauchen jede Menge Figuren auf, die kein Schwein zusortieren kann. Auf jeden Fall sollen es Tote sein und die haben mit den Polizisten noch eine Rechnung offen, weswegen man seine Konflikte noch ausdiskutiert und –schießt.

Das produziert reichlich Verwirrung und klärt sich erst beim „Making of“ auf der DVD auf, das man eigentlich besser VOR dem Film sehen sollte. „Keizoku“ war nämlich eine Fernsehserie, irgendwo zwischen Krimi und Akte X und die Besucher aus dem Totenreich waren offenbar die Figuren, um die sich der Story-Arc der Serie drehte und die Figuren motiviert hat, diverse Täter und Serienkiller. Der Film ist sozusagen ein Abschluß fürs Kino.
Nur hilft das natürlich keinem Europäer, der die Serie nie gesehen haben kann, weswegen man das letzte Drittel auch bequem hinter sich lassen kann.

Ansonsten sorgt der Mischmasch aus Slapstickalbernheiten, Hercule Poirot und mysteriösen Morden zwar für brauchbare Unterhaltung, aber nicht für innere Geschlossenheit. Solide Unterhaltung allemal, da auch die Opfer gnadenlos überzeichnet sind, aber eben ohne die Serie ein hoffnungsloser Fall, da frei im Raum schwebend. (5/10)

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