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Das Animationsfilme stark im kommen sind und den klassisch animierten Zeichentrickfilm bald entgültig versenken dürften, ist sicher keine Überraschung mehr. Mit "Toy Story" fing alles an und dann kamen sie wie eine Welle auf den Kinogänger zu. Das Meiste davon war und ist allerdings jugendfrei und Familienunterhaltung. So richtig schön anarchistisch war da höchstens "Shrek", politisch unkorrekt war aber auch dieser Streifen nicht. Nun hatten es sich die dänischen Regisseure Kresten Vestbjerg Andersen, Thorbjørn Christoffersen und Stefan Fjeldmark aber zur Aufgabe gemacht, genau so einen Film auf die Leinwand zu bringen und es entstand "Terkel in Troubel", basierend auf einer dänischen Radiosendung. Unerwartet schlug der Streifen in Dänemark ein wie eine Bombe und gab den bis dato erfolgreichsten Kinostart Dänemarks ab. Hierzulande kennt den schusseligen Teenager keiner und somit kam man auf eine clevere Marketing-Idee, die den Streifen allerdings trotzdem nicht weiter als knapp über den Durchschnitt hieven kann. Denn so politisch unkorrekt der ganze Spaß auch ist, wirklich witzig ist was Anderes.

"Terkel in Troubel" erzählt die Geschichte eines ganz normalen 13-Jährigen Teenagers aus Dänemark, der sich mit den typischen Alltagsproblemen eines jeden Teenagers herumschlagen muss. Er wird gemobbt, hat stinkige Eltern, dämliche Lehrer und gemeine Mitschüler. Eines Tages allerdings bekommt er merkwürdige Drohbriefe zugeschickt, die ihm seinen Tod prophezeihen. Doch von wem kommen die? Und was hat der neue Lehrer, ein tierischer Öko-Fritze, mit all dem zu tun? Kann Terk sich noch retten?... Im Grunde erzählt die Story von all den typischen Alltagsproblemen der Teenies von heute, mit dem Hang alles zu übertreiben und jede Figur zu überspitzen. Im Grunde haben wir es hier mit einem typischen Teenie-Streifen zu tun, der aber vollkommen auf Droge gesetzt wurde und daher von anarchistischem Witz nur so überquilt. Logik und Tiefgang sollte man dabei nicht erwarten, eher auf 80 Minuten Spaß und Satire pur.

Doch so recht gelingen mag dieser ganz gemeine Witze-Cocktail nur ab und an. Die Witze reichen von familiengerechten Jokes über Anarchie pur, bis hin zu einigen gar derben Gemeinheiten. Da springen dicke Kinder aus dem Fenster, ein Mädchen bekommt beide Augen mit einer Gabel ausgestochen, ein besoffener Onkel kloppt zwei Teenager blutig und pisst später in die Geschirr-Spüle, Lehrer werden zu Massenmördern, Terks Mutter ist eine kettenrauchende Sado-Maso-Schlampe und Terks Vater ein stetig "Nein"-sagender Looser. Dazu spritzt das Blut in Hülle und Fülle und auch allerlei andere Körperflüssigkeiten werden verspritzt. Dabei kann man über einige Jokes wirklich herrlich dreckig lachen, bei anderen Scherzen bleibt einem dagegen eher das Lachen im Halse stecken. Die meisten Lacher dürften dabei noch für so manch gelungenes Film-Zitat gut sein, wie z. Bsp. zu "Sieben", "The Shining" oder auch "Freitag der 13." Für sanftmütige Zuschauer ist das ganze Treiben jedenfalls gänzlich ungeeignet, genauso für alle Kids (die FSK 12-Freigabe ist eigentlich ein Witz, vor allem wenn man bedenkt, dass schon 6-jährige Kinder, in Begleitung ihrer Eltern, in diesen Film können)!

Das das Ganze, trotz aller Derbheiten, dennoch einen gewissen Charme nicht verwehren kann, dafür sorgen die durch die Bank weg liebevoll-unsympathisch wirkenden Figuren. Allen voran Terkel wächst einem irgendwie schnell ans Herz und man kann mit diesem, eigentlich ganz und gar normalen, Teenie zu jeder Zeit mitfühlen. Genauso wie mit den beiden Raufbolden, sowie seinem Freund Jason. Alle Figuren wurden realistisch und glaubwürdig gezeichnet, nur um danach heftig überspitzt wiedergegeben zu werden. Wer sich aber mal auf einem der heutigen Schulhöfe genauer umguckt, der wird schnell merken, dass man all diese Figuren auch im normalen Leben anfinden kann, nur eben nicht ganz so "drastisch". Quasi befinden sich bei "Terkel in Troubel" ganz normale Figuren, in einer ganz ganz bösen Geschichte!

Ein größerer Störfaktor sind dagegen die eingestreuten Songs, die zwar ebenfalls allesamt anarchistisch und politisch unkorrekt ausgefallen sind, aber mitunter derartig sülzig vorgetragen werden, dass einem trotzdem schnell der Zahn blutet. Ohrwürmer wie beim "South Park"-Film sind jedenfalls nicht auszumachen und alles in allem sind die Songs auch wirklich verzichtbar.

Was die Animationen betrifft, so kann man sie als recht gelungen bezeichnen, auch wenn sie eigentlich eher wie ein computer animierter Knetgummi-Trickfilm wirken. Die Figuren sind schlaksig, ihre Bewegungen holprig und allesamt natürlich in keinster Weise so detailreich wie bei einem Pixar-Film. Zum anarchistischem Filminhalt passen diese groben Animationen allerdings wiederum recht gut.

Ein weiteren Pluspunkt gibt es zudem für die clevere Marketing-Idee, den kompletten Film nur von einer Person besprechen zu lassen, im Deutschen von Bela B. Felsenheimer. Sämtliche Figuren, ja selbst die unbedeutendste Nebenfigur, werden von Bela B., auf unterschiedliche Art und Weise, synchronisiert. Das mag zwar in den ersten 10 Minuten noch recht gewöhnungsbedürftig sein, doch nach einer gewissen Zeit gefällt einem die Idee immer mehr, da die Synchro wirklich wie eine, eigentlich unmögliche, Mischung aus dillethantischer Porno-Synchro und gelungener Profi-Synchro wirkt, und deshalb sicher mindestens genauso viel Spaß machen dürfte, wie das dänische Original, in dem Anders Matthesen sämtliche Figuren spricht. Vom Fun-Faktor her vielleicht vergleichbar mit Kalkis Spaßsynchro zu "Mystery Science Theater 3000". Sicher mag die Idee dennoch nicht jedermanns Geschmack sein, aber das ist der Film im Ganzen ja auch nicht.

Fazit: Anarchistischer und politisch vollkommen unkorrekter Animations-Hit aus Dänemark, der sich eindeutig an ein erwachsenes Publikum richtet und von Kindern auf keinen Fall gesehen werden sollte. Von harmlosen Witzchen bis hin zu derbsten Gemeinheiten, ist hier eigentlich so ziemlich alles vorhanden, was das Comedy-Herz erfreut. Nur leider fehlen auf die Dauer doch die echten Brüller und manche Gemeinheiten gehen am Ende vielleicht sogar ne Spur zu weit, selbst für Bad Jokes-Fans. Dafür sind aber die Figuren allesamt liebevoll-unsympathisch, die Animationen soweit ganz nett und Bela B.-Rundumschlag in Sachen Synchronisation eigentlich auch eine gelungene Idee. Sicher, am Ende bleibt dennoch ein Film übrig, bei dem wirklich jede Filmminute reine Geschmacksache ist und an die wirklich großen Genre-Hits kommt Terkel auch nie und nimmer auch nur Ansatzweise heran. Doch wer endlich mal wieder einen richtig anarchistischen Animationsfilm sehen will und dabei den ein oder anderen Blindgänger übersehen kann, der kommt an "Terkel..." sicher nicht vorbei!

Wertung: 6/10 Punkte

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