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Bisher lebte Hazel weitestgehend glücklich in seinem Kaninchenbau, bis sein Bruder Fiver schließlich von Visionen geplagt wird und den Untergang ihrer aktuellen Heimat prophezeit. Zusammen mit ein paar Artgenossen machen sie sich auf den Weg in friedliche, sichere Gefilde, finden jedoch zunächst einmal eine überaus feindliche Welt vor, in der sie jederzeit den Tod finden können.

Trickfilm ist nicht gleich Kinderfilm. Dies belegen neben ein paar Beispielen aus Amerika vor allem asiatische Anime-Filme, die aufgrund hoher Brutalität für Kinder mitunter kaum zu empfehlen sind. Und auch "Unten am Fluss" dürfte für die kleineren Zuschauer einen allzu harten Brocken darstellen, zum Einen, was Brutalität und Naturalismus angeht, zum Anderen auch, weil sich der Film in seiner Gänze nur dem Erwachsenen Zuschauer erschließt. Im Grunde kann "Unten am Fluss" nicht einmal als Trickfilm angesehen werden, da Regisseur Martin Rosen, der auch für Drehbuch und Produktion verantwortlich war, nur deshalb auf das Medium zurückgriff, da echte Kaninchen und Hasen darstellerisch nicht viel hergeben und Menschen in Hasenkostümen ebenfalls keine ideale Lösung für das Problem darstellten. "Unten am Fluss" ist daher von vorneherein mehr als Erwachsenenfilm zu betrachten.

Und als solcher hat er durchaus gelungene Ansätze. Immer wieder werden zwischen dem Leben der Kaninchen, deren feindliche Welt bereits im Prolog aufgezeigt wird und dem Leben des Menschen gewisse Parallelen gezogen, aber weitergedacht werden diese letztlich nicht so richtig. Die Rolle des Einzelnen in der Gruppe, verschiedene, politisch anmutende Systeme in verschiedenen Kolonien, die Angst vorm Tod, all dies wird zwar durchaus tangiert und gibt punktuell auch mal zu denken, aber jedes mal, wenn eine entscheidende Frage aufgeworfen werden könnte, treibt Rosen das Geschehen weiter voran oder widmet sich einzelnen Spannungsmomenten inklusive Schocksekunden und entsprechenden Toneffekten. Derweil wirken die recht offensichtlich erscheinenden Parallelen zu Mose, der sein Volk ins gelobte Land führte, etwas überhöht, zumal sie zeigen, wie hoch sich Rosen die eigenen Ansprüche bei seiner Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers gesetzt hat.

Unterhaltsam ist "Unten am Fluss" dennoch, weil der realistische, mitunter arg depressive und naturalistische Blick auf das Leben der Kaninchen düster ausfällt und diese Atmosphäre auch grundsätzlich über weite Strecken gehalten werden kann. Dennoch bleiben immer optimistische Perspektiven und Lichtblicke, die den Zuschauer nie am Gezeigten verzweifeln lassen, sodass "Unten am Fluss" dramaturgisch doch recht ausgewogen daherkommt, während der finale Beitrag zum Thema Tod leider allzu kitschig ausfällt und auch der tollpatschige Vogel, der dann doch wie ein Zugeständnis an die kleinen Zuschauer wirkt, etwas fehl am Platz zu sein scheint. Ansonsten wäre noch der gelungene Soundtrack lobend zu erwähnen, genauso, wie der Mut zu brutalen Darstellungen, die natürlich perfekt in den Film passen, während die Animationen als solche realistisch und unverkitscht, aber auch zeichnerisch wenig überzeugend ausgefallen sind.

Fazit:
"Unten am Fluss" ist gewiss kein Kinderfilm, sondern ein spannendes, mitunter depressives und tristes Drama, das einen realistischen bis naturalistischen Blick auf eine Gruppe Kaninchen, die in einer feindlichen Welt um ihr Überleben kämpfen, wirft. Die Parallelen zur menschlichen Existenz lassen dabei mitunter durchaus Interpretationsspielraum, wirken aber auch etwas überladen, teilweise weit hergeholt und erscheinen, als hätten die Macher hier ihren persönlichen "Faust" erschaffen wollen. Dennoch durchaus ein einzigartiger Film, den man mal gesehen haben sollte.

64%  

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