In den Kritiken wurde dieser Streifen praktisch ausnahmslos als brutales, blutiges Selbstjustiz-Schmuddelfilmchen verrissen. Da mir auch "Das letzte Haus links", von dem Ruggero Deodato offensichtlich inspiriert wurde, nicht besonders gefällt, hätte ich mir den "Schlitzer" eigentlich sparen können.
Andererseits tummeln sich diverse Italo-Schund-Größen auf der Besetzungsliste, von Deodato habe ich noch keinen Film gesehen der überhaupt Nichts getaugt hätte und Aldo Lados "Night Train - Der letzte Zug in die Nacht", ebenfalls eine italienische Variation von Wes Cravens Film, ist doch eigentlich ganz annehmbar gewesen.
Tatsächlich ist der Gehalt an Blut und Leichen erstaunlich gering, das Motiv der Selbstjustiz ist allerdings stärker ausgeprägt. Anders als bei Craven oder Lado, wo die Taten beinahe im Affekt begangen werden, zelebrieren die Opfer bei Deodato ihre Rache geradezu. Hinzu kommt noch eine Art Klassenkampf: die Charaktere von Hess und Radice sind zunächst die Unterpriviligierten, eine nette kleine Abwechslung im langweiligen Dasein der neureichen Party-People. Als Hess die Macht an sich reißt, sind seine Opfer zunächst wie gelähmt zu keiner gemeinsamen Gegenwehr fähig, um später mit aller Gewalt die Ehrbarkeit ihrer "Kaste" wiederherzustellen.
Eine Entwicklung erfahren Radice und Lorraine De Selle (die später gemeinsam "Die Rache der Kannibalen" über sich ergehen lassen mussten). Er, unter der Fuchtel von Hess durchgeknallt und unberechenbar wirkend, ist nicht nur unfähig eine Vergewaltigung zu begehen sondern versucht auch seinen Freund von weiteren Greueltaten abzuhalten. Sie, erst überheblich wie ihre Freunde, beteiligt sich nicht an der Tötung von Hess und verhindert den Mord an Radice.
Noch kurz zu den Sex-Szenen: die Damenwelt zeigt hübsch viel Haut und als David Hess die schnuckelige Annie Belle (unvergessen als zu Tode gebackene Ärztin in "Absurd") vergewaltigt, sieht man kurz seinen Penis. Hätte Bruce Willis auch nicht besser gekonnt.