Review

Der 89er Riesenhit God of Gamblers wird gemeinhin als der König der Spielerfilme und dadurch auch Auslöser der Gamblingwelle ab dem Jahr angesehen. Die Nachzügler reichten mit einer kleinen Pause bis in die heutige Zeit, Kung Fu Mahjong 1 + 2 und der gerade gestartete Bet to Basic berufen sich mittlerweile sicherlich nicht mehr explizit darauf, aber werden immer noch verglichen und müssen dann meist deutlich den Kürzeren ziehen.
Im Nachhinein ist es sehr interessant zu beobachten, dass man die Wurzeln dafür bereits Anfang der 80er anpflanzte; vielleicht muss man sogar in die Mitte der 70er gehen. Filmemacher Wong Jing hat sich nämlich nicht nur nach 1989 mit Sequels, Ripoffs und Spinoffs zu seinem wohl grössten Erfolg beschäftigt, sondern mit einer Variante dessen sogar seine Karriere gestartet und sich da schon auf Bewährtes verlassen.

1973 entstand Li Han Hsiangs Cheat to Cheat; danach in schneller Reihenfolge die Hits Queen Hustler, Gambling Syndicate, King Gambler, Crazy Crooks, Notorious Eight und Gambler's Delight.
Wong legt mit seinem Regiedebüt mit dem bezeichnenden Titel Challenge of the Gamesters nach und beschäftigte sich dort bereits ausführlich mit der gestandenen Thematik: Der Film ist ein Prequel zur gefragten TVB Serie The Shell Game; gedreht von Wongs Vater Wong Tin Lam und geschrieben von ihm selber. Die Grundsteinlegung für die spätere Beschäftigung mit diesem Motiv schlossen die folgenden Winner takes All [ 1982 ] und das Skript zu Mahjong Heroes [ 1982 ] ab. So wies er schnell auf, welche Möglichkeiten in dem - auf dem Papier etwas trocken klingenden - Stoff steckten und was man aus ihm herausholen konnte. Bezeichnenderweise sind die ganz frühen Filme mittlerweile nicht nur interessanter, sondern funktionieren auch weitaus besser als das, was er als Produzent und / oder Regisseur und Autor mittlerweile dem zahlenden Publikum vorlegt. Sieht man sich einmal Werke wie Conman 2002 oder The Saint of Gamblers an, vergeht einem nämlich geradezu die Lust auf den Spieltisch; und zumindest das nichtchinesische oder nichtspielende Publikum wird sowieso weniger angetan davon sein, sich durchgängig mit unbekannten Regeln und Tricks auseinanderzusetzen.

Also braucht man eine Geschichte, die theoretisch auch ohne Würfel, Karten und Steinchen funktionieren würde und man darf sich nicht komplett auf das Zocken als Allheilmittel verlassen. Selbst daran hat man hier noch gedacht; auch wenn das Gerüst sicherlich trotzdem nur als Alibi funktioniert, ist es zmindest in dieser Aufgabe hieb- und stichfest. Man konstruierte einfach eine Spionagegeschichte; passend dazu wird das Geschehen in die 20er / 30er Jahre verlegt und die Konflikte zwischen China und Japan hervorgerufen.
Luo Sihai [ Patrick Tse ], der King of Imposters, wird vom chinesischen Geheimdienst im Auftrag von Lieutenant Guo Sheng [ Melvin Wong ] angeheuert, den japanischen Supreme Impostor Zhang Lie [ Chen Kuan Tai ] hereinzulegen. Zhang kollaboriert nicht nur mit den Franzosen, sondern setzt seine Macht auch dafür ein, die chinesischen Agenten zu töten; ausserdem besitzt er eine Liste mit den Aufenthaltsorten seiner Männer.
Luo soll also die Liste beschaffen und danach Zhang beseitigen; da er nicht einfach in dessen Territorium in Shanghai hineinmarschieren und ihn auslöschen kann, versucht er es mit einem Trick. Dabei hilft ihm Lei Li [ Wong Yu ], der sich als Junior Impostor beweisen will und sich geradezu für die heikle Mission aufdrängt.

Unmüßig zu erwähnen, dass man jetzt keinen übermässigen Wert auf Charaktere, Plot und Dialoge legt; dennoch ist es erfreulich zu sehen, dass man sich etwas ausgedacht hat, was sehr gut als Unterlage für das eher wenige Gambling dienen kann. Die jeweiligen Szenen sind auch gut eingefügt und haben auch immer mehr als nur einen Vorwand im Hintergrund; man zockt hier nicht um den Zockens willen, sondern um die gegensätzlichen Figuren anzutesten und die Lage zu peilen.
Luo kann darauf bauen, dass sein Konkurrent ebenso spitz auf eine Konfrontation ist und sich die Chance auf ein Kräftemessen nie im Leben entgehen lässt; hat also schon durch seinen Ruf dessen Aufmerksamkeit sicher. Der Rest ist kein Kinderspiel, aber für den Zuschauer wie der Plan Luos so sehenswert und entspannt - spannend aufbereitet, dass es geradezu ein Vergnügen ist, dem Film und seiner Taktik zu folgen.
Vor allem der Schauplatz trägt auch viel zur Atmosphäre bei; diesmal eben kein modern day Sujet, sondern eine Rückführung auf vergangene Zeiten. Man klingt auch bereits beim Vorspann nach einem period piece Werk. Die einschmeichelnd epischen Melodien setzen die richtige Stimmung, die anachronistisch altmodischen Gebäude und Räume sind in einem warmen Braunton gehalten und ergänzen zusammen mit den erdfarbenen Anzügen die thermische Gemütlichkeit. Man fühlt sich bereits auf den ersten Blick mit dem Film vertraut; das abwechselnde Pendeln zwischen einer Shawproduktion und den damals populären Martial Arts Filmen von Jackie Chan und Sammo Hung plus dem Addieren des auch häufiger genutzten Geheimdienststranges ergibt parallel zum Betrachten ein familiäres Flair, dass die Themen sehr gut transportieren kann.

Auch abseits dessen macht das Ansehen Laune; Wong Jing wusste hier sehr wohl, was der Zuschauer sehen mag und was nicht und in welcher Menge und Qualität er es gerne hätte. Später sollte er die Fähigkeit mehr und mehr verlieren, die Ideen immer weiter und abstruser ausreizen und sich ganz im Krawall- und Blödelkino ergehen; hier ist es geradezu eine Wonne, sich an den milden Spässen und der unaufgeregten, aber dennoch guten Action zu beteiligen. Manchmal ist Weniger eben doch Mehr. [ Die „Früher war alles besser" - Phrase kann man sich ruhig noch dazu denken. ]
Im Einzelfall bedeudet dies, dass das gutaufgelegte Darstellerteam fast komplett auf aussenstehende Parodien, popkulturellen Querverbindungen und lautem Gaudi verzichtet und sich stattdessen auf Wortwitz, Spitzfind- und Spitzbübigkeiten und gar nicht mal so unclevere Strategien verlässt. Klar, auch hier sind Einstellungen dabei, die schon andeuten, wohin man Jahre darauf noch ausweichen wird - und der gleichzeitige Mahjong Heroes geht auch schon viel mehr in eben diese Richtung -, aber im Grossen und Ganzen gibt es nicht viel zu Bemängeln.

Man bleibt auf seinen Ausgangspunkt konzentriert und dehnt sich nicht in alle möglichen Positionen aus. Mitspieler und Örtlichkeiten sind zahlenmässig eingeschränkt. Das festgelegte Ziel des Ausschaltens von Zhang soll über eine Finte vollzogen werden:
Sein einziger Schwachpunkt ist die umhimmelte Schauspielerin Zhou Ling [ Chan Si Gaai ], die ihn trotz seines Behaarens nicht an sich heranlässt; u.a. weil sie ein Auge auf Luo geworfen hat. Dieser bringt sie dazu, Zhang ein mögliches Schäferstündchen vorzutäuschen und so in ihr Haus zu locken. Welches mittlerweile so umgerichtet wurde, dass es mit seinem Heim genau identisch ist und er dementsprechend denken soll, dass er bei sich weilt. Um den Plan durchzusetzen, wird ein Double seines Chauffeurs ebenso engagiert wie eine Stripperin als sein Hausmädchen zur Ablenkung der Wachen; wer sich die Ausführung noch immer nicht glaubhaft vorstellen kann, „muss" sich dann doch die bildliche Umsetzung zu Gemüte führen. Wongs Erzählweise ist dabei ebenfalls sehr angenehm; Kamera und Schnitt verhalten sich ruhig, aber nicht gleich träge. Die Inszenierung mag sehr einfach wirken, aber hat immer exakt die korrekten Komponenten im Bild und kann auch mal unauffällig die Genres wechseln, ohne gleich einen Bruch hinzulegen. Clous werden dann in den eh aktiveren Actionszenen absolviert.

Die von Yuen Cheung Yan choreographierten Kämpfe sind in passender Stückzahl eingeworfen, ohne Überhand zu nehmen oder auch sonst etwaige Messlatten zu durchbrechen. So wirklich enorm treibend sind sie auch gar nicht, aber die beigemengten Details sorgen für willkommene Vielfalt.
So wird anfänglich eine Prügelei in einem Billardsalon zu einem Snooker mit Menschen statt Bällen umgeformt; die Angreifer wie die Kugeln in den Ecken versenkt. Später taucht ein Killer auf, der dermassen viel Messer an allen möglichen Stellen seines Körpers versteckt hat, dass er sich bis zum Sankt Nimmerleinstag damit betätigen könnte.
Am Ende werden sogar noch die Schusswaffen ausgepackt; mit einem Feuerwerk beschliesst man einen durchgängig erfreulichen Film. Mögen einzelne Höhepunkte fehlen, so ist doch das Gesamtpaket derart wohltuend zu schauen, dass man direkt zum nächsten Vertreter greifen möchte. Wann kann man das sonst von Gambling - Filmen allgemein oder Wong Jing - Filmen speziell behaupten ?

Details
Ähnliche Filme