Nichts ist komplizierter, komplexer und grotesker, aber auch letztendlich schöner als die Liebe. Immer wieder streben wir nach dem Zustand verliebt zu sein.
Diese Botschaft vermittelt „Hautnah“ in vollen Zügen.
Übertragen auf vier Protagonisten, einer Fotografin namens Anna (Julia Roberts), dem Arzt Larry (Clive Owen), der Stripperin Alice (Natalie Portman) und dem Schriftsteller Dan (Jude Law), erlebt der Betrachter eine Geschichte über wechselnde Beziehungen, die durch absolute Freiheit von Klischees und Kitsch, glänzt. Auf diese Art und Weise ist die Thematik noch nie beleuchtet worden, denn die Authentizität ist einzigartig.
Der Film zeigt, dass Liebe emotionalen Krieg bedeutet geführt auf allen Ebenen mit unzähligen unehrenhaften Mitteln wie Intrigen, Lügen, Betrug und sie uns dennoch fesselt, so dass wir immer wieder diese Qual suchen.
Das klingt übertrieben dramatisch, aber auch in diesem Punkt erfüllt „Hautnah“ den Bezug zur Realität, denn wir schützen uns vor der Qual, indem wir Gleichgültig reagieren oder uns Ersatz, eine Kompensation für den zugefügten Schmerz suchen. Der dadurch entstehende Zynismus erzeugt oftmals auch ein wenig Witz innerhalb der Dramatik, ohne dabei die Ernsthaftigkeit abzuschwächen.
Von kitschigen, seifigen Standard-Mustern wird man glücklicherweise gänzlich verschont. Ersatzweise werden äußerst intelligente Dialoge, gespickt mit Sarkasmus, geboten.
Trotzdem ist der Film nicht gezwungen intellektuell und sprachlich unbeschwert gestaltet, zumal kein Blatt vor den Mund genommen wird, weshalb eigentlich alles frei und offen vorgetragen wird, so dass Themen wie Sex außerordentlich freizügig behandelt werden. Prüde Zeitgenossen dürften teilweise mit der Errötung kämpfen.
Generell entsteht der Eindruck, dass der Freiraum für die Schauspieler sehr groß ist. Es wirkt alles ungezwungen, was vor allem an den großartigen Leistungen der Akteure und den nicht existierenden Klischees liegt.
Ein Blick auf die Liste der beteiligten Schauspieler löst im Nachhinein Verwunderung aus, denn im Zusammenhang mit den Charakteren erscheinen die Namen Jude Law und Natalie Portman zunächst unpassend. Umso überraschender ist es, dass Law mit lebhafter Mimik und perfiden Gedankengängen erlebt werden darf, während Portman einen für sie ungewohnt, anrüchigen Charakter absolut überzeugend spielt. Ferner glänzt Clive Owen als zynischer, unsympathischer Mediziner, der allen eingefahrenen Vorstellungen trotzt. Das Überraschungsmoment wirkt bei Owen und vor allem Portman noch mehr, so dass sie den etablierten Größen wie Roberts die Show stehlen.
Ein weiterer Schritt in Richtung außergewöhnlicher Film gelingt durch den Erzählstil. Fortlaufend werden wesentliche Ereignisse innerhalb der Wechselbeziehungen zwischen den vier Hauptpersonen durch Zeitsprünge eingeleitet, wobei der Zeitraum der Geschichte unbekannt bleibt. Gegen Ende wird nach einem Spiel aus Gegenwart und Vergangenheit, zwischen Reflexion und aktuellen Geschehen, verfahren. Langweile entsteht deshalb nie, da der Plot immer wieder durch wesentliche Geschehnisse vorangetrieben wird.
Unabhängigkeit kann ein Segen sein, weil speziell Beziehungsdramen durch Kitsch des Öfteren verseucht wurden. „Hautnah“ ist eine positive Ausnahme, da die Mischung aus Intention und realistischen Verhaltensmustern gelungen ist, weshalb sich die Wirkung vollends entfaltet. (8,5/10)