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Mal wieder ein Film über die Liebe. Wer hätte es gedacht. Selten dürfte eine Inhaltsangabe über einen Film weniger verraten als bei "Hautnah". Solche Stories kennt man zwar zur Genüge, doch dass diese dann von Dialogen beherrscht werden, die noch dazu hin feingeschliffen, brutal ehrlich und nahezu aus dem Leben gegriffen sind, das sieht man nicht an jeder Straßenecke.

Dass die Handlung ursprünglich ein Bühnenstück war, kommt da nicht überraschend. Eigentlich sind es wirklich nur die vier Hauptpersonen, die von Bedeutung sind. Nur ansatzweise wichtige Nebendarsteller sucht man hier vergebens, denn "Hautnah" wird ganz alleine von Jude Law, Julia Roberts, Clive Owen und Natalie Portman getragen. In tiefgründigen, messerscharfen, lustigen wie knallharten Dialogen erzählt der Film seine Geschichte. Die Geschichte über die Liebe und ihre abertausend Facetten.

Der Film beginnt fast schon unwirklich schön. Der erfolglose Schriftsteller Dan lernt mitten auf der Straße die naive Alice kennen. Schon in den ersten Minuten ist man Zeuge einer unglaublichen Dialogstärke, welche in dieser Form und in diesem Ausmaß ganz selten noch auf den Kinoleinwänden zu sehen und hören ist. Da ist nichts kitschig, nichts überdreht oder gekünstelt, das sind Dialoge aus dem Leben und erinnern ganz einfach an die Realität. Bald stoßen noch der Dermatologe Dan und die Fotografin Anna mit hinzu und alle Vier geraten in ein Geflecht von Intrigen, Betrug, Lügen und Eifersucht.

Die Liebe kann so schön sein. Wie man zu Beginn anhand Dan und Alice sieht. Die Liebe kann auch aus den witzigsten Situationen heraus entstehen. Wie Anna und Larry zeigen. Doch Liebe ist nicht nur Liebe und kann auch hinterlistig und schweinisch sein, wie man wiederum durch Dans und Larrys Chat erfährt, einem der vielen Highlights des Films. Die Liebe kann jedoch auch schmerzhaft und traurig sein. Und vor allem stellt die Liebe auch eine Art Machtkampf dar, ein Spiel, in der keiner der Schwächere sein möchte und jeder um seinen instinktiven Stolz kämpft.

"Hautnah" zeigt die Liebe in ihren verschiedensten Varianten, stellt aber keinen Liebesfilm dar, sondern einen Film über die Liebe. Hier wird nicht romantisch, liebevoll oder hollywoodhaft rumgetan, wie es so mancher Zuschauer gern hätte. Währenddessen der Anfang noch auf eine intakte Liebesgeschichte par excellence hinweisen mag, erkennt der Zuschauer schon bald, dass "Hautnah" viel mehr ist, als eben ein Liebesfilm. Er greift Gedanken auf, die die meisten anderen Filme bisher gescheut haben. Es wird über Themen gesprochen, die bis jetzt irgendwie tabu waren, die Gefühlswelten der Darsteller sind nachvollziehbar und verständlich und vor allem, die Charaktere sprechen darüber. Wo die meisten Filme nur andeuten oder an der Oberfläche bleiben, geht "Hautnah" tief ins Detail, was nicht immer leicht verdaulich bleibt, doch genau das sind eben solche Gespräche im echten Leben auch nicht. Da wird betrogen, gelogen, gesühnt, vergeben, geliebt, geweint, gehasst, miteinander gespielt und das Alles wirkt überhaupt nicht konstruiert, sondern fast schon wie eine Hommage an die Liebe und wie diese die Menschen beschäftigt.

Ein Film über die Liebe, der vordergründig sicher nicht nur auf gut Wetter macht, aber genau deswegen erfreut, da es nicht als alltäglich anzusehen ist, einen solch ehrlichen, dialoglastigen und dennoch phänomenal fesselnden Film zu kreieren, der in seiner Beschaffenheit und Einfachheit seinesgleichen sucht, aber trotz allem so unglaublich eigenständig und einzigartig ist, dass man sich als Filmfan einfach über so etwas freuen muss. Die Liebe ist nicht nur schön, sie auch nicht nur deprimierend. Die Liebe kann Sachen mit einem anstellen, was sonst Nichts und Niemand kann. Und man kann auch durch Liebe Dinge tun, die einem sonst nur schwer gelingen.

"Hautnah" ergreift aber bei all dieser Thematik keine Partei. Der Film will die Verliebten nicht noch Verliebter machen, indem er aufzeigt, wie wunderschön doch alles ist. Doch er macht die Deprimierten nicht noch depressiver. Er ist ganz einfach ehrlich.

8,5/10 Punkte

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