Review

Hier bei diesem Film fällt es schwer, eine Inhaltsangabe zu machen. Die Erzählung lebt sehr von den einzelnen Dialogen und Taten der Einzelcharaktere, so dass es schwierig wird einen Inhalt zusammen zu fassen, ohne, dass man gleich alles verraten wird.

Es gibt insgesamt vier Hauptcharaktere, auf welche der Film auch reduziert ist, denn es kommen fast keine weiteren Personen außerhalb der Statisten vor. Und diese Hauptcharaktere setzen sich wie folgt zusammen (in der Reihenfolge ihres Auftretens):

1. Alice (Natalie Portman)
Alice ist 24 Jahre alt, Stripperin, wobei man manchmal nicht genau weiß, was sie wirklich ist. Sie ist unbekümmert und wird gleich nach dem Auftauchen einen Unfall haben, nach welchem sie von Daniel Woolf, genannt Dan, ins Krankenhaus gebracht wird. Im Verlauf entwickelt sich daraus eine Beziehung. Alice ist in Konkurrenz zu Anna um Dan, und Alice begreift praktisch sofort, dass sie eifersüchtig auf Anna ist, als sie sich zum ersten Mal begegnen. Außerdem besteht eine Beziehung zu Larry. Dieses Verhältnis ist jedoch nicht als Beziehungsverhältnis gedacht, jedoch benutzt Larry eben jene Alice für seine Zwecke.

Natalie Portman passt perfekt in diese Rolle, da sie zum Zeitpunkt des Filmdrehs fast genau Alice Alter hat. Gerade der Charakter der Alice hat viele verschiedene Facetten, so dass die Rolle wahrscheinlich die komplexeste Rolle in diesem eigentlich in Buchvorlage als Theaterstück vorliegendem Film ist. Dabei wirkt Alice auch ein Stück weit naiv und gerade deshalb ist der Charakter so absolut authentisch.

Natalie Portmans bester Film, wobei ich Black Swan noch nicht gesehen habe.

2. Daniel Woolf genannt Dan (Jude Law)
Dan ist ein etwas anderer Schriftsteller, denn am Anfang schreibt er hauptsächlich Nachrufe für eine Zeitung. Erst später hat er seinen Durchbruch mit dem Titel Das Aquarium, für welches Werk er in dem Studio von Anna Fotos machen lässt. Er liest Alice von der Straße auf, als diese ihren Unfall hat, und im Verlauf verliebt er sich in sie. Als er jedoch bei Anna ist, begehrt er sie sehr, und er findet, dass sie eine eigene Vernissage haben sollte. Alice passt natürlich überhaupt nicht, dass Dan sich an eine andere heran macht, was dann in einem tränenerfüllten Foto widergespiegelt wird. Doch Anna weist ihn zurück, und Dan macht per Zufall in einem Chatroom Larry auf Anna aufmerksam, gedacht als Streich mit einhergehender Belästigung, nichts ahnend, dass er damit Anna und Larry in eine Beziehung bringt.

Auch Jude Law, den man vielleicht eher als Dr. Watson kennt, verkörpert den Charakter des Daniel Woolf ziemlich gut, denn dieser wirkt anfänglich wie ein verschüchterter, junger Mann, erweist sich im Film aber dann manchmal als das Gegenteil. Ab und an kommt aber genau die eben genannte Seite wieder zum Vorschein, woran man sieht, dass er als Person sehr verletzlich ist. Er ist am Ende wahrscheinlich der Verlierer der Geschichte.

3. Anna Cameron (Julia Roberts)
Anna ist eine Fotografin, die für das Fotoshooting mit Dan erstmals im Film auftaucht. Es entsteht dort auch direkt ein erster Annäherungsversuch durch Dan. Dieser bringt sie dann unfreiwillig mit Larry zusammen, den sie im Verlauf auch heiraten wird. Doch nach ihrer Vernissage, bei welcher Alice als Foto extrem markant auftaucht und alle vier Hauptpersonen erstmals gemeinsam interagieren, beginnt Anna ein Verhältnis mit Dan, obwohl sie weiß, dass diese mit Dan zusammen ist. Nur hält sie das vor Larry geheim, denn sie weiß nicht, wie dieser reagieren wird. Als es dann doch zur Sprache kommt, entsteht ein Bruch in der Beziehung Anna und Larry und es entsteht die Beziehung Anna und Dan.

Julia Roberts passt zwar sehr gut in die Rolle der Anna, jedoch hat sie in ihrer Karriere weitaus bessere Rollen gespielt, wenngleich Anna Cameron keine schlechtere Rolle ist. Man kann diese aber nicht mit der Größe einer Rolle aus Die Akte als Darby Shaw oder einer Erin Brockovich vergleichen. Als am weitesten in ihrer selbst entwickelten Charakter bietet Anna aber einen guten Kontrapunkt zu der noch jungen Alice. Anna ist dagegen eher elegant, hat etwas erreicht im Leben, doch auch hier merkt man, dass sie sich nach Liebe sehnt, obwohl sie im Film auch auf ein Angebot eingeht, was das Gegenteil vermuten lässt.

4. Larry Gray (Clive Owen)
Larry Gray ist ein Dermatologe, der in einer Klinik arbeitet. Er wird eher zufällig über den bereits oben erwähnten Chat ins Geschehen gezogen, und gerade diese Anna, mit der er glaubt zu chatten, trifft er erstmals am Aquarium in London. Und er beginnt eine Beziehung mit ihr und heiratet sie schlussendlich. Doch erfährt er von ihrer Affäre mit Dan, so dass hier die Beziehung zu Ende scheint. Larry ist jedoch sehr berechnend, er scheint genau zu wissen, was er will und wie er das erreichen kann. Und außerdem weiß er auch genau, wie er seinem Gegenpart schaden kann, und das macht er dann auch mit einer trickreichen Tat, die ihn wieder zu Anna zurück bringen soll. Man merkt, dass er sie liebt, und durch die Lebenserfahrung, die er in diesen Film mitbringt, denn er ist der älteste der vier Charaktere, wird er wahrscheinlich als einziger zum Gewinner des Schauspiels.

Neben Natalie Portman ist Clive Owen eigentlich der Star des Films, denn der Charakter, den er spielt, hat ein sehr starkes Gewicht im Film, obwohl ihm vielleicht weniger Zeit als Dan vergönnt ist. Durch sein Handeln bringt er aber das Gesamtgefüge zum Wanken und schlussendlich wahrscheinlich auch zum Einsturz, wenngleich dazu immer mehr als eine Person gehört.

Clive Owens zweitbester Film, denn als Dwight McCarthy in Sin City gefiel er mir etwas besser.

Durch diese vier Charaktere lebt der Film, der jeweils mit Zeitsprüngen versehen ist, ohne, dass diese angekündigt werden. Allein durch das, was die Personen sagen und machen, muss man auf die entsprechende Zeitdauer schließen, und das macht diesen Film etwas anspruchsvoller, als es bei vergleichbaren Filmen der Fall ist. Hautnah dem Genre eines Liebesfilms zuzuordnen, wird ihm eigentlich nicht gerecht. Am ehesten würde eigentlich die Bezeichnung Beziehungsdrama passen, denn das ist es, da alle vier Personen in unterschiedlichen Beziehungen zueinander stehen.

Zu Atmosphäre trägt außerdem die Musik des Films bei, die auf der einen Seite aus Mozarts Cosi fan tutte besteht und zum anderen den extrem markanten Song The Blower's Daughter von Damien Rice beinhaltet. Insbesondere die Zeile I can't take my eyes off you ist extrem prägenden für den Song und so sehr passend für den Film, so dass diese eine Zeile das Gefühl und die Stimmung des Films sehr gut zu transportieren vermag.

Im Nachhinein habe ich das Theaterstück von Patrick Marber in der Originalsprache gelesen, und in sehr großen Anteilen hält sich der Film an die gleichen Ausdrücke. Die Handlungsabweichungen sind zwar nur in ganz geringem Maße vorhanden aber an ein oder zwei Stellen durchaus markant, ohne dass man dadurch die Qualität des Films verminderte.

Auch erst hinterher ist mir etwas aufgefallen, was mir bei vorherigen Sichtungen gar nicht bewusst war (hier muss ich leider etwas vage bleiben, damit kein Spoiler auftritt): Die Gedenktafel aus dem Film gibt es wirklich in London, und diese Tafel ist für den gesamten Film sehr bedeutend, so dass eine ganz andere Sicht auf den entsprechenden Charakter gelegt werden kann.

Für mich ist es einer meiner liebsten Filme, die ich bisher gesehen habe, und ich kann ihn immer wieder ansehen, da immer wieder neue Aspekte zum Vorschein kommen. Nicht jeder kann mit so einem Film aber etwas anfangen, weshalb ich dieses Mal zwar die Höchstwertung aber keine klare Sichtungsempfehlung gebe.

Details
Ähnliche Filme