Auf zum Nachfolger einer der bekanntesten Horror-Anthologien, Boars and Ghouls! Tom Savini präsentiert euch in kaum wiedererkennbarer Form als Gruselcomics verteilender Creep drei kleine Geschichten, die euch das Blut in den Adern gefrieren lassen - sollen. Denn kann der nette Onkel seine Versprechen auch halten?
Die Rahmenstory handelt vom Jungen Billy, der so um die 12 sein dürfte, sich comicbegeistert und blutiger Action zugeneigt zeigt: ein lupenreines Mitglied der Zielgruppe für Horrorcomics jeder Art. Ihm begegnet der Creep, der ihm sein neuestes Comic "Creepshow" natürlich nicht vorenthalten will. Langsam verwandelt sich der Realfilm in eine Animation; man wird quasi mit Klein-Billy in die Comicwelt hineingezogen und darf sich die erste Geschichte (wie die anderen zwei auch wieder als Realfilm gedreht) erzählen lassen, die da den schaurigen Namen trägt:
Old Chief Wood'nhead
Der alte Shopkeeper eines kleinen, aussterbenden Örtchens im Nowhere ist genauso ein Holzkopp wie die alte Indianerfigur, die vor seinem Laden steht. Obwohl seine Frau ihm rät, das Geschäft aufzugeben (der letzte Kunde kam vor 4 Tagen), mag er's nicht lassen. Denn wer ein proud American ist, der bleibt, wo er ist und hofft auf gute Zeiten. Nein, meint seine Frau, die ein anderes Verständnis von amerikanischen Werten als ihr Gatte hat. Aber weil wir es mit einem ganz dolle lieben Ehepaar zu tun haben, kann sowas wie ein Streit erst gar nicht aufkommen und es herrscht zwar irgendwie Besorgnis, aber eigentlich sind trotzdem alle glücklich. Dann kommt auch noch ein benachbarter Indianerhäuptling wie aus dem Bilderbuch, der offensichtlich einen Berg von Schulden bei besagtem Lädchen hat und bietet den Stammesschmuck als Pfand an. Große Gesten hier, kitschiges Geschwafel da, dann haut der Chief auch wieder ab und der Ladenbesitzer tritt mit seiner Frau vor die Tür, sieht auf die Wüste vor ihm und meint, was für ein großartiges Land sich doch vor ihnen erstrecken würde und dass es auch wieder bergauf gehen werde.
Die Sonne scheint, zufriedene Gesichter (genau zwei, denn den Rest der Stadt gibt's offenbar nur theoretisch), dann gehen beide rein und es ist Nacht. Ja, wenn man etwas älter ist, können einmal Tür öffnen und ins Haus gehen schon mal einen halben Tag dauern. Ach so, Bösewichter haben sich inzwischen auch breitgemacht. Durch die Hintertür sind sie hereingekommen, die drei Schlingel, und terrorisieren nun das good ol' couple. Ihr Boss, ausgerechnet der Enkel des guten Chiefs, der eben noch da war (oder vor einem halben Tag, who cares), ist Haarfetischist und Egozentriker. Er stiert also hauptsächlich auf sein edles schwarzes Haar und schwafelt davon, wie er damit Hollywood im Sturm erobern werde. Zwischendurch eskaliert die Situation noch, er erschießt die Alten, klaut den Stammesschmuck und alle hauen ab.
Da aber wohl wirklich keiner mehr im Dorf wohnt und die Tat bemerken könnte, lassen sie sich eine Nacht Zeit, bevor sie Hollywood erobern gehen. Das freut die hölzerne Indianerstatue, die sich aufmacht und einen nach dem anderen erledigt.
Ich gebe zu, meine Erzählung war wenig euphorisch und ach nicht gerade spannungsfördernd. Genauso ist diese Geschichte. Vorhersehbar von vorne bis hinten und klischeehaft bis zum Gehtnichtmehr; Filmfehler gibt's als Sahnehäubchen obendrauf. Da Romero höchstselbst das Drehbuch verbro... verfasst hat, darf davon ausgegangen werden, dass er ein bisschen Überzeichnung mit hineinbringen wollte. Warum dann kommt das Ganze so bierernst rüber? Nun ja, die Kritikpunkte dürften deutlich geworden sein; weil aber die Dialoge immerhin routiniert und nicht völlig sinnfrei sind und der Holzindianer mir wirklich gut gefallen hat, gibt es noch
4,5 Punkte.
Klein Billy hat inzwischen eine Venus Fliegenfalle erstanden. Ja, so ein Lausbub möchte Blut sehen, und da kann man sich natürlich nicht gerade Kressesamen zulegen. Im Folgenden entspannt sich eine Geschichte, die nicht so recht in das Schundhorrorcomickonzept passen will.
The Raft
Sie passt nämlich mehr in einen Teeniehorrorfilm und weniger in ein Horrorcomic, das sich abenteuerlustige Kinder kaufen: Es geht nämlich hauptsächlich um Sex. Zwei mehr oder minder lüsterne Highscool-/Collegepärchen fahren zu einem See. Ja, die üblichen Klischees sind selbstverständlich vertreten: Der Quarterback, der ein williges Püppchen zur Freundin hat (die ausnahmsweise mal kein Blondchen ist), der belesenere Kumpel, der in der zweiten Reihe tanzt und dessen Freundin, die die stillste von allen ist. Dann kann's ja losgehen.
Am See angekommen, überlegen sie sich (besser gesagt, ihr gut gebräunter Anführer), zum Floß zu schwimmen, das in der Mitte des Flusses liegt. Als sie triefnass dort anlangen, bemerken sie einen seltsamen Schleim, der sich gierig um das Floß herum verteilt. Der Quarterback lässt seine grauen Zellen Überstunden fahren und kommt zu dem Schluss, dass es sich hierbei um eine Öllache handeln muss (zur Erinnerung: Wir befinden uns auf einem See, der irgendwo im Nirgendwo liegt). Sein Freund ist da anderer Meinung, die bald von seiner allzu neugierigen Freundin bestätigt wird. Unter großem Geschmodder verleibt sie sich der gierige Blob ein. Spannend wird es, wenn der Schleim sich unter das Floß begibt und sich durch die Ritzen zwängt. Schwupps, der Quarterback darf auch dran glauben. Der Blob ist wohl erstmal satt und zieht sich zurück; die beiden Überlebenden halten Wache. Es wird Nacht, wieder Tag - der Junge wacht auf, das Mädchen schläft noch. Diese Einladung nimmt er gerne an und beginnt, sie auszuziehen und abzuschlecken. Das darf nicht ungesühnt bleiben...
Obwohl ich die Stephen King-Vorlage dieser Geschichte leider nicht kenne, kann ich mir vorstellen, was der Autor mit ihr zeigen wollte. Sexuelle Gier, die in Extremsituationen außer Kontrolle gerät und das Tier im Menschen zeigt - so ungefähr stelle ich mir das Thema (wenn jetzt wohl auch überspitzt) vor; der Blob als Katalysator. Und obwohl die Geschichte in diesem Rahmen etwas deplatziert wirkt und sich mehr auf blutige Effekte denn auf die psychische Entwicklung der von der Außenwelt Abgeschotteten konzentriert, ist dieser zweite Beitrag zur Creepshow gelungen. Kein Überflieger, aber die Spannung stimmt (besonders, wenn die Überlebenden auf den Bohlen balancieren müssen, um nicht mit dem Schleim in Berührung zu kommen), die Effekte ebenso und Längen gibt es auch kaum. Solide
7 Punkte.
Billy hat es schwer erwischt: Seine fleischfressende Neuerwerbung befindet sich unter dem Fuß des Dorfbullys. Nach einem gezielten Tritt in die Kronjuwelen des Hünen. Während sich Klein-Billy bei der anschließenden Verfolgungsjagd überlegt, ob seine Entscheidung gerade klug war, beginnt die letzte Geschichte.
The Hitchhiker
Ich darf vorwegnehmen, dass es sich hier um die beste und spannendste der drei Storys handelt; ich möchte also nicht zuviel verraten. Die Frau eines reichen, aber wohl etwas lustlosen Gatten verbringt den Abend mit einem Callboy. Auf dem Weg nach Hause kommt sie kurz von der Straße ab und findet sich im nächsten Moment mit Blut auf der Winschutzscheibe wieder. Ein Blick nach hinten zeigt: Da hat ein Anhalter sein Leben gelassen. In ihrer Panik begeht die Frau Fahrerflucht. Und während noch diverse Autofahrer (darunter King himself als Trucker) den Toten begutachten, sieht die zunehmend panische Frau denselben an ganz anderer Stelle am Straßenrand stehen. Er möchte mitgenommen werden und so sieht er auch aus. Daraufhin entspannt sich ein surrealer Albtraum, der äußerst blutige Formen annimmt und kein gutes Ende finden kann.
Diese Geschichte ist wahrlich traumhaft gestaltet. Dies ist wörtlich zu nehmen: Wenig ist hier mit Logik zu erklären; der Anhalter taucht immer wieder auf, auch in völlig zerschmettertem Zustand lässt er nicht locker; die Frau fällt in ihrem Schrecken Entscheidungen, die typisch für unlogische Horrorfilme sind, hier aber ins irreale Traumschema passen (s. "Nightmare on Elm Street"). Eine sehr spannende und bluttriefende Episode, die als Abschluss eindeutig richtig gewählt wurde. Gute
8 Punkte.
Auch die Geschichte Billys kommt zu einem Ende, das natürlich auch noch einen Twist parat hat und genau der Flucht in die Fantasiewelt entspricht, die für geplagte Kinder so typisch ist. Der Comic wandelt sich wieder zum Realfilm und der Creep verschwindet mit seinem Wagen in der Ferne.
Obwohl die Episoden sich nicht gerade auf einem durchgängig hohen Niveau befinden, machen die ordentliche Rahmengeschichte und die geschickte Anordnung der drei Horrorgeschichten dieses Manko zu einem gewissen Grad wieder wett. Wie so oft wird auch hier fehlende Klasse mit Gore und zwischendurch auch etwas deplatziertem Sex übertüncht, was aber bis auf letzteres auch gut funktioniert.
Ein Kauf muss es zwar nicht gleich sein, aber einen Blick darf der geneigte Zuschauer schon riskieren!