Ich kann die Begeisterung, die der Film bei den Meisten erzeugt hat, nicht ganz teilen, da das Thema mittlerweile einfach ausgelutscht ist, auch wenn das Gezeigte doch recht ansehnlich und nahe gehend ist. Klar, "Der Mieter" wurde 1976 gedreht, damals war die Story vielleicht noch neu und innovativ, im Gegensatz zu heute, aber ein wahres Meisterwerk sollte immer überzeugen, egal wann der Film geschaffen wurde. Und das ist hier eben nicht der Fall, wenn man mich fragt.
Zweifelsohne besitzt der Film gewisse Qualitäten, die ich ihm auch gar nicht abstreiten möchte, doch etwas Besonderes stellt er in meinen Augen nicht dar, auch wenn er recht mitnimmt. "Der Mieter" ist vielmehr ein überdurchschnittlicher Horrorfilm, der gänzlich auf phantastische Wesen verzichtet und eher auf die Psyche geht, den Alltag zum Horror macht, und dadurch noch mehr schockiert als wenn irgendwelche Monster durchs Bild huschen würden. Handwerklich kann dem Film auch keiner was nachsagen, wie gesagt, "Der Mieter" ist ein guter Film, der Hype, der teilweise um das Ganze gemacht wird, ist jedoch übertrieben, finde ich.
Trelkovsky, ein Pole mit französischer Staatsangehörigkeit, zieht in eine freistehende Wohnung in Paris, die vorher eine Frau bewohnt hat, die sich aber dann aus dem Fenster gestürzt hat. Trelkovsky, ein eher zurückhaltender und stiller Mensch, weiß zwar darüber, lässt sich aber davon nicht beirren. Doch sein Leben verändert sich dennoch immer mehr, da zunehmend mysteriöse Dinge geschehen.
Wie gesagt, innovativ klingt und ist das nicht, die Story ist es aber auch gar nicht, die "Der Mieter" zu einem guten Film macht, sondern seine Atmosphäre. Der heruntergekommene Wohnblock, vor allem Trelkovskys schmutzige und dreckige Wohnung, wird durch sehr blasse, leere Farben perfekt eingefangen, alles wirkt sehr düster. Wenn die Kamera mal durch die Wohnung fährt, macht sich richtig schlechte Laune in einem breit, ständig plätschert der Wasserhahn, die Wände und der Boden schauen völlig asozial aus. Die restlichen Personen erledigen den Rest, denn, etwas klischeehaft, wirklich jede Person, die in dem Film auftaucht, hat etwas Mysteriöses, etwas Unheimliches an sich, man traut ihnen alles zu, nichts ist unmöglich. So gut das der Atmosphäre tut, so nervend ist es auch wieder, wenn man bedenkt, dass ja nicht alle irgendeinen Schatten haben müssen. Doch wäre dies nicht der Fall, könnte "Der Mieter" nicht zu einem unheimlichen Film werden. So hat Trelkovsky eigentlich keine Bezugsperson, niemand, mit dem er so richtig sprechen kann, der ihn ernst nimmt.
Warum Trelkovsky dann zum Schluss Wahnvorstellungen bekommt, kann diskutiert und interpretiert werden, eine Lösung bietet der Film nicht. Ob er von seinen Mitbewohnern einfach nur gemobbt wird, wie er selbst meint, die Wohnung an sich die Halluzinationen bewirken oder Trelkovsky sich im Unterbewusstsein einfach aufgrund der Vorgeschichte um den Selbstmord in der Wohnung in den Wahnsinn stürzt, bleibt also offen. Fakt ist, dass Trelkovsky zu einem anderen Menschen wird, ohne dass er etwas dagegen unternehmen kann.
Guter Horrorfilm, der unter seinen Erwartungen, meines Erachtens, zurückbleibt und der zu Recht nicht so viel Aufmerksamkeit besitzt, wie von vielen erwünscht. Das liegt zwar immer noch über dem Horror-Einheitsbrei, das Wort "Klassiker" hat "Der Mieter" jedoch längst nicht verdient. 7,5/10 Punkte