Der Einzug in die neue Wohnung steht für den schüchternen Angestellten Telkovsky (Roman Polanski) unter keinem guten Stern. Die Vormieterin stürzte sich aus dem Fenster zu Tode. Die Nachbarn sind argwöhnisch, pingelig und bezichtigen ihn bei jedem Furz der Ruhestörung. Hinterm Schrank steckt ein menschlicher Zahn in der Wand. Die Situation spitzt sich zu. Doch ist die Bedrohung real oder verliert Telkovksy langsam seinen Verstand…?
DER MIETER zieht den Zuschauer in schaurige Abgründe aus Paranoia und Verfolgungswahn. Sind es wirklich die Nachbarn, die dem Protagonisten an den Kragen wollen, oder ist es die eigene Psyche, die, gemartert von Zwanghaftigkeit und Introvertiertheit, kollabiert? Die Rolle des psychisch labilen Hauptcharakters übernimmt Regisseur Roman Polanski (ROSEMARIES BABY, DIE NEUN PFORTEN, GOTT DES GEMETZELS) selbst. Sein Abgleiten in den totalen Wahnsinn ist fesselnd wie beängstigend. Im gegenüberliegenden Gebäude stehen nachts Menschen am Fenster und starren ihn an. Zu der hübschen Stella, gespielt von der umwerfend sinnlichen Isabelle Adjani (NOSFERATU, BARTHOLOMÄUSNACHT, POSSESSION), pflegt Telkovsky eine verkrampfte Liebschaft. Kackehaufen vor jeder Wohnung, außer der seinen. Auf dem Gipfel seiner Verstörtheit schlüpft Telkovsky in die Rolle der Vormieterin und verprügelt Kinder auf dem Spielplatz. Norman Bates und Tyler Durden lassen schön grüßen.
DER MIETER dreht sich, wie Polanskis Filme EKEL (1965) und ROSEMARIES BABY (1968), um den Horror in den eigenen vier Wänden und den dort angrenzenden. Der Film schlägt in dieselbe Kerbe wie Hitchcocks DAS FENSTER ZUM HOF, ist aber verstörend wie Kafkas VERWANDLUNG. Das Gezeigte gleicht einer visualisierten Psychose. Durch den reinen Fokus auf die Hauptperson fehlt dem Zuschauer die Distanz objektiv beurteilen zu können, was real ist und was nicht. Der Film spielt mit den verborgenen Ängsten von Bloßstellung und Isolation und erreicht ein Höchstmaß an Bedrohlichkeit.
Fazit:
Maximale Verstörtheit. Wahnsinnig gut!