Review

Der Pole Trelkovsky (Roman Polanski) zieht in einem heruntergekommenen Mietshaus in eine nicht minder heruntergekommene (und durch den Suizid der Vormieterin frei gewordene) Wohnung ein. Er ist ein eher unscheinbarer und schüchterner Typ, weshalb er auch über die Spinnereien seiner Nachbarn hinwegsieht. Doch allzu angenehm wird das Leben nicht: ständig wird er vom Hausbesitzer zusammengestaucht, weil er angeblich zuviel Lärm mache, er fühlt sich beobachtet, und als er nicht an einer Mobbingkampagne gegen eine andere Mieterin teilnehmen will, schneiden ihn die Mitbewohner. In Trelkovsky reift die Wahnvorstellung, daß man ihn der Vormieterin angleichen und ihn, wie sie, in den Selbstmord treiben will...

Hm, ein Film spaltet die Gemüter. Für die meisten ein zu wenig beachtetes Meisterwerk, für andere überbewerteter Unsinn. Der Film hat natürlich seine Qualitäten. Das düstere Mietshaus, und speziell die Wohnung entwickeln eine mehr als beunruhigende Atmosphäre, was die merkwürdigen Bewohner auch noch unterstützen. Doch da fangen die Probleme schon an: was nützt die beste Atmosphäre, wenn alles derartig überzeichnet wirkt, das es zur Unglaubhaftigkeit wird? Also ich jedenfalls wäre nicht in eine Wohnung gezogen, deren Concierge (Shelley Winters) mir unter lautem Gelächter vom Selbstmord meiner Vormieterin berichtet, und gegen deren Hauswirt (Melvyn Douglas) sogar Annie Wilkes aus „Misery“ an Liebenswürdigkeit gewinnt.
Was bleibt, sind einige wirklich einprägsame Bilder, etwa wenn Telkovsky in einer Wahnvorstellung seine Nachbarn, gleich Zuschauern in einer Theaterloge, auf den Dächern sitzen sieht, in freudiger Erwartung seines Selbstmordes, oder wenn er schließlich anfängt, sich wirklich für seine Vormieterin zu halten, ihre Kleider anzieht und sich schminkt. Die darstellerischen Leistungen sind durch die Bank überdurchschnittlich, doch wirkt der Film letztendlich wirklich zu realitätsfern, um den Zuschauer so an der Kehle zu packen wie etwa „Ekel“ oder „Der Tod und das Mädchen“.
Dennoch guter, immer noch überdurchschnittlicher Mystery-Horror, jedoch nicht das unverstandene Meisterwerk, das viele in ihm sehen.

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