Der junge Trelkovsky zieht in eine kleine Wohnung. Dort lebte bis vor kurzem eine junge Frau, die sich mit einem Sturz aus dem Fenster das Leben nahm. Die Gründe dafür scheinen unklar und auch für ihre Freunde kam der Sprung aus dem Fenster überraschend. Der Vermieter ist ebenso konservativ wie die Nachbarn, die ihm das Leben nicht leicht machen. Immer wieder eckt er mit deren Vorstellungen von Nachbarschaft an und fühlt sich schließlich sogar von ihnen verfolgt, wittert zum Schluss sogar eine große Verschwörung. Schließlich fühlt er sich in die Rolle der Vormieterin versetzt und verliert den Bezug zur Realität. Polanski entwickelt seine Atmosphäre sehr behutsam und zeigt einige schöne Charakterstudien, statt mit übermäßig vielen Effekten zu hantieren. So stellt er den zunächst zurückhaltenden Trelkovsky zwar als höflich und bemüht dar, jedoch nicht ohne menschliche Makel. Trelkovsky wird überzeugend von Polanski selbst verkörpert, sämtliche andere Darsteller sind ebenso sehenswert, inklusive Isabelle Adjani als seine Geliebte. Das ist großartige Führung der Schauspieler und schafft genug Identifikation mit der Hauptfigur, ganz entscheidend bei diesem Psychospiel. Er entwirft einen packenden Thriller mit gesellschaftssatirischen Anklängen und zugleich eine traurige Darstellung vom Leben eines einfachen Mannes, der immer weiter in eine grotesk-surreale Welt hineinstürzt. Bevor es zum bitteren Ende kommt, erlebt der Zuschauer dessen Wandlung der Identität hautnah mit. Wie aus dem alltäglichen Leben scheinen die Situationen gegriffen und es ist nachvollziehbar, wie dem harmlosen Stadtmenschen übel mitgespielt wird. Ob in der Realität oder nicht, ist wiederum ineinander fliessend, letztlich scheint alles wie ein "ganz normales Schicksal". Obwohl Polanski auch in diesem Film nicht alles ernst nimmt, ist die Beschreibung genial erschreckend und amüsant im Wechsel. Die Drehbuchvorlage stammte im übrigen von Roland Topor.
Fazit: Großartiger Paranoiafilm über die Großstadt, scheinbar simpel, aber ungemein treffende Beschreibung eines Psychoschicksals. 7/10 Punkten