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Als „Cube” im Jahre 1997 erschien, entpuppte sich dieser als Musterbeispiel filmischer Effizienz: Mit einem relativen Minimum an Mitteln erzielte Regisseur Vincenzo Natali ein Maximum an Wirkung – sein spannendes wie clever konzipiertes Werk wurde dementsprechend schnell von der Genre-Gemeinde mit dem inoffiziellen Prädikat „Kultfilm” geadelt.
Die 5 Jahre später von „Pulp Fiction”-Kameramann Andrzej Sekula umgesetzte Fortsetzung „Hypercube” enttäuschte hingegen viele Fans u.a. aufgrund seines verminderten Härtegrades sowie der recht sterilen Optik. Trotzdem ist der Film an sich keinesfalls als misslungen anzusehen, denn er führt die Ideen des Vorgängers zielstrebig aufs nächste Level: Die technische Entwicklung der Titel-gebenden Anlage war inzwischen deutlich fortgeschritten, wodurch der Komplex viel glatter und ausgereifter wirkte – auf diese Weise ließ sich die neu eingefügte Raum-/Zeit-Ebene zudem glaubwürdig erklären, mit deren Hilfe die „Betreiber“ ihre „Probanden“ vor neue Herausforderungen stellen und letztendlich auch effizient sowie fast klinisch rein ausschalten konnten.

„Cube Zero“ (2004) kommt nun also als ein Prequel daher und spielt zeitlich direkt vor dem ersten Teil, zu welchem es in der letzten Szene gar einen cleveren Anschluss gibt. Die Macher dieses Films haben die Story mitsamt ihrer Begleitfaktoren auf jeden Fall konsequent (rückwärts gerichtet) weitergesponnen – hier befindet sich die Anlage noch in ihren Anfängen, also fern der Perfektion wie etwa in „Hypercube“: Die einzelnen Kammern wirken fast rustikal, denn sie bestehen optisch eigentlich nur aus sichtbar zusammengeschweißten oder miteinander vernieteten Metallplatten ohne Verzierungen, und die Fallen töten ihre Opfer keinesfalls „sauber“, sondern auf eher grobe Weise…

Wie schon das Original beginnt auch „Cube Zero“ mit einer brutalen Tötungssequenz: Ein Mann betritt eine der Kammern, wo er nach wenigen Schritten mit einer klaren Flüssigkeit besprüht wird. Nach der ersten Panik schmeckt er diese durstig ab und hält sie für Wasser – Sekunden später beginnt seine Haut jedoch Blasen zu schlagen sowie sich zu verflüssigen, worauf er grausam bis auf die Knochen schmilzt und verstirbt…
Unmittelbar nach dieser Szene wird dem Zuschauer erstmalig die Kontrollstation des „Cubes“ präsentiert, in welcher die Beobachtungs- und Überwachungsbeamten Wynn (Zachary Bennett) und Dodd (David Huband) sich die Zeit mit Zeichnen oder Schach vertreiben. Ihre einzige Verbindung zur Außenwelt stellt ein Fahrstuhl dar, den sie aber nicht benutzen dürfen – auf diesem Wege erhalten sie ausschließlich ihr Essen sowie neue Befehle. Ihre Quartiere befinden sich ebenfalls innerhalb des Komplexes, so dass sie im Endeffekt vollkommen abgeschottet sind.
Als eine neue Gruppe von Personen in der Anlage aus ihrer Bewusstlosigkeit zu sich kommt, erweckt die politische Aktivistin Rains (Stephanie Moore) Wynns Aufmerksamkeit, als er sie aus der Zeitung wieder erkennt. Da er seinen Posten noch nicht lange bekleidet, beginnt er seinem Partner neugierige Fragen zu stellen – trotz Dodds Warnung, es lieber nicht zu tun.
Als er schließlich miterleben muss, was mit Personen geschieht, die tatsächlich mal den Ausgang erreichen, kann er dem Treiben nicht mehr tatenlos zusehen: Mit Hilfe des Fahrstuhls verlässt er den Kontrollraum, nur um sich unten am Eingang zu den Kammern wieder zu finden. Da er aufgrund seiner Tätigkeit über etliche Hintergrundinformationen verfügt, glaubt er an eine reelle Chance, weshalb er sich im Inneren auf die Suche nach Rains begibt, während oben ein Vorgesetzter das Kommando übernimmt, dem es Sorgen bereitet, dass sich Wynn nicht überwachen lässt, da jener mit keinem Implantat ausgestattet ist, wie man sie den anderen „Probanden“ eingepflanzt hat…

Die Herangehensweise der Macher für diesen dritten Teil der Reihe ist klug gewählt worden: In den ersten beiden Filmen hat man die Vorgänge innerhalb des Cubes veranschaulicht bekommen, während man am Ende von „Hypercube“ einen ersten Blick auf die „Außenwelt“ werfen konnte. Diesen Ansatz führt Regisseur und Drehbuchautor Ernie Barbarash nun konsequent fort: Sich ein weiteres Mal auf die Protagonisten im Inneren zu konzentrieren, wäre wohl oder übel in bloße Wiederholung ausgeartet, weshalb man den Fokus nun auf die Beobachter richtete – im Zentrum stehen Wynn und Dodd mitsamt ihrer Arbeit. Alles ist hierarchisch aufgebaut, schließlich empfängt ihr direkter Vorgesetzter ebenfalls nur Befehle und führt diese gehorsam aus. Als Zuschauer erfährt man eine Vielzahl von Informationen, die das Gesamtbild ergänzen, niemals aber auch nur annähernd ausfüllen. Hierzu gehören Elemente der militärischen Personalstruktur sowie der Art und Weise, wie man die Versuchspersonen auswählt, „einfängt“ und per Implantat markiert. Die Aura des Geheimnisvollen wird dadurch zwar abgebaut, doch die erweiterte Perspektive ist ebenfalls interessant.

Bei der Ausstattung hat man gute Arbeit bezüglich der sich noch in der „Rohfassung“ befindlichen Anlage geleistet: Neben der erwähnten Kammerstruktur kann das Produktionsdesign des Kontrollraums ebenfalls überzeugen – alles wirkt dank einer „Low-Tech“-Ausstattung unausgereift, was die Örtlichkeit fast altmodisch wirken lässt. Das Büro ist dunkel und ungemütlich, es tropft Wasser von der Decke (weshalb, erfährt man am Ende) und die Wände sind mit Aktenschränken voll gestellt, in denen sich Informationen über die vielen Testpersonen befinden. Insgesamt sind Look und Ausstattung also deutlich dreckiger als bei den Vorgängern.

Die Fallen sind eine Kombination aus bekannten Varianten des Originals (Flammenwerfer, Stachel etc) und neuen Gemeinheiten (wie etwa Säure oder Schallwellen). Der Härtegrad wurde deutlich gesteigert, was „Cube Zero“ zum brutalsten Film der Reihe macht. Statt Primzahlen gibt es hier Buchstabenkoordinaten zu entschlüsseln, die aber vernichtet werden, sobald Wynn ins Spiel kommt, da ihm die Lösungsweise ja bekannt ist.

Die Probleme des Films liegen in folgenden Bereichen: Die unbekannten Darsteller sind nicht schlecht, aber letztendlich austauschbar. Der Bösewicht des Films (der einäugige Vorgesetzte der Kontrollbeamten) ist recht schwach geraten und pendelt konstant zwischen amüsant (vor allem in der OV) und lächerlich. Die Wendung mit einem Soldaten im Inneren des Würfels am Ende ist enttäuschend umgesetzt worden – allein durch den Schauspieler erinnert sie zu sehr an den ersten Teil, die leuchtenden Augen sind überflüssig und der Endkampf nicht wirklich überzeugend. Letztendlich ist aber die Faszination der Prämisse verblasst, denn der Ablauf im Inneren ist inzwischen bekannt, während die neuen Elemente außerhalb leider nicht ebenbürtige oder ersetzende Spannung erzeugen können.

Trotzdem ist dieser Film keinesfalls schlecht, sondern eine willkommene Ergänzung. Durch seine bösartige und konsequente Natur (beispielsweise was mit den Leuten am Ausgang geschieht oder dem Schicksal von Wynn, mitsamt dem gelungenen Cliffhanger zum Original) kann er auf seine Art überzeugen – wenn auch nicht mehr ganz so stark.

Fazit: „Cube Zero” ist ein brutales, bösartiges sowie dreckig-düsteres Prequel, das aber zu keiner Zeit die klaustrophobische Spannung oder faszinierenden Aspekte der Grundidee in jener Intensität erreicht, wie sie das 97er Original vermitteln konnte … daher nur 6 von 10.

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