Review

Es vergingen unbegreiflicherweise fast drei Jahre, bevor Cube nach seiner Fertigstellung 1997 einen Verleih fand, der dieses 250 000 Dollar billige Mysteryhorror-Highlight in die deutschen Kinos brachte. Der vielfach ausgezeichnete Film überzeugte mit einer reduzierten, aber gerade deswegen sehr effektiven Dramaturgie, einer rätselhaft-unheilvollen Atmosphäre, nahezu hypnotischer Spannung sowie fiesen Tötungsmechanismen, die auf die ahnungslosen „Insassen" des Kubus in verschiedenen würfelartigen Räumen warteten. Nach Cube 2: Hypercube, der mit dem Gedanken um eine zusätzliche Verschiebung raum-zeitlicher Dimensionen spielte, stellt Cube Zero das Prequel zum ersten Teil dar, in dem - so sollte man zumindest meinen - endlich einmal die Hintergründe dieses obskur-menschenverachtenden Experiments geklärt werden.

Dem ist aber nicht wirklich so. Zwar beginnt Cube Zero äußerst vielversprechend, indem einige Techniker gezeigt werden, die die Geschehnisse des Würfelkomplexes auf ihren Monitoren überwachen. Jedoch erfährt man bis zum hanebüchenen Ende - das notdürftig einen Bezug zu Cube herstellt - nicht, zu welchem tiefergehenden Zweck das Ding nun von wem konstruiert wurde. Man substrahiere jegliche Erklärungen von einem fies gestrickten, aber schon bekannten Horrorszenario, multipliziere es mit dümmlichen Dialogen und erhalte auf der z-Achse einen Haufen langweiligen filmischen Abfalls.

Die Handlung zerfällt in zwei Teile:
1.) Ein zweifelnder Techniker namens Eric Wynn (Zachary Bennett) stellt in Anbetracht einer Gruppe ums Leben kämpfender Leute im Kubus seinem Kumpel Dodd (David Huband) ewig lange und komplett langweilig Fragen zum Würfel und den ganzen „Arbeitsbedingungen" an sich.
Dass damit nur Zeit überbrückt werden musste, um auf eine abendfüllende Filmlänge zu kommen, fällt besonders dadurch auf, dass diese Fragen komplett gehaltlos sind und sich nur in aufbrausenden Reaktionen des Gegenübers erschöpfen. Auch haben die beiden soviel Zeit, ständig Schach spielen zu können, weil keine Anordnungen „von oben" kommen. Dass ihre zwei Kollegen schon Ewigkeiten verschwunden sind, scheint sie nicht weiter zu tangieren (herrlich, diese beschränkte „Charakterzeichnung"). Dabei wäre es eine reizvolle Idee gewesen, einmal dieses „Oben" zu zeigen. Doch abgesehen von der Funktionsweise des Kubus mit dem System der Fallen und um die Rekrutierung von Menschen für die Experimente (Soldaten mit Biochip laufen durch den Wald, betäuben irgendwelche Leute, deren Erinnerung dann in einem gleisend hell ausgeleuchtetem Krankenzimmer gelöscht wird) werden keine Hintergründe geklärt. Und spätestens wenn dann ein humpelnder, dümmliche Phrasen klopfender sinistrer Anzugtyp mit künstlichem Auge - Rollenname: Jax - auftaucht, um die eskalierende Situation um einen fliehenden Techniker wieder unter Kontrolle zu bekommen, kann man den Film ob dessen peinlichen Overactings nur noch lächerlich finden.

Apropos:
Teil 2 der Handlung.
Der zweifelnde Techniker findet eine Cube-Insassin namens Cassandra Rains (Stephanie Moore, bekannt aus der TV-Serie Queer as Folk) scharf und weil er zudem herausfindet, dass sie nicht freiwillig an der ganzen Sache mitmacht und selbst auch raus will, begibt er sich in die Versuchsanordnung des Kubus selbst hinein. Ein Wettlauf mit der Zeit und gegen besagten Jax, der mit zwei nicht minder dümmlichen Anzugträgern seinen Platz eingenommen hat, beginnt...
Klingt eigentlich ganz spannend, nur ist es das nicht, weil die zwei noch Verbliebenen im Kubus (alle anderen sind durch die als Vorwand für blutige Effekte dienenden Fallen bereits gestorben) sich erst einmal mit Wynn anlegen anstatt sich zusammenzuraufen und so schnell wie möglich das Weite zu suchen. Als sich dann einer der beiden Überlebenden als Soldat mit Biochip, der durch den ferngesteuert werden übermenschlichen Fähigkeiten ausprägen kann (!!!, alter, hab ich losgeprustet als er dann trotzdem durch einen beherzten Tritt in die Eier erstmal k.o. geht!), war es dann endgültig mit jedem Seriositätsanspruch vorbei.
 
Ein paar nett anzusehende (aber zumeist preisgünstig anmutende) Computer- oder Animationseffekte, ein passables Set-Design (der Prequel-Kubus wirkt dreckiger als sein Nachfolger) und ein paar nette Splattereffekte, die sich wohl nicht vermeiden lassen wenn ein Film von Lionsgate produziert wird, reichen nicht aus, um die ganzen schauspielerischen Totalausfälle und riesigen dramaturgischen Löcher aufzuwiegen. Entgegen der Werbung um „Coke Zero: Echter Geschmack und zero Zucker" kann man bei Cube Zero nur sagen, dass dieses Nachklapp-Gebräu aufgrund von "Echtem Mist und zero Hirn" total ungenießbar ist. Selbst Trash-Fans wird diese filmische Plörre nicht schmecken (2,5/10).
    

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