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Warren (Joe McDonald) hat große Probleme. Er ist ein schüchterner Teenager, der einfach nichts auf die Reihe bekommt. Mit dem anderen Geschlecht klappt es überhaupt nicht, dabei hätte er so gerne eine Freundin. Da helfen sämtliche themenbezogene Sachbücher und Videoratgeber (The Manly Art of Seduction) nichts. Seine peinlichen Anmachversuche (Er: "Hey, Mama, I've been watching you!" - Sie: "Eat shit and die, dickhead!") enden allesamt im Desaster. Sein Arbeitskollege Larry (Wade Kelley) - die beiden arbeiten im Kellerarchiv einer riesigen Bibliothek - ist ihm diesbezüglich auch keine große Hilfe, ist dieser doch ein so intelligenter wie tollpatschiger Nerd, der wie Jerry Lewis zu seinen besten Zeiten herumhampelt. Außerdem ahmt er gerne einen heulenden Kojoten nach, warum auch immer. Warrens Mitbewohner Brad (Kevin Hart) hingegen ist ein cooler Hund, der ein Mädel nach dem anderen ohne Mühe abschleppt. Dann fällt Warren beim Sortieren der Bücher ein Manuskript mit dem Titel Total Mind Control in die Hände, geschrieben von einem verrückten Wissenschaftler, der 1957 unter mysteriösen Umständen ums Leben kam. Warren greift nach diesem Strohhalm, und zu seiner Verblüffung stellt er bald fest, daß die im Manuskript geschilderte Technik funktioniert. Die umwerfenden Erfolge stellen sich rasch ein. Nach einigen mehr oder minder belanglosen Versuchen setzt Warren schließlich alles daran, seine neue Arbeitskollegin Sandy (Shirley Ross) zu erobern. Und tatsächlich kann er ihren Willen brechen ("She's mine! All mine!"). Doch je intensiver er seine neue Gedankenkraft nutzt, desto unerfreulichere Nebenwirkungen (beginnend mit Haarausfall und Kopfschmerzen) stellen sich ein.

Michael Kruegers Mindkiller ist ein etwas unausgegorener Mix aus Teeniekomödie, Horrorfilm und Drama, der mich nichtsdestotrotz positiv überrascht hat. Der Streifen ist zwar billig, krude und nicht wirklich spannend oder gar packend, aber man sieht ihm jederzeit an, daß die Macher sich sehr bemüht haben, hier etwas Originelles und Interessantes auf die Beine zu stellen. Im Mittelpunkt steht ein frustrierter, von Minderwertigkeitskomplexen gebeutelter Teenager, dessen schiere Verzweiflung ihn einen Weg einschlagen läßt, der geradewegs ins Verderben führt. Warren ist, anfangs zumindest, recht sympathisch, und man hat Mitleid mit dem armen Tropf. Erst mit dem Studieren des mysteriösen Manuskripts beginnt sich Warren zu verändern, wobei unklar ist, ob nun seine bereits in ihm schlummernde dunkle Persönlichkeit zum Vorschein kommt oder ob der Text des Mad Scientists einen teuflischen Einfluß auf ihn ausübt und sein Wesen umkrempelt (die körperlichen Mutationen treten erst später auf). Die ersten Experimente mit der neu entdeckten Gedankenkraft haben noch einen harmlosen, spielerischen Charakter. Warren hilft seinem Freund, den Rubik-Zauberwürfel zu lösen, holt steckengebliebene Süßigkeiten aus einem Automaten oder zieht einen Reißverschluß zu, ohne ihn zu berühren. Doch langsam wagt er sich weiter vor, bis er schließlich anderen Personen seinen Willen aufzwingt und sie Dinge tun läßt, die sie eigentlich gar nicht tun wollen. So zwingt er seinen gemeinen Chef Townsend (George Flynn), vor seinen Untergebenen die Hose runterzulassen, und Sandy bringt er gar dazu, sich mit ihm einzulassen, obwohl sie ihn überhaupt nicht mag. Außerdem beherrscht er Telekinese, was Larrys Finger in einer Szene schmerzhaft zu spüren bekommen.

In Punkto Action und Spezialeffekte hält sich Mindkiller lange zurück. Krueger verläßt sich weitgehend auf die Geschichte, die Figurenkonstellation, die unheilschwangere Atmosphäre und die gelungene Dramaturgie. Das Grauen steigert sich langsam aber stetig, wobei einige gut platzierte Schock- und Gewaltmomente die bedrohliche Grundstimmung unterstreichen. Erst gegen Ende eskaliert die Situation völlig, und es kommt zu einem (für Fans von Achtziger-Jahre-Horrorstreifen) durchaus sehenswerten, schleimig-bizarren Body Horror-Finale mit Creature Feature-Bonus. Hätte Krueger auf die zahlreichen humorigen Momente verzichtet, könnte man glatt denken, Mindkiller wäre vom großen Howard Phillips Lovecraft ersonnen worden, bevor der junge, wilde David Cronenberg das Ende umgeschrieben hätte. Parallelen zu Scanners und The Fly sind offensichtlich. Als sehr angenehm empfand ich auch den zeitweiligen Schauplatz des Geschehens; das riesige Archiv, mit seinen langen, endlos scheinenden Korridoren zwischen den bis zur Decke emporragenden Bücherregalen, trägt zur unheimlich-düsteren Stimmung einiges bei. Überraschenderweise ist dieses ambitionierte kleine B-Movie bei weitem nicht so trashig, wie man angesichts des Plots vermuten könnte. Lediglich beim Showdown schlägt Krueger etwas über die Stränge, was aber alle, die phantasievoll gestaltete, eklig-bizarre, charmant-schleimige Monsterkreationen goutieren können - die Make-Up-Effekte stammen von Vincent J. Guastini (Spookies, Metamorphosis: The Alien Factor, Cabin Fever: Patient Zero) und Ted A. Bohus (The Deadly Spawn) -, nicht weiter stören wird. Da die Figuren recht ordentlich charakterisiert sind (kein Vergleich zu den flachen Slasherfilmen dieser Dekade), kommt auch der tragische Aspekt der Geschichte ein wenig zum Tragen.

Über den Regisseur dieses zu Unrecht in Vergessenheit geratenen kleinen Horrorflicks ist kaum etwas bekannt. Als er mit Mindkiller seine Duftmarke setzte, dürfte er so um die Mitte Dreißig gewesen sein. Im selben Jahr drehte er noch Night Vision, und das war es dann auch leider schon mit seiner kurzen Regiekarriere. Bei den Filmen Lone Wolf (1988) sowie The Amityville Curse (1989) war er immerhin noch am Drehbuch und an der Produktion beteiligt. Laut Internet Movie Database verstarb Michael Krueger am 27. August 1990 in Denver, Colorado. Night Vision kenne ich leider (noch) nicht. Aber mit Mindkiller hat er sich ein kuscheliges Plätzchen in meinem Herzen erobert. Denn auch wenn man dem Streifen einige Schwächen nicht absprechen kann, so beinhaltet er doch genug schöne, interessante und/oder sympathische Dinge, um einen sehr positiven Gesamteindruck zu hinterlassen.

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