Ja, Ja der Bollywoodfilm. Ich muß zugeben dieses bunte Kaleidoskop aus ALLEM, was das Kino hergibt ist durchaus beeindruckend. "Ich bin immer für dich da" ist Bollywoodfilm Nr. 3 den ich gesehen habe und ich fand ihn anfangs wieder einmal eigentlich richtig geil.
Shahruck Khan ist Major Ram und muß Terroristen bekämpfen die die Aussöhnung mit Pakistan verhindern wollen. Er erfährt anschließend von seinem sterbenden Vater, daß er einen studierenden Halbbruder hat, der an der gleichen Uni werkelt, wie sein neuer Spezialauftrag: Die Tochter des Generals, der hauptverantwortlich ist für die indisch-pakistanische Annäherung, gilt es unauffällig zu beschützen. Als Krönung dieser gesamten Problemstellung verliebt er sich selbst natürlich auch noch in eine der Dozentinnen.
Der Film funktioniert eigentlich wirklich gut. Er beginnt mit naiv, unbeholfender Action die ähnlich erbärmlich ist, wie das, was einem RTL so vorsetzt, allerdings viel lustiger. Er erweitert das ganze allerdings noch um die mitlerweile verplichtenden Matrixeinlagen. Am Campus angelangt ändert sich dieser halbwegs ernstzunehmende Beginn komplett und klotzt nur so mit wirklich witzigem, hirnrissigen Jacki Chan Slapstickhumor, wie ich ihn in dieser " Schönheit" schon lange nicht mehr gesehen habe. Die obligatorischen Musicaleinlagen sind in der ersten Hälfte des Films sogar wirklich "unauffällig", bzw. sinnvoll und intelligent in die Handlung eingebaut. Als Beispiel: Der als Paradespießer getarnte Major verliert im Armdrücken, muß deshalb eine ihm gestellte Aufgabe lösen die da heißt: der erstbesten Frau ein Ständchen bringen die den Campus betritt. Hey, daß ist wirklich gut gelöst. Als Krönung ist diese "Erstbeste" natürlich die Frau seiner Träume und er hört fortan wortwörtlich permanent Geigen und Kammermusik um sich herum, sobald er die hübsche Dame sieht. Das wird zwar erbärmlich schlecht dargestellt von einer indischen Fiedeltruppe, von denen KEINER auch nur um Ansatz weiß, wie man eine Geige hält oder was man damit macht. Das ist aber auch egal, da die Musik, die dazu abläuft, nicht im Entferntesten zu einem klassischen Geigenquintett passen würde. Aber wie schon gesagt: Scheiß egal. Blöd aber unterhaltsam. Verdammt unterhaltsam.
Tja und jetzt könnte man eigentlich aufhören. 90 Minuten Film sind vorbei. Jeder ist wirklich gut unterhalten worden. Es ist eigentlich alles gesagt. Ich würde mir ernsthaft überlegen den Film zu kaufen. Alles ist gut, danke, Ende.
Dummerweise sind wir in Bollywood und das Drecksteil dauerte nochmal geschlagene 80 Minuten. Wir hatten dämliche B-Action, Hardcorecomedy und opulente Musicaleinlagen. Was fehlt noch ? Genau. Ein schwülstiges Dramolett unterhalb von Rosamunde Pilcher. Und das kommt jetzt in seiner gesamten Bandbreite. Von nun an bewegt sich die Handlung nur noch im Millimeterbereich voran. Die Musicaleinlagen sind nur noch nervig. Die unheilschwangeren, pseudodramatischen Dialoge sind beim besten Willen unpassend und, in Relation mit ihrer Läääänge, absolut unaufschlußreich und mangelhaft. Die anfänglich durchaus skurrilen und interessanten Charaktere werden schablonenhaft, sowohl optisch als auch charakterlich, zurückgestutzt auf allgemeintaugliche 08/15 Standards. Die Showdownaction, wenn man das Rumgehampel so bezeichnen möchte, ist schlichtweg blöd und der Schluß...naja, da war ich dann geistig nicht mehr so dabei, aber ich schätz mal, daß sich alle wieder lieb hatten.
Sollte demnächst wieder ein Film aus Indien laufen und ich wirklich nichts anderes zu tun habe werde ich ihn mir vermutlich wieder anschauen, diemal werde ich allerdings rigoros nach 90 Min. ( also dann wenn Drama droht ) abschalten und mir einen eigenen Schluß zusammenfantasieren.
Das " Ich bin immer für dich" definitv kein "guter Film" im eigentlichen Sinn ist, dürfte klar sein. Allein die Unbeholfenheit, die sich nahezu über sämtliche Elemente erstreckt, verhindert das. Er hätte aber durchaus unterhaltsam werden können, wenn man nicht die gesamte zweite Hälfte schlichtweg in die Tonne treten kann. Deshalb nur 5 Punkte