Reporterin Elaine Tse [ Angelica Lee ] hat sich gerade von ihrem Freund Peter getrennt, als sie dessen Tod durch Autounfall in der Zeitung liest. Bei ihren Nachforschungen mit ihrem Fotographen Kevin [ Edison Chen ] findet sie heraus, dass Peter hinter einer Story in Macau her war, wo ein Model tot in der Badewanne aufgefunden wurde und Sean Cheung, der Sohn eines Zeitungstycoons, beteiligt sein sollte. Aber von der Polizei gedeckt wird. Ihr Chefredakteur Terence Tsang [ Tony Leung Ka-fai ] streitet dies ab, dafür verbündet sie sich mit dem Ex-Cop Lam Hei Fei [ Anthony Wong ] und macht sich selber auf die Suche. Bis sich der Cop Tony [ Gordon Lam ] in die Ermittlungen wirft...
A-1 ist im Gegensatz zu einer Schlagzeile auf der Titelseite Eins ein eher zurückhaltender Film, der sich Zeit für seine Protagonisten und auch ihren persönlichen Geschichten nimmt, und partiell angenehm ruhig und bedacht in Szene gesetzt ist.
Mit wenig anderen Mitteln als allein dem Drehbuch auskommen will, um Aufmerksamkeit und Interesse zu erwecken. Das gelingt allerdings nur teilweise, spielen die formal fragile Umsetzung und auch die zurückhaltenden Darsteller doch konträr dagegen an; das Endergebnis wirkt spätestens mit der Auflösung zu sehr ausgebremst.
Es ist nur halb ein Krimi verbunden mit Drama, nicht richtig ein Thriller und schon gar kein Actionfilm. Man stellt einzig ein paar gute Fragen in bezug auf den konkreten Fall und auch die allgemeine Beziehung zwischen der Presse, der Polizei und der Öffentlichkeit, aber bleibt nicht bissig genug an seinen eigentlich effektiven Themen dran.
Der vorliegende Fall ist dann auch etwas ungünstig aufgebaut, da man die wirklich beteiligten Personen eben nicht kennt und sich nicht mittig in einem etwaigen Mordkomplott befindet. Sondern nur von rein aussen betrachtet; die Aufklärung selber ja keine Anteilnahme oder Motivation von den einbezogenen Figuren her auslösen kann. Den verstorbenen Reporter Peter sowie Model Helen Lee hat man überhaupt nicht gesehen – sie nur auf Photos - ,geschweige denn gekannt. Sean Cheung huscht einige Male durchs Bild, aber in seiner elitären Porträtierung eben aus der Ferne. Man konzentriert sich auf das nach der Wahrheit suchende Team aus Fei, Elaine und Kevin, zwischen denen aber nie eine wirkliche Einheit entsteht und deren Ermittlungsarbeit auch keine wirklich neuen Methoden oder gar Enthüllungen erschliesst.
Ausserdem wird deren Inszenierung nicht forciert, sondern in einem ungewöhnlich langsamen Tempo ausgebreitet; das zwar trotzdem hier und da Spannung ansetzen kann, aber über einige Teile doch eher belanglos erscheint.
Nicht akzentuiert genug.
Man hat mehr Zeit, selber an den Ermittlungen beteiligt zu sein und sich seine eigenen Gedanken dazu zu machen, aber eben auch, die vorhandenen Schwachpunkte des Skripts zu betrachten und einige dem Autor wahrscheinlich unliebige Fragen zu stellen.
Verwunderlich ist nämlich gleich das Verhalten mehrerer Personen, die anfangs sehr mysteriös agieren, aber dann später komplett entgegengesetzt. Als wäre nichts gewesen. Erst zum möglichen Mitwisser oder gar Täter aufgebauscht und später Kämpfer für die Wahrheit. Sicherlich ist das ein beliebtes Mittel vor allem für einen Whodunit, die Charaktere erstmal undurchsichtig zu kennzeichnen, aber selbst abstraktes Benehmen sollte nicht einfach aus der Luft gegriffen werden ohne die Beweggründe zumindest anzudeuten. Hier ist eben alles für eine Weile möglich, aber dann irgendwie doch nicht; aber es fehlt die Aufklärung dessen, was nun warum so gemacht wurde. Es ist zu sehr für die kurze Auswirkung anvisiert, - den mysteriösen Effekt - , wobei die Momentaufnahmen später keinen Belang mehr haben sollen oder zumindest nicht so behandelt werden.
Einiges passiert dann auch wirklich ohne Rücksicht auf die Gesetze der storygebundenen Logik; vor allem das Fehlverhalten der Polizei ist sowohl bei Annahme eines richtigen Handelns ihrerseits als auch bei eventueller Verschleierung vorhanden. So oder so handeln sie bar nicht nur den Polizeigesetzen als auch deren der Vernunft, was dann nun doch zu schwammig ist.
Auch die innere Beziehung des Triumvirats der Ermittler kann selber nur wenig Suspense und Dichte aus ihrem Verhalten beziehen, da dort auch nicht wirklich etwas passiert, geschweige denn etwas überraschendes. Fei und Elaine stehen sich auf den ersten Blick sichtlich naher als Kevin es in der ganzen Zeit zu Elaine hin geschafft hat. Auch Kevins Verhältnis zu dem neu dazu gekommenen Fei hat mehr den Anschein eines Anhängsels; im besten Fall eines Mitläufers. Die Gefühle zueinander sind in der Luft schwebend, aber nicht ausgesprochen; für den Aussenstehenden wohl spürbarer als für die Beteiligten, die dann auch nicht den Mund aufkriegen oder ihn aufkriegen wollen.
Stattdessen wird mehr geguckt, aber eher leer in den Raum hinein; Kevin blinzelt dazu noch einmal so deutlich in einer Frontaufnahme, dass man richtig die entsprechende Anweisung im Drehbuch liest.
Durch das verhaltene Spiel aller Darsteller wird einem keine Person wirklich warm, man baut ebenso kein Verhältnis als Zuschauer auf wie die Dreier – Beziehung untereinander wirkt. Einzig Eric Kot als Partner von Fei bringt hier und da etwas Bewegung hinein, aber die Figur verschwindet mittig für einige Zeit.
Und das wahrlich faszinierende Problem der Überschneidung von Informationsinteresse der Öffentlichkeit, Persönlichkeitsrecht des Opfers, Grenzen der Verdachtsberichterstattung, Einhaltung der journalistischen Sorgfaltspflicht und der Aufgabe der Gewährleistung der Meinungsvielfalt wird hier nur angekratzt; als Segment des Geschehens fast mehr in Kauf genommen als analysiert.
Leider wird dieser fehlende Schwerpunkt aber nicht mit anderen Elementen überspielt; Action fehlt auch völlig, obwohl es auch nicht so sicher wäre, dass es hier reingepasst hätte. Der Ansatz einer Verfolgungsjagd ist jedenfalls soweit gut gelungen; der Brandanschlag samt explodierendem Motorroller sieht schon wieder mehr skurril aus.
Und selbst wenn die Zeitung letzten Endes gedruckt ist, fehlen da immer noch die Antworten auf gerade die wichtigsten Fragen.
Eine davon wäre auch, was der Film eigentlich aussagen will. Mit welcher Intention er geschrieben und so produziert wurde. Hätte nämlich wirklich etwas daraus werden können.