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Gute sechs Jahre nachdem "Amicus Productions" ihren letzten Horror-Anthologie-Film ins Kino brachte, unternahmen die Macher noch einen letzten Versuch, die Firma für die 80er Jahre kassentauglich zu machen. "Monster Club" war das Ergebnis des Versuchs, eine Brücke aus der klassischen Vergangenheit in die vermeintliche Moderne des Horrors zu schlagen. Wie sehr so ein Versuch zum Scheitern verurteilt war, beweist schon ein Blick auf die Realitäten des Horrorkinos von 1979/80, das in der Splatterwelle steckte und interessantere und moderne Themen dutzendfach produzierte.
So geriet "Monster Club" zum letzten Film der "Amicus" und es hätte mit Sicherheit ein würdigerer Abschied sein können, als dieses Kuddelmuddel aus dem besten und schlechtesten, daß man in der Firmengeschichte finden konnte. Für Altmeister Roy Ward Baker auf dem Regisseursstuhl war es allerdings der letzte echte Kinofilm, jedoch ist der finale Murks nicht nur ihm anzukreiden.

Im Wesentlichen war "Monster Club" natürlich wieder eine Anthologie, allerdings in diesem Fall mit nur drei statt der üblichen vier oder fünf Episoden. Man griff, wie schon bei "Die Tür ins Jenseits" auf den R.Chetwynd-Hayes zurück, dessen Gruselgeschichten zu dieser Zeit außerordentlich populär waren, ließ ihn diesmal allerdings selbst in der Rahmenhandlung auftreten, wenn auch von einem Schauspieler verkörpert.
So beginnt der Film eigentlich ganz reizvoll, wenn auch altmodisch, mit dem Zusammentreffen zweier Horrorfilmikonen: Vincent Price (als Vampir) knappert John Carradine (als Chetwynd-Hayes) auf offener Straße an, nimmt aber nur einen Happen statt des ganzen Autors und führt ihn zum Dank in den titelgebenden Club aus, wo er ihn mit Stoff für künftige Stories versorgen will.

Bis zu diesem Punkt ist alles stilsicher und relativ trefflich angeordnet, die Altstars scheinen einen gewissen Spaß am Zusammenspiel zu haben und alles läuft rund. Sobald man jedoch den Club entert, scheinen die schlimmsten Klischees an eine stillose Billigproduktion erfüllt: Price und Carradine befinden sich plötzlich in einer Art Rockclub, deren zahlreiche Bands über den Film verteilt schmissige Gassenhauer zu typischen (und damit platt-peinlichen) Horrorthemen spielen ("Monsters Rule O.K." dürfte das Schlimmste sein.). Noch gruseliger aber die Klientel des Clubs, die aus Statisten in den künstlichsten, steifsten und infantilsten Horrormasken seit Edisons Geburt stecken, welche sogar die Muppetshow wie eine Fingerübung in klinischem Realismus aussehen lassen. Zum Glück darf niemand von ihnen reden, eine Art Conferencier in einer supersteifen haarigen Werwolfmaske (der die Texte kaum aus der Mundöffnung bekommt) muß man jedoch ertragen, was nicht besser wird, wenn seine Körperbehaarung just am Hemdkragen endet.

Der Plot läuft also künftig nach dem Schema "Musiknummer - etwas Klönen - Episode" in Dauerschleife ab und so kann man sich schon mal auf die Episoden an sich freuen, die dann doch eher die Highlights des Films sind. Zuvor versorgt Price den Zuschauer noch mit einer kleinen Genealogie der Fortpflanzungsfolgen zwischen den Monstersippen und schickt dann einen "Shadmock" ins Rennen, aus welchen Kreuzungen der jetzt gemacht ist, habe ich nicht mehr in der Übersicht, auf jeden sieht er ziemlich blaß und tot aus und kann (im Not- oder Wutfall) ein gar finster Tönchen pfeifen. Ansonsten ist er ein netter aber einsamer Typ, der gerne mal ne Sekretärin hätte, was aber nur ein Diebespaar anzieht. Sie hält seinem Liebeswerben tapfer entgegen, auf dem Verlobungsball (mit vielen maskierten Monstren, mit denen man Kosten gespart hat) knackt sie jedoch den Safe und das sollte man eben nicht tun...
Die "Shadmock Story" ist eigentlich hübsch melancholisch und der große Bleiche tut dem Zuschauer in seiner Einsamkeit auch richtig leid - das Finale ist dann jedoch relativ deftig für den Rest der Episode und schmeckt schön nach Splatter.

Die zweite Episode wird nicht von Price, sondern von einem im Club vorstelligen Horrorregisseur namens Lintom Busotsky gegeben, der über seine Kindheitserlebnisse gerade einen Film gedreht hat. Das Ganze ist natürlich ein überflüssiger Injoke für den eigentliche "Monster Club"-Produzenten Milton Subotsky, aber die Geschichte an sich, die "Vampire Story" ist immerhin ganz lustig, mit dem Produzent als kleiner Junge, der seinen Vater immer nur bei Nacht sehen darf und sich vor Leuten mit Violinenkästen in acht nehmen soll (weil da die B-Squad ihre Pfähle drin hat). Als Kinderserie sicherlich ein Knüller und dank Donald Pleasences Mitarbeit ganz erfreulich, aber viel zu breitgetreten, um wirklich mitreißen zu können.

Den Abschluß, die "Humgoo Story" (Kreuzung aus Mensch und Ghoul, lecker) trifft dann den bekannten makabren Ton als beste. Stuart Whitman als Regisseur, der auf Locationssuche in ein Ghouldorf fährt und dort ein Mädchen trifft, das eine Kreuzung beider Arten darstellt, ist recht gut in Form, die Ausstattung stimmt, die Sets sind gut, die Masken treffend und alles in allem ist dies eine nicht berauschende, aber gut umgesetzte Anthologiefolge, wie sie auch in einer TV-Serie ein Erfolg hätte sein können.

Leider muß natürlich noch der Restfilm gefüllt werden und das geht dann zugunsten eines flotten Monologs eines wie immer leicht angetüdelten Price, der die Menschen als das größte Monstrum von allen preist, weil es so effektive Tötungs- und Selbstzerstörungsmethoden erfunden hat, bis dann alle (inclusive des arg hüftsteifen Carradine) zu Tomatensaft durch die Maskenparade twisten.
Wer es also gern albern liebt, der wird an dem Film seine helle Freude haben (die Clubszenen sind ja ein Renner auf Videoportalen), ansonsten leidet "Monster Club" aber unter seiner Unentschiedenheit und dem Dauerspagat zwischen Altertum und (scheinbarer) Moderne und kommt bei letzterer zu Fall, zu anbiedernd und grobschlächtig sind die modernen Teile und vier voll ausgespielte Songs in einem 100-Minüter müssen auch nicht sein. Die Altstars kommen lebendig davon, allerdings war nach diesem latenten Fiasko zu wünschen, daß sie lieber in Ruhe altern sollten, als sich in so etwas zu prostituieren - mit "The House of the Long Shadows" setzte man zwei Jahre später für alle noch einen stilvollen, wenn auch etwas drögen Schlußpunkt hinter diese Ära.

Aufgrund der ordentlichen Storys gibt es keinen Totalverriß, aber nach dem Komplettflop an der Kinokasse, löschte "Amicus" schließlich alle Lichter aus, einige Jahre nachdem bereits die Hammer Films in die Knie gegangen und zum günstigen TV konvertiert war. Der Horror hatte längst ein neues Gesicht bekommen - "Monster Club" war wie seine Figuren eine anachronistischer Bastard ohne echten Stil, wenn auch mit einigen schönen Bildern. (4/10)

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