Luc Besson hat sich in den letzten Jahren zu DEM Actiongaranten Europas entwickelt. Dabei führt er in den wenigsten Fällen selbst Regie, sondern produziert oder schreibt das Script. So sind Eurokracher wie „The Transporter“, „Taxi“ und „Kiss Of The Dragon“ entstanden. Die Zusammenarbeit mit Asiens Superstar Jet Li in letztgenanntem Film scheint gut funktioniert zu haben, denn im vorliegenden „Unleashed“ arbeiten Besson und Li wieder zusammen. Besson hat den Film nicht nur produziert (zusammen mit Li), sondern ist auch für das Script verantwortlich.
Statt eines weiteren Knochenbrecherfilms versuchte sich Besson an etwas Neuem. „Unleashed“ geht wohl als erste Mischung aus Martial Arts-Streifen und Drama in die Filmgeschichte ein. Diese ungewöhnliche Mischung ist es auch, die den Streifen sehenswert macht. Der Film fängt mit einer ultraharten Kampfszene an. Selten hat man Li so erbarmungslos kämpfen sehen. Damit sind gar keine blutigen oder knochenbrechenden Szenen gemeint, sondern einfach die Konsequenz und Geschwindigkeit, mit der Li seine Gegner niederstreckt. Doch nach dieser gut fotografierten Prügelei beginnt eine dramatische Handlung, die „Unleashed“ mehr Tiefe verleiht, als sonst einem Film in diesem Genre. Li spielt den zurückgebliebenen Kämpfer Danny, der von einem Gangster (gewohnt diabolisch: Bob Hoskins) wie ein Hund gehalten wird und für seine verbrecherischen Zwecke mißbraucht wird. Nach einem Unfall kann Danny entkommen und muß lernen, mit der neugewonnenen Freiheit umzugehen. Dabei hilft ihm der blinde Klavierstimmer Sam (Morgan Freeman).
Die Besetzung ist ein weiterer Hinweis für die ungewöhnliche Ausrichtung dieses Filmprojektes. Li kann neben den gestandenen Schauspielgrößen Freeman und Hoskins gut bestehen. Was physische Action angeht, kann man ihm sowieso kaum was vormachen, doch auch Lis Schauspiel weiß durchaus zu überzeugen. So nimmt man ihm den mißhandelten Danny, der sich langsam an ganz alltägliche Dinge gewöhnen muß, ab. Gerade die langsame Wandlung, die der Charakter im Laufe des Filmes erlebt, gelingt Li sehr glaubwürdig. Insofern kann „Unleashed“ ein ersten Schritt für ihn hin zum „seriösen Film“ sein. Ganz wird er die Kampfkunst aber sicherlich nicht an den Nagel hängen, denn gerade die immer wieder eingeflochtenen Actionsequenzen und der daraus entstehende Kontrast zum übrigen Geschehen machen die Besonderheit von „Unleashed“ aus.
Als Aussenstehender gewinnt man leicht den Eindruck, dass Luc Besson ganz allein dafür veratnwortlich ist dass aus Frankreich eine blühende Actionfilmschmiede geworden ist, die sogar für Martial Arts-Superstar Li interessant ist. Immerhin sorgen gelungene Vertreter, wie „Unleashed“ dafür, dass Amerika auf diesem Sektor nicht mehr konkurrenzlos ist und können diesem Genre sogar, wie in diesem Fall, neue Impulse verleihen.
Fazit:
7/10