Review

Im Gegensatz zu Jackie Chan sieht Hollywood in Jet Li auch durchaus die Veranlagung, sich zu einem ernstzunehmenden Schauspieler zu etablieren, und gewährt diesem recht „anspruchsvolle“ Rollen, wie hier die des „Danny the Dog“.

Hier ist Jet Li kein selbstständig denkender Held, der in Extremsituationen sich gekonnt mit Martial Arts zur Wehr setzt, sondern ein Sklave mit der geistigen Reife eines Kleinkindes.
Der widerliche Geldeintreiber Bart (Bob Hoskins) ist dessen Herrchen, und nimmt immer Danny’s Halsband ab, wenn „Kunden“ nicht zahlen wollen. Dann nämlich wird Danny zur gefährlichen Bestie und prügelt sich wie wild durch sämtliche Gegnerscharen, bis sie dann schließlich alle freiwillig deren Hab und Gut an Bart weitergeben.

Mit dieser „Geheimwaffe“ zieht Bart allen das Geld aus der Tasche, während Danny nie klar wird wofür er überhaupt kämpft.
Er ist ein naiver, primitiver, Geistig Zurückgebliebener, der nie ein Wort sagt, und einfach tut was man ihm befiehlt. Selbst Schläge von seinem Herrchen steckt er wie selbstverständlich ein, und haust ohne auf die Idee zu kommen sich zu beschweren, in einem Verließ unter menschenunwürdigen Verhältnissen.

Doch Danny ist trotz allem noch ein Mensch, der auch persönliche Interessen hat, die sich aber innerhalb seines Verlieses nur auf ein Kinderbuch und einen Sandsack beschränken.
Erst als Bart seinen Kampfhund in einem verlassenen Antiquitätenladen warten lässt, kann dieser seine persönlichen Interessen entfalten, und entdeckt mit Hilfe des Blinden Sam (Morgan Freeman) seine Liebe für Musik.

Nach dieser Entdeckung erkennt Danny, dass das Leben noch weitaus mehr zu bieten hat, als nur auf Befehl zu verprügeln, und als er zusammen mit Bart einem Attentat zum Opfer fällt, welches er als (scheinbar) einziger überlebt, wendet er sich instinktiv wieder an Sam, dem ersten Menschen, der Danny mit Würde und Freundlichkeit behandelte.
Danny wird von Sam und dessen Stieftochter aufgenommen und in ein zivilisiertes Leben eingeführt.

Doch der für tot gehaltene Bart taucht nach langer Absenz wieder auf und hat immer noch Interesse an seinen Kampfhund, denn in illegalen Gladiatorenkämpfen winkt das große Geld…

So hat man es bei „Danny the Dog“ mit einer Verschmelzung von Martial Arts Action und Drama zu tun, die für sich jeweils wunderbar funktionieren, aber auch zusammen eine gute Figur abgeben, denn die verschiedenen Phasen, die Danny durchmacht, schaffen Abwechslung und interessante Kontraste.

Nachdem man anfangs miterlebt hat, wie Danny als Kampfmaschine ausgenutzt und wie der letzte Dreck behandelt wird, und dabei nie Fragen stellt und immer treudoof tut was man ihm sagt, ist es witzig zu sehen, wie er dann im Hause der Familie Sam das Leben für sich entdeckt, und nach und nach immer mehr menschliche Verhaltensweisen an sich eignet.
Seine ersten Gehversuche ins gesellschaftliche Leben sind mit einer guten Portion Humor bestückt, die dank Jet Li’s gutem Schauspiel auch einen wirklich plausiblen Eindruck machen.
Wie er schüchtern, mit den Armen ein Keyboard umschlungen, das Esszimmer betritt, wirkt wirklich so, als sei er noch ein kleines Kind, das eben schlecht geträumt habe, und nun Schutz bei anderen Menschen sucht.
Seine Erfahrungen, die er mit Melonen und Eis macht, sind auch äußerst unterhaltsame Szenen, denn bei Jet Li’s naiv sympathischer Kindlichkeit will man ihm schon fast über den Kopf streicheln, so süß wirkt er dabei. LoL
Doch die Szenen funktionieren vor allem in Zusammenarbeit mit Morgan Freeman so gut, der hier wie immer den großen Sympathieträger spielt, welcher mit Gestik und Mimik mal wieder jede Szene ausfüllt, und wunderbar zu Jet Li passt, obwohl beide aus einer jeweils ganz anderen Ecke Filmgenre kommen.
Nur was Sam’s Blindheit betrifft bin ich etwas skeptisch, denn ab und zu hatte ich schon den Eindruck, als könnte der Gute mehr sehen, als er uns weismachen will.

Aber auch die Szenen mit Kerry Condon, als Stieftochter von Sam sind ganz nett, denn auch sie weiß mit Jet Li zu harmonieren, und bringt ihm unter anderem bei, wie man Eis isst; ebenfalls eine sehr amüsante Szene.

Bob Hoskins als Fieser Sack macht ebenfalls eine gute Figur, wenn auch dessen Charakter vollkommen überzeichnet ist, und vor gängigen B-Movie-Badguys-Klischees nur so trieft.
Solch eine verabscheuungswürdige Figur ist aber nun mal auch nötig, um sich voll und ganz auf Jet Li’s Seite zu Stellen, um damit auch umso mehr mit ihm mitzufiebern, denn man wartet die ganze Zeit nur darauf, dass Danny seinem Herrchen endlich mal Saures gibt.

Doch vorher wird er in die Gladiatoren Arena geworfen, und muss sich mit sichtlicher Zurückhaltung zur Wehr setzen, da ihm seine neu gewonnene Freude am Leben verbietet Anderen weh zu tun.
Doch da hier der Actionfan deutlich zu kurz kommen würde, entwickelt Danny wieder seinen Killerinstinkt und kämpft sich äußerst brutal durch seine Gegner (nein, Splatter gibt’s nicht).
Bei Choreograph Yuen Woo Ping, darf man auch nichts Schlechteres als „ziemlich gut“ erwarten, und bekommt dann vor allem im Showdown, wo sich Jet Li gegen einen glatzköpfigen Kung Fu Meister quer durch den Wohnblock fightet, einige erstklassige Einlagen geboten, sowie einige recht nette Ideen, wie der Kampf auf kleinstem Raum, in einer Minitoilette.
Auch die wenigen Gunfight Szenen wurden hervorragend in Szene gesetzt und halten für einige schicke Stunts her.

Am Ende darf man sich dann nur noch fragen: Hat dieses ansonsten so gelungene Drama diesen Actionoverkill nötig?
Nun da scheiden sich die Geister.
Ich zumindest finde ihn gut eingestrickt, und empfinde ihn bei weitem nicht so entfremdend für den langen Drama Part wie manch andere.
Klar kann man jetzt noch Luc Besson einige Vorwürfe zu seinem Drehbuch machen, denn wenn sich am Ende (eher unüberraschend) Bart auch als der Mörder von Danny’s Mutter entpuppt, hätten dann vielleicht noch einige Rückblenden zeigen können wie Danny denn eigentlich aufgezogen wurde, und mit welchen Mitteln Bart diesen zur Kampfmaschine geschult hat.
Und auch Danny’s Lernprozess entwickelt sich auffällig schnell, welcher eben nicht immer ganz nachvollziehbar scheint…vielleicht aber halte ich den Danny zu Beginn des Filmes auch einfach nur für ZU dumm, aber weitere 20min, die die Entwicklung Danny’s verständlicher erzählen, wären schon wünschenswert gewesen.

Das sind aber dann eben alles Dinge, die sich der Zuschauer selbst zusammen reimen muss.
Diese seien jedoch auch verziehen, denn trotz dieser kleinen Löcher im Drehbuch, und der am Ende doch eher primitiven Story um den fiesen Bart, der um jeden Preis seinen Danny für Geldeintreiberei zurück haben will, bekommt man mehr als man erwartet hätte.
Ein (in meinen Augen) sehr überzeugender Jet Li, in einer etwas anderen Rolle, ein wie immer hervorragender Morgan Freeman, in einem gelungenen Drama, welches sehr unterhaltsam aber keineswegs platt einen lernbedürftigen Menschen ins schöne Leben einführt, und in den entscheidenden Szenen aber auch klasse Action zu bieten hat.
Ausgezeichnet gespielt, erstklassig inszeniert, nicht ganz so flüssig erzählt, aber trotzdem verdammt gut!!

Details