Die Gerüchteküche brodelte heiß, als „Danny the Dog“, wie „Unleashed“ damals noch hieß, in Vorbereitung war. Das würde ein extrem harter und skandalöser Film werden.
Der Name „Luc Besson“ auf dem Skript gibt jedoch die Richtung vor, in die das Pferd zu reiten hat, da ist es letztlich egal, wer die Regie führt – der Style ist latent absehbar.
Immerhin – Louis Leterrier, der auch für die recht unterhaltsamen „Transporter“-Filme mit Jason Statham auf dem Stuhl Platz nahm, versteht sein Handwerk.
In ausgebleichten, gräulichen Farben inszeniert er den Alptraum des Menschen, zum Tier abgerichtet, für Gladiatorenkämpfe in den Ring geworfen...schön wärs.
Leider bleibt so gar nichts haften bei diesem Film, der zwar all die Elemente aufreiht, die man innerhalb dieser Erzählung erwarten könnte, aber ihnen nie die Tiefe und das Gefühl gibt, das sie verdienen.
Besson hat sich bei seiner Outsider/Fish-out-of-water-Story wohl zu sehr von seinem eigenen „Leon“ beeinflußen lassen, denn das Endergebnis fällt relativ oberflächlich aus.
Jet Li als weltunerfahrener Auf-Befehl-Kämpfer mit Hundehalsband ist zwar keine schlechte Besetzung für die Titelrolle, aber schon bei dem geradezu monströs chargierenden Bob Hoskins als „Onkel“ fängt es an, Form über Inhalt. Augenrollend hält er dem vor sich hinstarrenden Li Vorträge, treibt Geld ein und entdeckt dann die Gladiatorenkämpfe als finanzielle Möglichkeit.
Doch alles funktioniert mit angezogener Handbremse: die grauen Vorstadthallen wirken künstlich, die Verbrecher sind Abziehbilder, die übrigen Handlanger kaum mehr als Comedy-Sprechblasen. Der ganze Plot ist ein Fertiggericht-Konstrukt, bei dem man sich von Kampfszene zu Kampfszene hangelt, bei dem zwar optisch Li, aber nicht die Möglichkeiten von der Kette gelassen werden. Das Alptraumhafte der Grundsituation ist emotional unterentwickelt und ein Hauch von Leben kehrt erst dann ein, als auch Farbe auf die Leinwand kommt – nämlich wenn Li bei Morgan Freeman (als blinder Klavierstimmer auf Autopilot) und seiner zahnspangenbewehrten Übertochter aufschlägt.
Genauso platt und naiv aufgebaut, wie „Leon“ wunderbar komponiert war.
So banal das klingt: die Gewalt in „Unleashed“ ist einfach nicht überzeugend brutal und menschenverachtend, zu sehr heischt Leterrier nach Sympathie für die Hauptrolle von Szene 1 an, zu simplifiziert und doch ordentlich gebildet kommt Li als lernwilliger Naivling daher, der der Gewalt abschwört.
Natürlich gibt es für Fans zwischendurch immer wieder Fights zu sehen, aber das ist genauso an den Fingern abzählbar, wie bei „Oliver Twist“ geklaut.
In Erinnerung bleibt sicherlich Hoskins ständiges Gegeifere und ein Fight in einem superengen Badezimmer mit dem kleinstmöglichen Schlagspielraum, ansonsten stolpert der Film über seine Anti-Gewalt-Message, die etwa „Leon“ noch mit aller Konsequenz außer Gefecht setzte und zum Maßstab machte.
Ergo doch nur ein Kampfsporthäppchen nach Schema F, durchkomponiert streng nach den Regeln, aber am Ende eben nur der übliche Burger mit einer neuen Sauce. (5/10)