Der Ruf „Skandalfilm“ wird immer recht schnell ausgesprochen, wen nur ein paar Details gezeigt werden, die man sonst im herkömmlichen Teenagerfilm nicht sieht. „Bei Havoc“ war es genau das gleiche. Auf dem zweiten Blick kann man es aber wieder größtenteils relativieren.
Viel Geld mag das Gewissen beruhigen, zur Unabhängigkeit führen, doch spannender wird das Leben dadurch nicht, eher dröge. So fassen es jedenfalls Allison (Anna Hathaway) und ihre Freunde auf. Auch wenn sie eben noch Zeuge ein Schlägerei waren zwischen ihrer „Gang“ und einer anderen, viel ist nicht los im Nobelviertel von LA. Mit ihrem Freund und ihrer besten Freundin Emily (Bijou Phillips) wagt man sich raus, in Richtung Osten, wo das wirkliche Leben zu herrschen scheint. Im Lateinamerikanischen Viertel gibt es viel zu sehen, man kauft Drogen und Allisons Freund muss den Helden spielen, als er glaubt, beim Drogenkauf beschissen zu werden. Dem Möchtegernheld werden aber schnell seine Grenzen aufgezeigt vom Dealer Hector (Freddy Rodriguez). Doch Allison und Emily gefällt diese Welt, man zieht öfter allein in den Osten der Stadt, zu Hector, ist bei einer Party dabei. Als einmal die Polizei auftaucht, ist der Ärger in Allisons Familie groß, wenn die Tochter doch vom Polizeirevier geholt werden muss, doch Allison geht noch einen Schritt weiter. Zusammen mit Emily will sie Hectors Gruppe beitreten, doch das Aufnahmeritual ist für Frauen recht derb...
„Havoc“ war ein Blindkauf und Blindkäufe gehen oft daneben. „Havoc“ möchte schocken, Zustände aufzeigen doch dafür ist der Film weitesgehend zu harmlos geraten, jedenfalls für einen selbsternannten Skandalfilm.
Wir haben hier das typische Schema. Jugendliche, die aus dem goldenen Käfig ihrer Eltern ausbrechen und in einem Milieu landen, der sie fasziniert aber dafür nicht geschaffen sind.
Zunächst war ich schon zu Begin relativ genervt. Die Kids von La führen sich auf wie Möchtegern-Gangster, tragen dicke Goldketten und hören „gefährliche“ Musik. Dabei ist jedes dritte Wort „Fuck“, weil böse Gangster sprechen nun mal so.
Lächerlich machen sich in dieser Situation natürlich die männlichen Darsteller, die sich für unglaublich hart, gefährlich und cool halten. So muss man schon lachen, wenn Allisons Freund direkt bei ersten Besuch im Osten von LA seine Grenzen ganz schnell aufgezeigt bekommt. Von da an wird der Film zum Glück ruhiger, die überriebenen Szenen nehmen ab und man konzentriert sich mehr auf die Frauen der Gruppe. Diese sind zwar auch keine Engel, ganz im Gegenteil, Sex und Drogen gehören zum langweiligen Alltag, doch wirken sie zumindest erwachsener als ihre männlichen Kollegen.
„Havoc“ hätte vielleicht das Zeug gehabt, ein gutes Drama zu werden, doch leider lässt es Regisseurin Barbara Kopple dazu nicht wirklich kommen. Zu lange ist die Einführung der Gang, richtig dramatisch wird es erst nach einer Stunde, nur um dann den Film relativ unrealistisch enden zu lassen. Alles ein wenig schnell heruntergezaubert. Da hatte man wohl nach der etwas länglichen Einleitung keine wirkliche Zeit mehr, an den guten Stellen anzuknüpfen.
Schauspielerisch kann man auch geteilter Meinung sein. Die Hauptdarsteller sind eigentlich ganz OK, auch wenn sie nicht überragend sind, dafür nervt das Gangster- und Hip-Hop-Getue der Nebendarsteller. Erinnert mich irgendwie an der dumme Verhalten der Darsteller aus „Kids“, die mir schon auf die Nerven gingen.
Warum der Film skandalös sein soll, weiß ich eigentlich auch nicht. Viele skandalöse Szenen gibt es selbst in der Unrated-Fassung nicht. Ja, es werden Drogen genommen, so was ist in anderen Filmen aber auch der Fall und Frauenbrüste mögen maximal Amerikaner schocken, bei uns nimmt das alles nur noch zur Kenntnis. Betroffen wird man maximal bei einer Szene, der Rest haut niemanden mehr vom Hocker. Dafür sind die Hauptdarstellerinnen recht ansehnlich. Ins Reich der Fabeln kann man wohl eine Szene verweisen, die Hauptdarstellerin Anne Hathaway mit einem Vibrator spielend zeigen soll. Nun ja, ein wenig „Urban Legends“ haben schon so manchen Film interessanter gemacht. So bleibt der Film auch in der Unrated harmlos.
Fazit: „Havoc“ hätte durchaus das Potential, ein gutes Drama zu werden. Leider gibt es dafür zu wenige dramatische Szenen, die den Zuschauer mitfühlen oder betroffen machen.
Zu lang ist der ganze Anfang, als es dann richtig gut wird, ist der Film schon vorbei. Es bleibt ein offenes Ende und ein Satz, der den ganzen Film prägt.