Review
von Leimbacher-Mario
Tantipus Komplex
In diesem (leider) eher unbekannten Slasherthriller (?) verliert ein kleiner Junge anfangs seine Eltern bei einem dramatischen Verkehrsunfall und kommt bei seiner sehr fürsorglichen und etwas strangen Tante unter. Doch die ist, nach einem Zeitsprung von fünfzehn Jahren, nicht nur auffällig anhänglich und sogar eifersüchtig auf die Freundin des nun stattlichen jungen Manns, in ihr brodelt es sogar noch viel mehr in Sachen Gewalt und Psychosen, als man eh schon meint zu glauben... Bei kleinen, feinen, bösen Entdeckungen wie „Night Warning“, ist man froh, dass diese nun durch das digitale Zeitalter doch noch ihre Zuneigung und Anerkennung erfahren, die ihnen jahrelang, z.B. durch mieseste Bildqualität oder gerade hierzulande schwere Erhältlichkeit durch den „Jugendschutz“, verwehrt blieb.
„Night Warning“ ist wirklich ein ziemlich bizarrer und gemeiner kleiner Psychothriller mit Slasher-Sensibilitäten und einer larger than life Performance von Susan Tyrrell. Diese Frau macht einem wirklich Angst, ohne Scheiss. Zudem spielen Themen wie Homophonie und Inzest noch gewichtige Rollen, was die Atmosphäre nur noch verstörender, unangenehmer, schmutziger und packender macht. Selbst wenn man eigentlich, erst recht aus heutigen Sehgewohnheiten, sofort weiß, wo lang der Hase läuft. Allerdings sind das Wege, die ihrer Zeit definitiv voraus waren und noch immer Potenz zum Staunen beherbergen. Vor allem die ersten und letzten zwanzig Minuten sind meisterhaft, ein Teil des Finales am stürmischen Tümpel erinnert mich sogar etwas an Scorseses „Cape Fear“. Und wie gesagt: Frau Tyrrell legt einfach mal ALLES was sie hat in die böse Rolle - und das ist eine Menge und kann mit den Besten mithalten, von Jack Nicholson bis Cathy Bates. „Night Warning“ ist ein guter Horrorfilm, der über das Kind-seiner-Zeit-Sein hinausgeht und dem viel mehr Beachtung geschenkt werden sollte. Tyrrell trägt den Bärenanteil daran und ich habe keine Ahnung, warum ich von der Frau nicht schon mehr gesehen habe. Spätestens jetzt und durch sie rücken bisher ungeguckte Gems wie „Fat City“ oder „Forbidden Zone“ einige Plätze hoch in meiner Watchlist.
Fazit: wieder so ein Ding, das rockt, bockt und weit über seiner Reputation und Bekanntheit spielt. Richtig starker Mix aus Slasher und Psychodrama, aus „Misery“ und „Serial Mom“, leichter Unterhaltung und hartem Tobak. Ein Video Nasty, der es in sich hat. Und das gar nicht mal wegen besonders blutiger Kills.