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Der Tierhorror feierte in den 70er Jahren Hochkonjunktur, so entwickelte sich auch "Mörderspinnen" zum erfolgreichen Genrevertreter. Vor allem da es bis dato kaum Filme mit den scheußlichen Achtbeinern gab. Das Budget belief sich gerade mal auf eine halbe Million Dollar, in der heutigen Zeit für einen Kinofilm fast undenkbar. Zudem hatte man mit dem damals schon sehr bekannten William Shatner (Nachts, wenn die Leichen schreien, Star Trek - Der Film) ein Aushängeschild, obwohl er nur dritte Wahl war. John Cardos (Mutant II, Invasion aus dem Weltall), den meisten eigentlich als Schauspieler bekannt, inszenierte mit "Mörderspinnen" seinen dritten Spielfilm.

Auf der Farm von Walter Colby (Woody Strode) häufen sich seltsame Ereignisse, denn erst stirbt sein völlig gesundes Kalb und dann auch noch sein Hund. Der Tierarzt Robert Hansen (William Shatner) hat auch keine Erklärung parat, schließlich schickt man die Entomologin Diana Ashley (Tiffany Bolling) nach Verde Valley. Sie gibt als Ursache einen Spinnenbiss an und tatsächlich tauchen die Achtbeiner bald in Massen auf und fallen über die Kleinstadt her. Mit seiner Nichte Linda (Natasha Ryan), Diana und ein paar anderen verschanzt sich Robert in einem Hotel, doch die extrem giftigen Spinnen finden schnell ihren Weg ins Innere. Der Überlebenskampf wird kontinuirlich aussichtsloser.

Man benötigte tausende von Spinnen für diesen Film, man wählte eine Vogelspinne aus Südmexiko dafür aus. Die ist zwar recht groß und dürfte jedem Arachnophobiker den Angstschweiss auf die Stirn treiben, jedoch ist sie im Gegenzug relativ ungiftig. Natürlich nicht im Film, hier attackiert eine besonders giftige Art die Kleinstadt Verde Valley, die Erklärung dafür klingt sogar plausibel. Und zwar hängt es mit dem ständig gesprühten Insektizid DDT zusammen, welches alle Insekten vernichtet und somit haben die Spinnen nichts zu futtern. Dieses Mittel wurde in den 70er Jahren verboten. "Mörderspinnen" wurde in Arizona gedreht und wie üblich bei solch Filmen kommt das Grauen durch die Hintertür. Verde Valley ist ein kleines und sehr abgelegenes Nest, Hauptperson ist der Tierarzt Robert "Rack" Hanson. Dessen Bruder starb in Vietnam und nun kümmert er sich um dessen Frau und Nichte Linda, natürlich verpasst man ihm dieses gewisse Macho-Image und so schmeisst sich der Gute sofort an Diana Ashley heran. Die erste Halbzeit kommt ein wenig langwierig daher, es gibt nur vereinzelt Vorfälle mit den Achtbeinern, doch mit der Entdeckung der zahlreichen Spinnenhügel, wird es nicht nur den Charakteren im Film mulmig. Die Spinnen werden zunehmend angriffslustiger, denn alle Tiere sind bald dahingerafft und nun bleibt ihnen nur noch der Mensch.

Nur die Geschichte mit den zahlreichen Spinnennetzen ist an den Haaren herbeigezogen. Da finden sich immer wieder total eingesponnene Leichen, obwohl Vogelspinnen niemals Netze bauen, nicht mal um ihre Beute zu konservieren. Doch trotz diverser Unkorrektheiten geht es bald richtig rund, denn die Spinnen provozieren nicht nur zahlreiche Autounfälle oder holen ein Flugzeug vom Himmel, sondern sie fallen gleich über die ganze Stadt her. Und dies hat Cardos wirklich drastisch eingefangen. Da rennen die Menschen schreiend durch die Gegend, an ihren Körpern hängen zahlreiche Spinnen. Überall liegen eingesponnene Leichen mit Bissen übersäht. Auch der Überlebenskampf im Hotel ist spannend in Szene gesetzt, besonders da die Tierchen immer wieder einen Weg ins Innere finden und auch unseren Helden mal ordentlich beißen dürfen. Besonders das für damals sehr unübliche Ende hinterlässt heute noch ein ungutes Gefühl in der Magengegend, obwohl gnadenlos übertrieben. Den gelungenen Score musste man sich aufgrund von Budgetknappheit zusammenklauen, größtenteils bediente man sich bei Jerry Goldsmiths Kompositionen und änderte diese geringfügig ab. William Shatner kann in der Hauptrolle überzeugen, auch Tiffany Bolling (Open House, Der Rasiermesser-Killer) und dem restlichen Cast kann man keine Vorwürfe machen.

"Mörderspinnen" ist alles andere als originell, wie auch zahlreiche Dialoge beweisen, aber es hat Charme und kann durch die echten Spinnen oft eine Gänsehaut erzeugen. Besonders die zweite Hälfte hat es in sich und die Darsteller machen ihre Sache gut. Zählt für mich zusammen mit "Arachnophobia" immer noch zu den besten Spinnenfilmen.

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