Review

Wir wissen, was wir wollen, aber wir kriegen es nicht hin. So in etwa könnte man den leider gescheiterten Versuch, den psychologischen Horror wieder aufleben zu lassen, betiteln.
Dabei hätte die Idee durchaus ihre Meriten gehabt. Sieben Leute, die ihre Ängste aufarbeiten wollen und dazu in den einsamen Wald abtauchen. Vorneweg ein angsteinflößender Traum des jungen Organisators Richard, der seit Jahren an einer Deutung herumknabbert, aber trotz Hilfe seines Psychiaters/Dozenten (nette, aber belanglose Rolle für Wes Craven) nicht weiterkommt.
Leider verzettelt sich der Film dann in zuviel gewollt und nicht gekonnt. Eine echte Sitzung, bzw. gemeinsame Arbeit will während des ganzen Films nicht aufkommen, stattdessen kümmert sich der Streifen zu sehr um die mysteriösen Probleme der anwesenden Damen und Herren. Die werden jedoch nur andeutungsweise und zerfahren, ohne dramatische und spannungsfördernde Bündelung aneinandergereiht, so daß sich bald Langeweile einstellt.
Als Appetithappen wird jedoch schon die Holzpuppe Morty aufgefahren, die so lebensecht ist, daß man die Nachtigall schon stampfen hört.
Und gar bald häufen sich auch schon die geheimnisvollen Zufälle, während Richard seiner Vergangenheit näher und näher kommt.
Natürlich ist Morty daran schuld, vor allem aber an dem Abrutschen in platteste Horrorfilmklischees. Denn, Herr Doktor, die Puppe lebt und sie hat eine bösartige Mission.
Deswegen müssen jetzt auch der Reihe nach diverse Gruppenmitglieder den Löffel reichen, ohne daß meistens gesagt wird, wieso und weshalb. Überhaupt entspringt die Vorgehensweise unseres Killerpinocchio kaum logischen Vorgaben und die Art, wie die Personen zu Tode kommen, wirkt nicht selten wie schnell ausgedacht.
Zwar hat "Morty" dann noch ein paar starke Szenen in einem bösartigen Weihnachtsvergnügungspark (in dem sich außer den neun kein Mensch herumtreibt und in dem es von einer Minute auf die andere stockedunkel wird), doch auch hier verabschiedet sich der Gott der Filmlogik in den Urlaub.
Wer Dreck am Stecken hat, so die Regel, muß dran glauben, warum dies so ist, bleibt offen. Ein Charakter wird von Morty besessen, warum und wie, bleibt ein Geheimnis.
Einzig Richards Familientragödie bleibt im Rahmen, vermasselt sich aber jegliche Wirkung, durch den Einsatz allzu platter psychologischer Symbole, die den Zuschauer rätselnd zurücklassen.
So darf man auch noch lange überlegen, wie Morty denn nun gestoppt wurde, warum er schwimmen geht (und trotz Holz-Sein versinkt), warum er einen Charakter mit einem Kruzifix erdolcht und einen anderen offenbar seiner Vergewaltigung zuführt, wie die Verwandtschaftsverhältnisse zweier Personen der Gruppe zueinander nun wirklich sind.
Offenbar konnte hier ein Bündel Ideen nicht mit einer stringenten Geschichte und einer zufriedenstellenden Auflösung versehen werden, so daß der Zuschauer, wenn er nicht schon eh früh die Geduld verloren hat, am Ende auf verlorenem Posten steht.
Auch gerät die Atmosphäre am Ende zu einer platten Neuauflage bekannter Horrorfilmjagden mit einem unheimlichen Monster, daß Studenten jagt.
Die nicht eben beeindruckend agierenden Darsteller (besondere Ärgernisse sind Richards angeblich so lustiger Freund, dessen verstörte Schwester und der lahmarschige Richard selbst) tragen auch nicht gerade zum Genuß bei.
Wären da nicht einige atmosphärische Szenen (im düsteren Vergnügungspark und im Wald, wo seltsame Echos die Wanderer verwirren, sowie Morty selbst, der einen optisch guten Eindruck hinterläßt), hätten wir es hier mit einem total zerfahrenen Versager zu tun.
So bleibt nur ein bemühter Versuch, mal etwas anders zu machen, der jedoch am Unvermögen vieler scheitert.
Aufgrund einiger Ansätze sehbar, aber zu viel Geduld abfordernd und mit zu vielen Fehlern versehen. Handwerklich okay.
(4/10)

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