Review

Schweizer Fräse

„Mosquito - Der Schänder“ ist einer der wenigen (harten) Genrefilme aus der Schweiz überhaupt, was Grund genug zum Feiern wäre. Doch dieser taubstumme Selfmade-Vampir, der anfängt Leichen zu schänden und später sogar zu morden, weil er von der ganzen Welt missachtet bis misshandelt wird (inklusive Kindheitstrauma), bleibt auch ohne seinen schwizer Bonus im Gedächtnis und im flauen Magen.

Wie eine bizarre, instinktive und schattige Kreuzung aus „Maniac“ und „Martin“, ist dieser verschlossene, bemitleidenswerte Psychopath eine ganz heftige Nummer. Ein Produkt seiner Umwelt, der er es doppelt und dreifach heimzahlt. Unbeabsichtigt und mit seltsam reinem Gewissen. Irgendwie gönnt man ihm das, irgendwie stößt das gleichzeitig aber auch ab. Augenzwinkern oder Splatter wird man hier nicht antreffen. Das ist ein dunkler Ort, an den kaum Licht kommt. Hoffnungslos und verloren. Hervorragend verkörpert von Werner Pochath, eine irre und irregeleitete Seele. Das bezeichne ich mal als verstörenden Trip gen Abgrund. Langsam aber zielsicher. Trotz kurzer Laufzeit schleichen sich zwar immer wieder ein paar Längen ein und einiges fühlt sich redundant an, doch z.B. am hypnotischen Score (zerstörte Orgelmusik?!) oder der nuancierten Lead Performance kann man sich kaum satt hören bzw. sehen. Definitiv ein fieser Geheimtipp des Abseitigen. Ein ungemütlicher Außenseiterfilm.

Fazit: traurig, bierernst, bitter und heftig - „Mosquito“ ist eine der dunkelsten Charakterstudien des Horrorgenres und ein echter Magenumdreher. Grau und grauenhaft. Eklig fast schon. Ein realistischer „Vampirfilm“, der trotz seiner Behäbigkeit keinen kalt lassen sollte. Selbst in einer so abgebrühten Zeit wie heute. Hart und humorlos. Und wer hat‘s erfunden?!

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