Review

Manchmal ist es schon so spät, dass man sich in der Filmliste vertippt, aber keine Lust hat, noch etwas am Programm zu ändern – und auf diese Art und Weise hab ich dann „Munchies“ genießen dürfen. Oder erleiden. Je nachdem.

Also prinzipiell bin ich natürlich ein Kind der 80er und deswegen den Klassikern recht zugetan, dass man in derselben Dekade jeden Pups dreimal verwertet hat oder sich billigen Videothekenepigonen noch eine goldene Nase verdienen konnte, ist mir zu meinem Leidwesen leider auch bekannt.
„Munchies“ fällt leider in diese Epigonen-Schublade oder ist besser der vierfach überfahrene, räudige Vetter zweiten Grades von, genau, „Gremlins“. Das ist so dermaßen offensichtlich, dass man gar nicht wirklich wissen muss, dass Regisseurin Bettina Hirsch auch für den Schnitt bei Joe Dantes Weihnachts-Kuschelmonster-Klassiker verantwortlich war – doch dass dieser Film ihre einzige Regiearbeit blieb, dafür lasst uns alle dem Herrn danken. Aber immerhin hatte sie dafür auch erfolgreich den großen Roger Corman erpresst, der unbedingt eine billige Gremlins-Version haben wollte.

Die Parallelen sind denkbar offensichtlich: hier wie dort geht es um ein exotisches Tierchen (ggf. sogar um ein Alien, das ist so eine Art unwichtiges Sub-Thema im Film), dass an exotischer Stelle (hier ein versunkener Tempel in Peru) gefunden und in die USA eingeführt wird. Dort übernehmen der junge Paul und seine Freundin Cindy die Aufsicht – Hand hoch, wem das bekannt vorkommt. Anders als der verspielte Mogwai in „Gremlins“ hat der „Munchie“ Arnold jedoch handfestere Interessen und nimmt gleich die späteren Gremlin-Eigenschaften vorweg: anarchischer Humor, Unsinn im Kopf, eine Vorliebe für Zerstörung und das gute Leben – und nackten Mädels schmachtet man gern hinter. Effektiv behandelt der Film also eine Invasion hormonübersteuerter männlicher Teenager.

An diesem Punkt hat der Film – der sich als eine Art latent übersteuerte Komödie versteht, mit Figuren, die auch aus einer „Police Academy“-Folge stammen könnten – tatsächlich seinem Original etwas voraus: er nimmt dessen eigene Fortsetzung vorweg.
Mit der Einführung eines gierigen wie dummen lokalen Industriellen, der den Landstrich finanziell im Griff hat, erschafft man eine Art Blaupause für den zweiten Gremlins-Teil, in der die fiesen Viecher dann ordentlich Medien- und Sozialkritik in einem hypermodernen Komplex ausüben durften. Hier nehmen sie die meisten 80er Klischees auseinander und finden sich dann zum Finale in einem Toxic-Waste-Lager unter der Stadt zusammen, wo sie notgedrungen von Guten wie Bösen bekämpft werden.

Das wäre auch ganz nett gewesen, wenn man der Produktion das Geld und das Talent zur Verfügung gestellt hätte, etwas Überzeugendes zu produzieren, aber sobald Arnold das erste Mal überhaupt im Bild klar erkennbar ist, stellt sich Ernüchterung ein. Die mimisch ziemlich starr agierende Handpuppe, die hier bemüht durch die Szenerie gezogen, geschoben und geworfen wird, ist eine bessere Barbie, der man (im Original) einige wohl witzig gemeinte Parodiestimmen untergejubelt hat (Arnold klingt die ersten 20 Minuten des Film übrigens wie das Lichtdouble von Gizmo, wenn noch jemand Zweifel hatte…).

Tricktechnisch ist es unterdurchschnittlich, die Figuren sind Karikaturen, der Humor in den seltensten Fällen wirklich ein Knaller und der Film, viel zu sehr auf den Deppen-Hillbilly-Humor des Dorfmagnaten und seiner drallen Braut ausgerichtet, so langgezogen wie albern.
Nach etwa einer Dreiviertelstunde bin ich dann aus Selbstschutz dazu übergegangen, dezent vorzuspulen, damit ich es hinter mir habe und auch wenn die Macher samt ihrer Absicht grundsympathisch wirken, geriet dieser billige Trittbrettfahrer ziemlich schnell an die Grenze der Erträglichkeit.

Also meckert mir nicht mehr über „Critters“, ehe ihr nicht „Munchies“ durchgestanden habt. (2/10)

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