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5 Schiffbrüchige stranden an einer scheinbar unbewohnten Insel. Als kurze Zeit später der erste von ihnen unter mysteriösen Umständen zu Tode kommt, offenbart sich ihnen, dass ein schreckliches Geheimnis die Insel umgibt. Und so unbewohnt, wie es auf dem ersten Blick erscheint, ist das Festland auch nicht: Ein zwielichtiger Tyrann (Richard Johnson) herrscht nicht nur über die Eingeborenen, sondern auch über einen alternden, todkranken Professor (Joseph Cotton) und dessen bildhübsche Tochter (Barbara Bach). Einer der Schiffbrüchigen (Claudio Cassinelli) wird eines Tages von einer unheimlichen Kreatur angegriffen und allmählich lüftet sich das Geheimnis um die "Insel der neuen Monster".

Anfang der 70er Jahre lieferte Regisseur Sergio Martino eine Reihe erfolgreicher Gialli ab, darunter die Klassiker "Der Killer von Wien", "Die Farben der Nacht" sowie "Torso - Die Säge des Teufels". Ende der 70er Jahre inszenierte er innerhalb von zwei Jahren drei Filme, wobei vor allem der erstere mit dem Titel "Die weiße Göttin der Kannibalen" vermehrt dem seinerzeit beliebten Kannibalenfilm verschrieben war, während "Die Insel der neuen Monster" und "Der Fluss der Mörderkrokodile", trotz einiger phantastischer Elemente, weniger Horror- als vielmehr Abenteuerfilme waren.
Vor allem "Die Insel der neuen Monster" verspricht angesichts seines Titels trashige Unterhaltung - und in der Tat: Martinos Film um amphibische Monsterkreaturen entpuppt sich als äußerst gelungene Italo-Variante von "Octaman" und darf innerhalb dieses Schaffenszyklus als Martinos bestes Werk angesehen werden. Inszenatorisch und storytechnisch wird hier aus dem Vollen geschöpft und vor imposanten Kulissen und mit wunderbaren Unterwassersequenzen ein herrlich altmodischer, aber sehr unterhaltsamer Genre-Beitrag geliefert, der zudem mit einer imposanten Besetzung aufwarten kann.
Richard Johnson, der im selben Jahr noch in "Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies" und in Martinos "Der Fluss der Mörderkrokodile" mitgewirkt hatte, spielt den bösartigen und skrupellosen Tyrannen mit einer Hingabe, dass es eine wahre Freude ist. Cassinelli passt sich der wunderbaren Darstellung Johnsons an, während Ex-Bondgirl und spätere Ehefrau von Ringo Starr, Barbara Bach, mehr durch ihre Äußerlichkeiten als durch schauspielerisches Talent überzeugt.

Dass "Die Insel der neuen Monster" auch nach mehr als 30 Jahren überzeugen kann, liegt vor allem am Einfallsreichtum der Autoren und der versierten Inszenierung des Regisseurs, der vor allem im letzten Drittel mit einem effektgeladenen und actionreichen Finale überzeugen kann.
Das Geheimnis um die Amphibienmonster wird zwar gleich in den ersten Szenen gelüftet, womit dem weiteren Spannungsaufbau ein Riegel vorgeschoben wird, letzten Endes ist es aber ohnehin die Handlung des Films, die mit allen möglichen Stilmitteln und Ideen aufwartet: da ist von geheimnisvollen Voodooriten und Zombies die Rede, die Eingeborenen feiern unheimliche Zeremonien und die Kreaturen entpuppen sich als menschenverachtende Experimente eines Mad Scientist. Und als wäre das alles noch nicht genug, ist auf der Insel noch ein Vulkan aktiv und in den unterirdischen Höhlensystemen schlummert in den Untiefen des Meerespiegels die versunkende Stadt Atlantis und ein Schatz von unermesslichem Wert.
Wie all das miteinander zusammenhängt erscheint absurd und unsinnig - aber der Film ist darüber hinaus sehr unterhaltsam und zu keiner Minute langweilig. Er versprüht seinen ganz eigenen nostalgischen Charme und etwas Trashappeal und überzeugt mit seiner Liebe zum Detail und einer sehr aufwändigen Inszenierung. Man sieht den Kreaturen das preisgünstige Budget an - aber sie verfehlen nicht ihre Wirkung. Trotz der hanebüchenen Story und der bizarren Amphibienmonster ist "Die Insel der neuen Monster" weder albern, noch unfreiwillig komisch. Er ist eine Perle des europäischen Schundkinos und ein kleines Meisterwerk, das mit Klassikern wie "Woodoo" oder "Cannibal Holocaust" zu den Höhepunkten des italienischen Trivial-Kinos der späten 70er Jahre gezählt werden darf.

7,5/10

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