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Ende des 19. Jahrhunderts stranden einige Schiffbrüchige auf einer Karibikinsel. Auf der Suche nach Nahrung werden sie von scharfkralligen Monstern, die aus aus dem Wasser steigen dezimiert, bis schließlich nur noch drei von ihnen, der Arzt Lieutenant Claude de Ross (Claudio Cassinelli) und zwei Sträflinge eine Villa erreichen, die dem undurchsichtigen Edmond Rackham (Richard Johnson) gehört. Dieser herrscht nach Gutsherrenart über die Insel, hat stets einige Einheimische als Bodyguards um sich und hält den Wissenschaftler Professor Marvin (Joseph Cotten) gefangen, mit dessen Hilfe er das unterhalb der Insel liegende Atlantis samt dessen Goldschatz ausbeuten will...

Bezüglich der Thematik hat sich Regisseur Sergio Martino bei diesem italienischen Abenteuerfilm der späten Siebziger sehr stark an Jules Vernes Kapitän Nemo bzw. H.G. Wells Die Insel des Dr. Moreau bedient, auch wenn bezüglich des Nautilus-Kapitäns die Vorzeichen umgekehrt wurden und Richard Johnson (Woodoo - Schreckensinsel der Zombies) hier einen Schurken statt einen Wohltäter gibt. Dass die Insel die Spitze eines später ausbrechenden Vulkans darstellt und mit seinerzeit revolutionärer Technik Unterwasser-Tauchgänge unternommen wurden, kennt man bereits. Die titelgebenden neuen Monster sehen den Tauchern aus der (übrigens hervorragenden) 1973er geheimnisvollen Insel nicht unähnlich, mit ihren glibbrigen Kostümen vermögen sie jedoch bestenfalls Neugier, keinesfalls jedoch Gruseleffekte hervorzurufen. Immerhin werden sie am Anfang des Films immer im Halbdunkel gezeigt, wobei eine Krallenhand eine schnelle Bewegung in Richtung Kamera unternimmt und dann im Gegenschnitt ein Kunstblut-bemaltes Opfer nach unten sinkt. Sobald man diese Monster dann aber in einer ruhigeren Szene in voller Pracht im Wasser stehend begutachten kann (z.B. wenn sie ein Elixier von des Wissenschaftlers schöner Tochter erhalten) ist es mit jeglicher Spannung vorbei, denn die Viecher mit ihren riesigen Glubschaugen sehen einfach nur noch lächerlich aus. Es mag der seinerzeitigen Maskentechnik geschuldet sein: das redliche Bemühen, ein Mensch/Fischmonster zu kreieren ist mittels der aufwendig gestalteten Ganzkörperanzüge zwar durchaus nachvollziehbar, leider mündet das Ergebnis bestenfalls in schallendes Gelächter. An diesen Stellen offenbart sich dann auch die ungewollt trashige Seite dieses Films. Beim Setting in einer Höhle wurde sich immerhin Mühe gegeben: ein Laboratorium, eine Tauchkapsel und ein dampfbetriebener Kabelaufzug für letztere wurden genauso aufgebaut wie ein hölzernes Fluchtboot, das freilich unter der Last des geborgenen Goldes in Wirklichkeit längst abgesoffen wäre...

Neben dem immerhin überzeugend auftretenden Gauner Rackham fällt besonders Marvins Tochter Amanda (Barbara Bach) auf, die zunächst für die Gattin des Fieslings gehalten werden könnte, in Wahrheit jedoch als des schwerkranken Professors besorgte Tochter eher unfreiwillig auf der Insel weilt. Barbara Bach, als James-Bond-Girl damals schon auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, ist also das hübsche Gesicht in diesem Streifen, der ihr allerdings nichts abfordert als schön auszusehen. Gemeinsam mit Cassinelli - der als Arzt ihren Vater versorgen muss, solange dieser für Rackham nützlich ist - stellen diese beiden also gewissermaßen den Gegenpart zum raffgierigen Inselherren dar. Weitere Charaktäre treten nicht hervor, angeboten hätten sich ggf. noch die Voodoo-Priesterin Shakira oder der letztverbliebene Sträfling Jose, jener schielende Dicke, der aber auch recht bald das Zeitliche segnet. Vieles bleibt im Dunklen, z.B. warum die Eingeborenen Rackham bis zum Schluß die Treue halten, oder wovon sich die Bewohner ernähren auf dieser einsamen Insel, die auf keiner Karte verzeichnet ist, zweimal im Jahr aber von einem Schiff angelaufen wird...

So plätschert Die Insel der neuen Monster in gemächlichem Tempo vor sich hin, erst zum Schluß wird ein wenig das Tempo angezogen, als mittels irgendwelcher eingeblendeter stock footage dann tatsächlich der Vulkan ausbricht. Wie nicht anders zu vermuten, scheitert Rackham am Ende an seiner Gier, während das Traumpaar(?) Claude und Amanda vorhersehbarerweise dem Chaos entkommen kann. Gähn.

Der Film, von dem es noch eine US-Version mit einem längeren, nachträglich gedrehten Vor(!)spann inklusive deutlich besser gestalteter Monster gibt, reißt einen wahrlich nicht vom Hocker - zu vorhersehbar gestaltet sich der Plot, zu schablonenhaft agieren die Darsteller. Außer den trashigen Fischmonstern, deren Lautäußerungen sich verdächtig nach Elefantenherde anhören, gibt es nichts, was einem im Gedächtnis haften bliebe. 3 Punkte.

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