Review

MUTANT – DAS GRAUEN IM ALL

(FORBIDDEN WORLD)

Allan Holzman, USA 1982

Vorsicht – dieses Review enthält SPOILER!


Hier lässt im Prinzip bereits der Titel darauf schließen, dass es sich um Trash handelt – allerdings ist Mutant – Das Grauen im All (gern auch als Mutant – Das Grauen aus dem All geführt, im Original weniger passend Forbidden World) kein zeitgenössischer TV-Billigheuler der Marke Cinetel oder Asylum, sondern ein seinerzeit von Roger Corman produziertes Kleinod, das die Herren Kalkofe und Rütten dieser Tage für ihre SchleFaZ-Reihe aus der Mottenkiste der Achtziger gewühlt haben. Wobei: Wirklich aus der Mottenkiste mussten sie Mutant – Das Grauen im All gar nicht holen, denn der Streifen wurde vor nicht allzu langer Zeit vom Edel-Label Anolis mit viel Tamtam und unter großem Beifall wiederveröffentlicht. Es ist also beileibe nicht so, dass er keine Aufmerksamkeit erregt hat. Und nun konnte er sogar meine Aufmerksamkeit erregen – zumindest im Vorfeld der Begegnung, die ich heute Nacht mit ihm hatte. Im Verlauf des Geschehens selbst ließ sie allerdings gelegentlich spürbar nach, diese Aufmerksamkeit ...

Wir befinden uns irgendwo in den Weiten des Weltalls – hier fliegt ein Raumschiff herum, in dem unser Held Mike Colby tiefgekühlt dahinschlummert. Aber natürlich nicht lange: Sein treuer Begleiter und Helfer, der verdächtig nach einem Star Wars-Sturmtruppler aussehende Roboter SAM-104, muss ihn wecken, weil ihr Raumschiff von irgendwelchen Weltraumpiraten angegriffen wird. Es folgt ein grauenhaft getrickstes Weltraumgefecht, das man sich nicht durchgehend ansehen kann, ohne sein Augenlicht zu gefährden, aber eines schönen Tages ist auch das vorbei und die ultrabillig aussehende Titeleinblendung kann erfolgen. Ach so – natürlich ist Colby als Sieger aus dem gerade beendeten Lichtblitz-Overkill hervorgegangen.

Mit Schlaf sieht’s aber weiterhin schlecht aus: SAM-104 berichtet auf seine latent unsympathische Art, dass ein Notruf vom Planeten „Xarbia“ kam, dem man im Auftrag der „Föderation“ nachgehen müsse – offenbar gab es dort einen Zwischenfall in einem Forschungslabor. Also nichts wie hin nach Xarbia.

Einen Schnitt später ist Colby am Ziel und wird vom Stationsleiter Dr. Gordon Hauser und von der Stationsnutte, ähm, sorry ... der „Expertin für genetische Synthese“ Dr. Barbara Glaser begrüßt. Kurz darauf gesellt sich auch noch der ungepflegte und dauerqualmende Biologe Dr. Cal (sic!) Timbergen hinzu. Man stellt Colby das Resultat des gemeldeten „Zwischenfalls“ vor: Es ist ein Raum voller blutiger Fleischklumpen, bei denen es sich um die Überreste ehemaliger größerer Versuchstiere handelt (es scheinen Hasen darunter gewesen zu sein, die weiteren Opfer sind nicht mehr identifizierbar). Gleichzeitig berichten die Forscher, dass sie eine neue Nahrungsquelle finden wollten, um die gerade herrschende „galaktische Ernährungskrise“ (!!) bekämpfen zu können. Dabei sei das „Subjekt 20“ entstanden – offenbar ein Hybrid aus „Proto-B-Bakterien“, die es nur auf Xarbia geben würde, und einem oder einer ... ja, da wird erst einmal herumgedruckst.

Subjekt 20 hat sich nach seinem Amoklauf nun erst einmal in einen Kokon zurückgezogen, der in einem Glaskasten aufbewahrt wird. Nachdem Colby die Sauerei begutachtet hat, kann die Stationsreinigungskraft Jimmy mit dem Aufräumen und Entkeimen beginnen, während die anderen erst einmal essen gehen. Jimmy obliegt es nun, die weiteren Ereignisse ins Rollen zu bringen, und so steckt er den Kopf in den genannten Glaskasten (!!) und lässt ein aggressives Stück Rinderleber in sein Gesicht springen, welches dem Kokon entflutscht ist und offenbar das Subjekt 20 in seinem gegenwärtigen Zustand repräsentiert (lange wird es den nicht haben, denn es ist, wie Dr. Timbergen zu berichten wusste, ein „Metamorph“, also ein „Übermutant“, der sich ständig verändert).

Etwas später wird Jimmy, inzwischen um die Hälfte seines Schädels und um das ganze Gehirn (viel kann’s nicht gewesen sein) erleichtert, von einer jungen Frau namens Tracy Baxter gefunden, die allerdings keine Wissenschaftlerin ist, sondern sich offenbar nur in der Station befindet, um dort allmorgendlich in die Sauna zu gehen. Die Aufregung ist groß, zumal sich Subjekt 20 nirgendwo sehen lässt. Man macht sich also auf die Suche, aber ohne Ergebnis. Irgendwann bricht man ab und begibt sich erst einmal zur Ruhe – was „Dr.“ Barbara Glaser die schon ungeduldig herbeigesehnte Möglichkeit verschafft, Colby in ihr Zimmer zu zerren und die Nacht mit ihm zu verbringen. Am nächsten Morgen darf sich Colby dann auch gleich noch von Tracy Baxter auf die Saunabank zerren lassen ... bevor endlich wieder die schließlich nicht ganz nebensächliche Suche nach Subjekt 20 fortgesetzt werden kann.

Dies tut man kurzzeitig auch außerhalb der Station in der unwirtlichen Wüstenlandschaft Xarbias, wo man tatsächlich fündig wird: An einem Felsen hängt ein Mutantenkokon. Der wird unter Beschuss genommen, obwohl sich Dr. Hauser dringend ausbittet, den Metamorphen nicht zu töten, weil weiter an ihm geforscht werden soll. Das ist freilich eine krasse Fehleinschätzung der Lage – wie krass, spürt Hauser kurz darauf am eigenen Leib, als ihn der den Schüssen entkommene Mutant schnappt und durch einen Lüftungsschacht zurück in die Station zieht. Hausers Zukunft sieht nicht rosig aus – er wird sich, wie von Reinigungskraft Jimmy bereits fleißig praktiziert, in eine blutig-schleimige Masse verwandeln, die jede zellulare Komplexität eingebüßt hat und nur noch eine einzige Zelle darstellt. So etwas macht Subjekt 20 also aus seinen Opfern. Warum auch immer.

Erfreulicherweise hat sich dieser Metamorph inzwischen auch in eine etwas ansprechendere Gestalt gemorpht (der Zuschauer möchte schließlich schon etwas mehr geboten bekommen als ein Stück Leber vom Metzger nebenan) – wir sehen nun eine wasserballgroße schwarze Kuller mit riesigem Monstermaul und spinnenartigen Gliedmaßen, wobei Letztere allerdings nie zur Fortbewegung benutzt werden. Zum Aufspießen von Dr. Barbara Glaser können sie jedoch sehr gut benutzt werden, und so benutzt der Metamorph sie während eines Kommunikationsversuchs der Wissenschaftlerin zu ebenjenem Zweck – und das, nachdem Dr. Glaser gerade noch mit Tracy Baxter nackt unter der Dusche stehen und etwas an ihr herumfummeln durfte. Also an Tracy Baxter, nicht an der Dusche.

Nun aber hat sich’s ausgefummelt und unser Held müsste langsam, aber sicher auch einmal etwas unternehmen, um dem blutigen und megaschleimigen Treiben des Metamorphen ein Ende zu bereiten (ein weiterer Wissenschaftler und der Security-Mann der Station sind auch schon zerlegt worden) – bis jetzt hat er sich eigentlich nur über dieses und jenes informieren lassen und den beiden anwesenden Frauen die erwünschten Liebesdienste erwiesen. Dr. Timbergen hilft ihm auf die Sprünge: Seine, also des Biologen Leber sei von einer bösartigen Geschwulst befallen, und eine einzige der erkrankten Zellen würde ausreichen, um den Übermutanten zu töten – daher soll ihm Colby also flugs (und der Dringlichkeit halber gleich ohne Betäubung!) die Leber entnehmen und dem Monster zum Fraß vorwerfen ...

Tolle Idee – vor allem dann, wenn wie gerade erklärt eine einzige Zelle auch ausreichen würde. Na ja, sicher ist sicher. Tatsächlich kann Colby (ein letzter großer Spoiler) die Leber aus Timbergen herausholen und sehr umständlich ins Monstermaul befördern, woraufhin der Metamorph nahezu spontan rund zweihundert Liter rosafarbenen Schleim erbricht und dahinscheidet. Am Leben bleiben also nur Tracy Baxter und unser Held Colby (sowie natürlich SAM-104, der in der Zwischenzeit ausgeschaltet war, damit er nicht herumnervt) – da könnten sie doch gleich einmal in Ruhe ... aber der Streifen verzichtet seltsamerweise auf weitere peinliche Softsex-Eskapaden, sondern setzt uns (allerdings nur in der vorliegenden deutschen Schnittversion) noch einmal die gesamte, also ungekürzte Prä-Titel-Sequenz vor, nur jetzt mit einer anderen Synchronisation! Das ist wahrlich bizarr, aber man kommt nicht dazu, sich in Ruhe zu wundern, weil man viel zu sehr davon in Anspruch genommen wird, Augen und Nerven vor dem hässlichen Geblitze des „Weltraumschlacht“-Replays in Sicherheit zu bringen ...

Man muss also nicht zwingend zu Cinetel oder The Asylum greifen, wenn man sich gepflegtem Sci-Fi-Horror-Schwachsinn widmen möchte. Auch in längst vergangenen Jahrzenten gab es so etwas bereits, was Mutant – Das Grauen im All vortrefflich demonstriert. Allan Holzmans (freilich stark unter dem Einfluss von Roger Corman stehender) Metamorphen-Schund orientiert sich, das wird schnell überdeutlich, an Ridley Scotts noch recht frischem, aber bereits wegweisenden Genreschocker Alien, kann diesem jedoch vorn und hinten und auch von allen anderen Seiten nicht annähernd das Wasser reichen. Ich denke aber, dass Holzman und sein Produzent das auch wussten und eben taten, was sie für knapp eine Million Dollar tun konnten, ohne sich in irgendeiner Weise, am wenigsten aber geistig, zu verausgaben.

Am Ende ging die Rechnung auf: Mutant – Das Grauen im All spielte das Vierfache seiner Produktionskosten ein – und gut. Doch nicht nur das: Im Laufe der Zeit ist der Streifen sogar zu einiger Berühmtheit unter Trash-Nostalgikern gelangt. Die mag er tatsächlich verdient haben, aber bei mir persönlich hat er schon aufgrund seines für mein Empfinden sehr unangenehmen Achtzigerjahremiefs und phasenweise eher fragwürdiger Prioritäten, sprich seiner Fummelfokussiertheit, nicht die allerbesten Karten. Da für das Skript neben R. J. Robertson und Tim Curnen kein Geringerer als die Trash-Ikone Jim Wynorski verantwortlich war, konnte die Veranstaltung freilich gar nicht ohne Möpse über die Bühne gehen ... Schade nur, dass uns die auch nicht wirklich weiterhelfen: Seine dümmlichen „Erotik“- respektive Softsex-Szenen (obgleich in manchen Momenten verdächtig professionell ins Bild gesetzt) bremsen den Streifen mehrfach komplett auf null herunter, und bis er wieder in Schwung kommt, dauert’s ein Weilchen. Mit Spannung war hier natürlich von vornherein nicht zu rechnen, aber jeder Anflug von ihr wird auch mit Gewalt zunichte gemacht, wenn zwar Alien-mäßig durch irgendwelche Gänge gelatscht wird, aber dies nicht mit Blick auf eine drohende Gefahr, sondern nur auf die knappen Röckchen der Damen. Doch Holzman liefert nicht nur keine Spannung, sondern ... gar nichts. Na gut, mehrere Zentner Schleim (und zwei Paar Möpse) liefert er, aber Interesse für seine Figuren und deren Treiben? Pustekuchen. Schon der fast durchsichtige „Held“, der erst ganz am Ende mit seiner „Leber-OP“ einmal etwas Verwertbares tut, kann niemanden mitnehmen, und die anderen erst recht nicht – es ist einem also (wie so oft im Trash-Segment) völlig schnurz, ob jemand zerlegt oder zu Schleim zersetzt (beziehungsweise auf eine Zelle reduziert ...) wird oder nicht. Lediglich das Ableben von Dr. Barbara Glaser überrascht – nicht etwa, weil man an ihrem Schicksal Anteil nimmt, sondern weil man darüber staunen muss, dass sich der Film eines (beziehungsweise zweier) seiner Grundpfeiler beraubt: Nun kann sich nur noch Tracy Baxter ausziehen. Sei’s drum – selbst wenn Holzman am Ende mit der ganz großen Ekel- und Splatterkelle ankommt, will das einfach nicht so recht fruchten. Und was die Wiederholung der nervtötenden Eingangs-Sequenz soll, wissen die Götter. Na gut, vielleicht wollte man damit ... ach, Schwamm drüber.

Optisch ist Mutant – Das Grauen im All tatsächlich das blanke Grauen, aber nicht im All, sondern auf dem Bildschirm oder der Leinwand. Der im Normalformat vorliegende Streifen sammelt bereits mit der einleitenden Star Wars-Gedächtnis-Weltraumschlacht einen ganzen Eimer voller Minuspunkte ein, weil diese wirklich grausam getrickste, mitunter einfach auf einkopierte helle Kreise oder gezeichnete „Blitze“ zurückgreifende, dabei aber in ihrem Hell-Dunkel-Wechsel unfassbar aufdringliche (und gleichzeitig, da kein Bezug zum Geschehen besteht, stinklangweilige) Sequenz nicht nur hässlich ist, sondern den Betrachter geradezu zum Wegsehen zwingt.

Auch danach bleibt es durchgehend hässlich – die Farben sind ausgewaschen, die Schauplätze öde und viele, wirklich viele Bilder auch noch irritierend unscharf. Ich nehme jetzt einfach einmal an, dass es sich dabei um Mutanten-POV-Shots handeln soll, aber wenn man nur vermuten oder raten kann, ob’s welche sind, dann haben sie eher wenig Sinn – und abgrundtief scheußlich bleiben sie dennoch. Auch tricktechnisch wird Minderwertiges geboten. Der irgendwann omnipräsente Schleim sieht ... nun ja, nach durchsichtigem Schleim mit rosa Flecken aus, das Blut ist mehrheitlich viel zu hell und ein paar Puppen für die Splattereffekte sind erbärmlich. Damit kann man natürlich auch keinerlei Wirkung erzielen, weshalb es nicht wunder nimmt, dass der Streifen aller Matscherei zum Trotz eine 16er-Freigabe hat. Ganz nett ist derweil zumindest das Design des Riesenmaul-Kuller-Mutanten, wobei es freilich noch netter wäre, wenn er nicht nur irgendwo herumliegen würde – mit den Bewegungen seiner Spinnenbeinglieder wollte sich aber offenbar niemand abplagen. Wirklich gelungen ist lediglich der gruselig geformte Metamorphenkokon, an dem man jedoch auch nur in zwei, drei kurzen Einstellungen seine Freude haben kann. Aber immerhin.

Noch schwerer ist es, unter den Darstellern einen Lichtblick zu finden. Jesse Vint als Mike Colby ist jedenfalls keiner. Er ist nicht unsympathisch, bleibt aber leichenblass und würde dies auch sein, wenn das Skript etwas mehr mit ihm anzufangen wüsste als ihn an den Frauen herumfummeln und Auskünfte einholen zu lassen. Linden Chiles ist als Dr. Gordon Hauser ebenfalls blass – ich weiß schon jetzt kaum noch, wie er aussah. Deutlich besser kommt Fox Harris als Dr. Cal Timbergen davon, der rollenbedingt deutlich mehr zu tun hat und auch Freude an der Arbeit und etwas Charisma mitbringt. June Chadwick als Dr. Barbara Glaser und Dawn Dunlap als Tracy Baxter bringen derweil Möpse mit und dürfen sie auch gelegentlich zeigen. Viel mehr haben sie kaum zu tun, wobei man zumindest Dawn Dunlap ein erhebliches Potenzial als Scream-Queen zubilligen muss. In dieser Sache zeigt sie gegen Ende wahrlich Großes, und überdies haben mich ihre in manchen Einstellungen endlos tief herunterhängenden Mundwinkel erheitert. Der etwas sonderbare Score von Susan Justin konnte das nicht – er hat’s aber selbstredend auch gar nicht versucht. Mitunter kommt er sehr minimalistisch daher, mitunter fast psychedelisch, dann jedoch auch wieder mit den üblen und extrem billig anmutenden Siebziger- und Achtziger-Synthieklängen, die hier zu befürchten waren. Unter dem Strich ist das nicht besonders schön, darf jedoch für sich beanspruchen, zumindest in Teilen recht originell zu sein.

Der Film als Ganzes ist unter dem Strich hingegen ziemlich dreist und überdies schon zur Entstehungszeit keineswegs allein im Alien-Fahrwasser herumgondelnder Billig-Sci-Fi-Horror, der offensiv auf Schleim, Blut, Fleischereiabfälle und nackte Haut setzt – womit er zumindest beim Gros jener Filmfreunde, die beknackten Old-School-Trash zu schätzen wissen, sehr gut ankommen sollte. Bei mir persönlich, obwohl ich erklärtermaßen zu ebenjenen Filmfreunden gehöre, ist Mutant – Das Grauen im All jedoch leider nur angekommen. Das ist bedauerlich, aber nicht tragisch.

(11/23)

Knappe 6 von 10 Punkten.





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