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Es gibt einen Abend im Jahr, an dem niemand auf der Welt allein sein sollte. Eigentlich sollte man auch sonst nicht allein sein, doch wer an diesem bestimmten Abend allein ist, der kann einen schon wirklich leid tun. Die Rede ist natürlich vom 24. Dezember, dem heiligen Abend. Doch leider ist es manchmal einfach nicht zu verhindern, dass man (auch) an diesem Abend verlassen ist. Und von 5 dieser einsamen Seelen, erzählt Chazz Palminteris einfühlsames Weihnachtsmärchen "Noel". Ein X-Mas-Film der tief zu Herzen geht, obwohl (oder gerade weil) es kaum Weihnachtskitsch gibt.

"Noel", dass ist die Geschichte von fünf New Yorkern am heiligen Abend. Da wäre als erstes Rose, deren Mutter krank und stumm im Krankenhaus liegt und nur noch vor sich hinvegetiert und Rose nicht weiß, ob ihre Mutter die Nacht noch überleben wird. Dann sind da Nina und Mike, die sich leider am heiligen Abend schlimm verkrachen und Artie der in Mike die Reinkarnation seiner toten Frau sieht. Und Jules, der unbedingt bei der Weihnachtsfeier im Krankenhaus dabei sein will und dafür wirklich alles tun würde. Alle fünf haben ihre ganz eigene Geschichte, treffen aber nach und nach aufeinander und keiner ist am Ende wirklich ganz allein. Mag die Geschichte auf den ersten Blick auch ein paar Merkwürdigkeiten enthalten, so entfalten sich die einzelnen Storys nach und nach zu einem höchst glaubwürdigen Ganzen. Alle Geschichten sind nahezu Klischeefrei und berühren den Zuschauer genau da, wo er am meisten empfindlich ist, tief im Herzen. Die Angst vor der Einsamkeit wird einem dabei genauso vorgeführt und genommen, wie die Angst nicht mehr weiter zu wissen. Traurig ist das ganze Geschehen, aber dennoch wunderschön.

Wunderschön vor allem deshalb, weil einem die Figuren ganz schnell ans Herzen wachsen. Egal wenn man hier auch nimmt, bei allen Figuren ist die Charakterzeichnung absolut fabelhaft ausgefallen und wirkt in jedem Mase realistisch. Auch wenn es sicher die ein oder andere Überzeichnung gibt, so bleibt das Tun der einzelnen Figuren durchgehend glaubwürdig und nachvollziehbar. Und das ist sicher mit das Wichtigste an so einem Streifen!

Wer jetzt aber Angst bekommen hat, das hier irgendwie der Kitsch regieren könnte, Weihnachtsfilme, Dramen und Liebesfilme haben ja durchaus den Hang dazu, der sei hiermit beruhigt. Zwar kann einem die Geschichte mitunter schon die ein oder andere Träne aus dem Knopfloch kullern lassen und wie es sich für New York gehört, prangen natürlich auch hier die Straßen vor Weihnachtsbeleuchtung, doch wirklich in den Vordergrund wird Weihnachten und vor allem sein Brimborium eigentlich niemals. Streng genommen könnte die Geschichte auch im tiefsten Sommer spielen. Doch durch die Verknüpfung mit dem Weihnachtsfest, bekommt sie doch eine spürbar dichtere Bedeutung. Weihnachtsmusik spielt hier zudem eigentlich nur am Rand. Viel mehr wird einem immer wieder der wirklich himmlische Score von Alan Menken vorgespielt, dem man sich einfach nicht entziehen kann.

Was die Darsteller angeht, so hat man wirklich ein absolut prächtiges Ensemble verpflichten können. Susan Sarandon spielt die zu tiefst einsame Rose mit absoluter Bravour, genauso wie Paul Walker und Penélope Cruz eine grandiose Leistung als verstrittenes Pärchen abgeben. Dazu ein wunderbarer Alan Arkin als leicht verrückter Artie und Marcus Thomas als noch verrückterer Krankenhaus-Weihnachtsparty-Fanatiker Jules. Allesamt legen sie eine exzellente Performance ab, die man sich als Zuschauer regelrecht so zu Weihnachten wünschen würde. Und als Gast ein nach wie vor glänzender Robin Williams.

Fazit: Ein wirklich traumhaft schöner und sehr glaubwürdiger Weihnachtsfilm, fernab der üblichen Weihnachtsklischees, über die Einsamkeit die man verspürt, wenn man (nicht nur) am heiligen Abend allein ist. Eine tief berührende Story, glaubwürdige, sympathische Figuren und eine Inszenierung ohne Kitsch und Prunk, ergeben wirklich den idealen Film, den man sich, zusammen mit seinem liebsten Schatz, vor dem warmen Kamin, vorzüglich am heiligen Abend (kurz vor oder kurz nach der Bescherung), ansehen sollte. Besser könnte die Filmauswahl, für diesen ganz besonderen Abend, kaum sein.

Wertung: 8,5/10 Punkte

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