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Die Golden Globes sind im allgemeinen dafür bekannt, die sicheren Sieger der kurz darauf folgenden Oscar-Verleihung, bereits präsentieren zu können. Die dort nominierten und prämierten Darsteller und Filme, sind meistens heiße Anwärter für Hollywoods wichtigsten Filmpreis. Doch nicht nur Filme haben bei den GGs eine Chance, auch Serien und Seriendarsteller werden dort für ihre Verdienste ausgezeichnet. Während in den letzten Jahren vorrangig die Topserien "24" und "Six Feet Under" unter den Preisträgern waren, wurde es 2004 ganz überraschender Weise eine Serie, bei der die erste Staffel noch nicht einmal komplett ausgestrahlt wurde. Nach gerade einmal 10 Folgen gab es die Trophäe für die beste Comedy-Serie und für die beste Schauspielerin in einer Comedy-Serie (Teri Hatcher). Doch ist diese Serie wirklich diesen überragenden Erfolg wert? Ja wohl, sie ist es! Und wie!

"Desperate Housewives" ist der nächste hochrangige Serien-Genie-Streich aus Hollywood, die zur Zeit eher daran sind bessere Serien als Filme zu produzieren. Während man bei den Filmen nach den wirklichen Highlights regelrecht suchen muss, so wird einem im Serien-Genre derzeit ein Highlight nach dem anderen präsentiert. Und dabei ist "Desperate Housewives" gar nicht einmal von den üblichen Verdächtigen wie HBO oder Fox ins Leben gerufen worden, sondern von Touchstone, die früher vor allem mit solch genialen Sitcoms wie "Hör mal wer da hämmert" oder "Golden Girls" auf sich aufmerksam gemacht haben. In der letzten Zeit hörte man (in Sachen TV-Serie) allerdings nur wenig von dem Studio, doch nun haben sie sich endlich wieder mit einem Geniestreich zurückgemeldet, der hoffentlich noch lange leben wird.

Aber nun zur Serie: "Desperate Housewives" ist eine nahezu brillante Mischung aus Vorstadt-Krimi und bissiger Satire, auf den amerikanischen "Way of Life" reicher Hausfrauen. Vorrangig geht es dabei um vier Frauen: Da wäre als erstes Bree, eine pingelige und im höchsten Mase ordnungsliebende Mutter von zwei Kindern, deren heile Welt sich plötzlich bedroht fühlt, als sie ihren Mann beim Ehebruch ertappt. Dann die gestresste Lynette, Mutter dreier hyperaktiver Jungen, die ein ums andere Mal mit sich zu kämpfen hat und es kaum schafft ihren Stress, den sie mit den Rackern hat, zu bewältigen. Dazu noch die verwöhnte Gabrielle, ein typisches High-Society-Girl, die einzig und allein vom Geld ihres Mannes lebt und nebenbei eine Beziehung zu ihrem Gärtner hat. Und dann noch Susan, heimliche Hauptfigur der Serie, die es leider nicht schafft auch nur ein Fettnäpfchen auszulassen, vor allem wenn es darum geht, den neuen Nachbarn zu betören. Allesamt spiegeln sie, auf eine herrlich überspitze, teilweise sogar recht makabere, Art und Weise, die typische, klischeebehaftete amerikanische Hausfrau wieder, ohne sich aber in diesen Klischees zu verlieren. Mit bissigen Kommentaren, teilweise zum Brüllen komische Situationen und göttlichen Dialogen ("Bye Dr. Van De Kamp" - "Hey, You dating my Wive, call me Rex"), wird der amerikanischen Gesellschaft hier ein herrlich verzierter Spiegel vorgehalten, ohne sich aber in irgendwelchen unpassenden Bösartigkeiten zu verlieren. Hier lacht der Ami über sich selber und wir lachen über sie, ohne uns über sie lustig zu machen. Und das ist sicher besser als umgekehrt.

Wie schon erwähnt, gibt es bei der Serie aber nicht nur göttliche Satire zu bestaunen, auch ein herrlich eingespielter Mystery-Part zieht sich über die ganzen Folgen hinweg. Die erste Episode beginnt damit, dass sich Mary Alice, eine Freundin der vier Nachbarinnen, aus unerkennbaren Grund, erschießt. Fortan wird sich daran gemacht, die dunklen Hintergründe ihrer Tat aufzudecken. Dabei setzen die Produzenten auf die geschickte Mischung. Es werden Spuren gelegt, um sie im nächsten Moment wieder zu verwischen. Es gibt eine Wendung nach der anderen und jede Folge endet mit einem sogenannten "Cliffhanger", der einen schon ganz kribbelig auf die nächste Folge macht. Hier wird Spannung groß geschrieben, auch wenn dieser Krimi-Part wirklich nur ein kleiner Bestandteil dieser großen Serie ist! Aber wesentlich mehr hätte auch gar nicht gepasst, da sonst das Gleichgewicht sicher aus den Fugen geraten würde. Gut so!

Erzählt wird einem diese Geschichte übrigens von Mary Alice (die die sich am Anfang erschossen hat). Sozusagen aus dem Jenseits, weist sie den Zuschauer immer wieder auf die einzelnen Teile der Geschichte hin und lässt den Krimipart, durch ihre cleveren Andeutungen, manchmal zu wahren Höchstformen auflaufen, vor allem jeweils am Schluss einer jeden Episode. Ein weiteres Schmankerl, welches dem Vergnügen ebenfalls mehr als gut tut!

Die Inszenierung des ganzen Geschehens kann sich ebenfalls sehen lassen, wobei man natürlich nun nicht unbedingt etwas mega Aufwändiges erwarten sollte. Ist ja schließlich keine Thriller-Serie wie "24" etc. Die Bauten und die Kulissen sind allesamt wunderbar ausgewählt worden und erzeugen eine stimmige Vorstadt-Atmosphäre. Dazu die wunderbare Sounduntermahlung, die gute Regie-Arbeit und der perfekte Schnitt des Ganzen. Hier wird einem wirklich Serien-Qualität auf höchstem Niveau geboten.

Und natürlich dürfen auch die Darsteller nicht vergessen werden. Ein großartiges Ensemble aus wunderbaren Darstellern wurde hier zusammengewürfelt, die ihre einzelnen Parts allesamt mehr als gut machen. Da wäre z. Bsp. Felicity Huffman ("Stephen Kings Golden Years"), die ihren Part als über dimensional gestresste Mutter mit absoluter Bravour leistet. Oder Teri Hatcher ("Die Abenteuer von Lois und Clark") als verhuschte, schusselige Singlefrau (mit Kind), die hier wohl die beste Performance ihrer gesamten Karriere ablegt. Den Golden Globe dafür hat sie mehr als verdient! Aber auch alle anderen, großen und kleinen, Haupt- und Nebendarsteller machen ihre Sache mit Bravour!

Fazit: Großartiger Serien-Geniestreich aus den Touchstone-Studios, der mit einer Mischung aus cleverer, bissiger Satire und spannendem Krimipart, sowohl für Lacher als auch für Spannung am Stück sorgen kann. Durchgehend wird man hier auf hohem Niveau unterhalten, ohne sich größere Sorgen über Durchhänger etc. machen zu müssen. Ein Prachtstück an guter Unterhaltung, so wie man es sich nur wünschen kann!

Wertung: 9/10 Punkte

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