Review

Trey Parker und Matt Stone, die Macher der Kultserie „South Park“ und des dazugehörigen Kinofilms (für mich rückblickend eine der besten Komödien der 90er Jahre) sind zurück auf der großen Leinwand und teilen wieder einmal nach allen Seiten hin kräftig aus. Team America: World Police ist ein Action-Spektakel in „bester“ Jerry-Bruckheimer-Manier, aber nicht mit echten Menschen (obwohl: ist Ben Affleck eigentlich ein Mensch im herkömmlichen Sinne?), sondern in Form eines Puppen-Animationsfilms. Dass dabei filmische Ergüsse wie „Pearl Harbor“, „Armageddon“ und „Top Gun“ ihr Fett abkriegen, versteht sich von selbst. Natürlich ist „Team America: World Police“ aber nicht nur eine Action-Parodie, sondern eine messerscharfe Politsatire.

Bei Team America handelt es sich um eine Art Spezialeinheit der US-Regierung, die zur Terrorbekämpfung eingesetzt wird und die vor allem verhindern soll, dass Massenvernichtungswaffen zum Einsatz kommen. Wie wir spätestens seit dem letzten Irak-Krieg wissen, sind Massenvernichtungswaffen (auch wenn sie gar nicht vorhanden sind) die Bedrohung Nummer Eins für den Weltfrieden. Team America besteht aus lauter jungen, dynamischen, gutaussehenden und nicht besonders intelligenten Leuten, deren Namen genauso schlicht sind wie ihr Gemüt: beispielsweise Joe, Lisa, Sarah und Chris. Auf der Suche nach ein paar islamistischen Terroristen mit angeblichen Massenvernichtungswaffen geht die Truppe nicht gerade behutsam zur Sache. Wenn mal der Eiffelturm oder ein paar alte ägyptische Pyramiden dran glauben müssen, geht das schon in Ordnung. Nebenbei wird ein Broadway-Schauspieler namens Gary engagiert, der als Islamist verkleidet bei den Terroristen eingeschleust wird, um deren Pläne auszuspionieren. Dabei stellt sich heraus, dass ein neuer Superbösewicht auf den Plan getreten ist und die „Nachfolge“ von Saddam Hussein angetreten hat (der ja schon bei South Park ausführlich behandelt wurde): Kim Jong Il, der nordkoreanische Machthaber. Sein hinterhältiger Plan besteht darin, mit Massenvernichtungswaffen die Welt ins Chaos zu stürzen. Kann Team America diesen Wahnsinn stoppen? Doch Kim Jong Il hat noch ein weiteres As im Ärmel: die „Film Actors Guild“ (F.A.G.) mit ihrem Vorsitzenden Alec Baldwin...

Man könnte leicht denken, dass Team America: World Police in die gleiche Kerbe schlägt wie Michael Moore mit Fahrenheit 9/11. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Michael Moores Dokumentarfilm richtete sich gegen Bush und für Kelly, wohingegen Team America: World Police für gar keine Seite Partei ergreift, sondern gleichermaßen über beide herzieht. Michael Moore, der in Puppenform auch im Film auftaucht, wird als hirnloser Irrer dargestellt und sprengt sich bei einem Selbstmordanschlag auf die Einsatzzentrale von Team America schließlich selbst in die Luft. Parker und Stone haben ihre Ansichten über die US-Wahl (die während des Verfassens dieses Reviews schon seit einigen Tagen entschieden ist) in Interviews und in der neuen South-Park-Folge „Douche and Turd“ zum Ausdruck gebracht. Sie sind gegen Bush, aber auch gegen Kerry eingestellt und halten beide für Versager. Konsequent dazu haben sie angeregt, dass man vielleicht darüber nachdenken könnte, lieber gar nicht wählen zu gehen, wenn zur Auswahl nur zwei absolute Deppen stehen. Mit solchen Ansichten macht man sich natürlich keine Freunde, und so reagierte beispielsweise Sean Penn darauf sehr aufgebracht (die Rache dafür gibt es natürlich im Film).

In der betreffenden Episode von South Park wird diese Sichtweise dadurch verdeutlicht, dass die Schüler in South Park ein neues Schulmaskottchen wählen und sich zwischen einem „Giant Douche“ (douche = Einlauf) und einem „Turd Sandwich“ (turd = Scheiße) entscheiden. Alle Schüler und sogar deren Eltern ziehen einen Wahlkampf mit allem Drum und Dran auf, nur Stan beteiligt sich nicht und möchte gar kein Maskottchen wählen, weil er die ganze Sache für unnütz und dumm hält. Nachdem auch das Ausüben von Druck auf ihn von beiden Seiten her keinen Erfolg hat, wird er sogar aus South Park verdammt und erst wieder reingelassen, als er seiner PFLICHT zu wählen nachkommt. Obwohl sich all das natürlich auf die Präsidentenwahl bezieht, kommen weder Bush noch Herausforderer Kerry in der Folge vor und werden nicht einmal namentlich erwähnt. Das gleiche gilt für Team America: World Police. Das wäre Parker und Stone zu plump gewesen, obwohl sie vom Humor her natürlich den Griff ganz tief ins Klo nicht scheuen. Die nihilistische (oder vielmehr realistische?) Moral von der Geschichte ist halt „It's always between a giant douche and a turd sandwich“ – ganz egal wer die Kandidaten denn dieses Mal waren.

Dementsprechend macht Team America: World Police einerseits die US-Außenpolitik der Bush-Regierung in Form der Team-America-Truppe lächerlich (ohne Bush namentlich zu nennen), andererseits aber auch die liberale Gegenseite, symbolisiert durch Michael Moore und die sogenannte Film Actors Guild, die erbitterte Gegner von Team America sind. Jene Film Actors Guild , abgekürzt F.A.G. (fag = schwul), besteht aus Bush-kritischen Schauspielern wie Sean Penn, Alec Baldwin, Susan Sarandon, Tim Robbins, Matt Damon und weiteren, die alle in Puppenform im Film vorkommen und zuletzt in blutigster Meet-the-Feebles-Art aus dem Leben scheiden. Matt Damon wird als dermaßen zurückgeblieben dargestellt, dass er nur seinen Namen sagen kann, und auch das nur mit äußerster Mühe. Wer South Park kennt, wird sich sofort an den behinderten Jungen Timmy erinnert fühlen, der nur ein einziges Wort sagen kann, nämlich „Timmy“. Die anderen „fags“ wie Baldwin, Penn, Robbins usw. sind militante Friedensaktivisten, die über Leichen gehen, um der Welt den Frieden zu bringen und die von dem her natürlich gut in Kim Jong Ils Plan passen. Einer der besten Gags des Films ist, als Alec Baldwin in einer pathetischen Rede vom „fag way“ spricht und natürlich Frieden usw. meint.

Kim Jong Il selber ist einer der besten und gleichzeitig lächerlichsten Filmbösewichte seit vielen, vielen Jahren und lässt sogar Saddam Hussein aus dem South Park – Der Film und einigen Folgen der Serie klein mit Hut aussehen. Allein sein Umgang mit UN-Waffeninspekteur Hans Blix (noch einer, der es saftig abbekommt...) und seine traurige Singnummer „I’m So Ronery“ werden ihn als Filmfigur für immer unsterblich machen.

Ja, Singnummern. Wie bei South Park – Der Film gibt es auch hier eine ganze Anzahl von gesungenen Liedern, die es allesamt verdient haben, für den Oscar nominiert zu werden – wie bei „Blame Canada“ aus dem South-Park-Film geschehen. Normalerweise bin ich alles andere als ein Freund von Liedern in Filmen und hasse Musicals, aber wenn die Lieder so großartig und die Texte so vor Sarkasmus triefend sind wie hier, werde sogar ich schwach. Ein paar Songtitel als Beispiele: „Freedom Isn’t Free“, „Everyone Has AIDS“ und die geniale pseudopatriotische Hymne „America, Fuck Yeah“.

Neben der politischen Komponente ist das Hauptziel der Angriffe von Parker und Stone wie schon erwähnt Produzent Jerry Bruckheimer und insbesondere „Pearl Harbor“. Manche der sinnlosesten und schleimigsten Szenen wurden fast identisch übernommen und wirken von Puppen gespielt noch lächerlicher als im richtigen Film. Überhaupt sind Parker und Stone der Ansicht, dass Filme von Bruckheimer oder Roland Emmerich erst als Puppenfilm in der Art von Thunderbirds so richtig funktionieren, und daraus entstand ja eigentlich die Idee für Team America. Die politischen Seitenhiebe kamen erst später hinzu. So bringt Team America: World Police sein für einen Puppenfilm mehr als beachtliches Budget von 32 Millionen US-Dollar voll zur Geltung und präsentiert jede Menge bombastische Action-Szenen, die allesamt fabelhaft umgesetzt wurden (was sicher alles andere als leicht war). Überhaupt ist der Film von der technischen Seite her absolut makellos, und auch die Puppenanimation ist außerordentlich gut gelungen. Was die Gesichtsausdrücke der Puppen angeht, so wurde die Sache sicher dadurch vereinfacht, dass die Nullmimik von Darstellern wie Ben Affleck parodiert wurde und fast alle Filmfiguren von der Intelligenz her recht sparsam ausgestattet sind und sich das natürlich in der Mimik widerspiegelt.

Fazit: Team America: World Police zeigt Trey Parker und Matt Stone in absoluter Bestform. Der Film knüpft qualitativ genau an South Park – Der Film und die allerbesten South-Park-Episoden an. An den nordamerikanischen Kinokassen konnte Team America: World Police die in ihn gesetzten Erwartungen nicht ganz erfüllen (ein Flop war’s trotzdem nicht), was sicher daran liegt, dass der Film zu nihilistisch und radikal für das Massenpublikum ist und deshalb nicht von der günstigen Stimmung für US-kritische Filme vor der Präsidentenwahl profitieren konnte. Vielleicht mögen es die Amis auch nicht, wenn man ihnen die Wahrheit ins Gesicht sagt? Nichts gegen Michael Moore, den ich sehr sympathisch finde. Aber mit jemandem wie Kerry wäre sicherlich nichts besser geworden, höchstens ein bisschen weniger schlimm. Wenn Team America ein bisschen glatter und politisch korrekter wäre, würde ich normalerweise sagen: ein heißer Kandidat für den nächsten Oscar als bester Animationsfilm, alleine wegen der technischen Umsetzung. Aber erstens ist er das nicht, zweitens ist die Konkurrenz diesmal viel zu groß, und drittens fällt er als Puppenfilm eventuell gar nicht in die Kategorie „Animationsfilm“. Den Oscar werden dort wohl Shrek 2, Pixars neuer Film „The Incredibles“ und Hayao Miyazakis neuer Film „Howl’s Moving Castle“ unter sich ausmachen. Was natürlich nichts an der Klasse von Team America: World Police ändert. 10/10

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