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Eine Insel mit zwei Schergen

2004 - „South Park“ und seine Schöpfer waren auf dem Zenit, die Welt hatte mehr Angst denn je vor Terroristen, Amerika flog durch die Welt und stiftete Lügen, Kriege, Rachechaos. Superheldenfilme waren noch weit von ihrer goldenen Ära entfernt und die 80er wurden noch kaum verehrt, aufgewärmt, abgepaust. Gute Komödien aus Hollywood gab's noch genug und für die meisten war es eigentlich noch zu früh um über Bin Laden, Gaddafi oder Saddam Hussein zu lachen. Oder über amerikanischen „Patriotismus“. Doch dann kam „Team America: World Police“ als unverschämt-geniale Mischung aus 90s-MTV und zukunftsweisender Satire, Selbstironie, Amerikakritik. Als „Puppentheater“ über eine amerikanische Spezialeinheit gegen böse Terroristen und antiamerikanisches Gesindel aus den östlichen Gefilden der Welt…

Ein Mittelfinger an die Selbstverständlichkeit der Heimat

„Team America“ traut sich einiges und haut schön richtig auf die Kacke. Oft mit dem Dampfhammer und mehr als nur einem herausgerissenen Zaunpfahl. Doch bei mir funktioniert der tadellos. Heute vielleicht noch mehr als bei seinem Kinorelease. Und schon damals lag ich manchmal fast auf dem Boden vor Lachen. Aber jetzt bekommen einige Pointen und Anspielungen nochmal eine ganz neue Ebene und Gewichtung. Ich sage nur Alec Baldwin, ich sage Waffennarrentum, ich sage Despoten wie Nordkoreas Führer, ich sage Amerikas ganz eigener, unerreichter, zwischen Komik und Gefahr schwankender Patriotismus. Matt Stone und Trey Parker sind schon ein geniales Duo, das kaum ein Blatt vor den Mund nimmt. Manchmal infantil und naiv, manchmal clever und berechnend. „Team America“ packt in knapp 90 Minuten die ganze Palette aus. Von einer der lustigsten Sexszenen aller Zeiten bis zu Musicaleinlagen, Montagen, Splatteraction. Da kommt eins zum anderen, da gibt’s keine Minute Verschnaufpause. Tausende Zitate sind möglich, allein „Matt Damon“. Und umso mehr Zeit verstreicht, desto prophetischer und bitterböser wird „Team America: World Police“… Wäre die Welt in vielerlei Beziehung nicht bereits selbst eine Parodie und Satire, ich würde mir immer noch eine Fortsetzung dieser rotzfrechen Splittercomedygranate wünschen. 

Fazit: weit mehr als ein „Puppenspielertrick“. Urkomisch, speziell, clever, mutig, politisch unkorrekt. Selten haben sich die U.S.A. und Hollywood ungefilterter selbst auf's Korn genommen. Trotz allem Plastik und aller Marionettenschnüre. Den Einfluss der „South Park“-Macher kann man nicht verleugnen. Nimmt von der K.I. bis zum Tempo der „Lego“-Filme viel voraus. Frech und famos!

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