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Das britische Pärchen Christopher (Robert Behling) und Celia (Jane Lyle) besuchen die malerische Ägäis-Insel Mykonos - zunächst suchen sie sich dort eine Bleibe, um dann anläßlich eines Spaziergangs in einer Telefonzelle zu bumsen. Dass die Mama im fernen London dies per Telefon mitbekommen und dadurch einem Herzinfarkt erliegen soll, gibt einen ersten Hinweis darauf, daß das an sich recht normal aussehende Pärchen irgendwie einen schweren Dachschaden hat. Abends in einem Restaurant quatschen sie einen allein speisenden französischen Touristen an, dem sie am folgenden Tag einen Besuch abstatten wollen. Zuvor aber steht Christopher morgens alleine auf und da er im malerischen Garten ihres Ferien-Apartements ein kleines Zicklein antrifft, benutzt er dieses so nebenbei zur Triebabfuhr - bevor er ihm den Kopf abschneidet und den Kadaver im Brunnen versenkt. Ähm?

Die Teuflischen von Mykonos ist eine sleazige Aneinanderreihung von Morden und Perversionen, deren Ursprung in Tobe Hoopers  1974er TCM zu suchen ist - so zumindest wird das anscheinend ohne tiefere Überlegung von Regisseur Nico Mastorakis zusammengeschusterte Drehbuch allenthalben erklärt. Tatsächlich fragt man sich über 40 Jahre später, was wohl die Intention dieser ganzen Story gewesen sein mag, denn außer daß Christopher ab und zu erwähnt, als Abgesandter Gottes die Perversen bestrafen zu wollen, finden die bemerkenswert trocken und meist im Gegenschnitt abgefilmten blutigen Morde ohne jeglichen ersichtlichen Grund statt. Der Franzose wird zuerst von Celia verführt, bevor er von beiden verdroschen und mit den Händen auf dem Steinboden festgenagelt wird (wie geht das eigentlich, Stahlnägel in den Steinboden?); ein tuntiger Amerikaner, der ihnen bei der Quartierssuche behilflich war, wird mit dem Schwert niedergemetzelt, sein Lustknabe bekommt das Hirn weggeblasen, eine reifere Dame wird angepinkelt und enthauptet, einer Drogensüchtigen wird das Gesicht weggebrannt und so weiter und so weiter...

Mangels Charakterzeichnung vermag man weder mit dem geisteskranken Bonnie & Clyde-Verschnitt noch mit den Opfern mitzufiebern, das Gezeigte läßt, trotz oder vielleicht gerade wegen der sinnlosen Gewalt, keine Empathie, aber auch keine Empörung zu. Was die Folgen ihrer Taten betrifft, so haben die beiden keinerlei Gewissensbisse, auch scheint es auf Mykonos keine sehr aktive Spurensicherung gegeben zu haben; von offenbar früheren Morden in London ist ihnen immerhin ein Inspektor auf der Spur, der allerdings nach seiner Ankunft auf der Insel mittels eines kleinen Flugzeugs über dem Meer entsorgt wird - erst ganz zum Schluß ist ihnen die örtliche Gendarmerie (in einem übrigens sehenswerten alten Kübel) auf den Fersen, erwischt sie jedoch nicht. Ein kleines rotes Büchlein, in das die Erlebnisse der beiden notiert werden, taucht auch ab und zu auf, ohne einen tieferen Sinn zu ergeben. Am sinnlosesten ist jedoch das Ende, als Celia sich lieber von einem stummen griechischen Schafhirten bedienen läßt, nachdem dieser zuvor Christopher in einem Steinhaufen (aus erkennbaren Styroporteilen) entsorgt hat. Aber zu diesem Zeitpunkt wundert man sich dann sowieso über nichts mehr.

Zu gefallen wußte immerhin das Stilmittel, mit einem akustischen Kamera-Auslöse-klick zwischen einzelnen Szenen "umzuschalten", auch das manische Fotografieren diverser Szenerien von Christopher, wenn Celia das nächste Opfer verführt und das schnelle Durchspielen der schwarz-weißen Standbilder gibt dem Film eine gewisse Note. Was die dargestellte Gewalt betrifft, so findet das meiste wie erwähnt im Gegenschnitt statt, nichts ist außergewöhnlich hart, auch nicht für die Entstehungszeit des Films, dennoch ist das Gezeigte schnittechnisch für eine 70er-Jahre-Low-Budget-Produktion einigermaßen  ordentlich geraten. Nur bei der Enthauptung der liebesbedürftigen älteren Dame mittels eines Planierraupenschilds kann man sich einen Lacher nicht verkneifen. Die vermeintlichen "Perversionen", die es zu bestrafen gilt waren vermutlich schon damals keine und sind es heute erst recht nicht mehr, die späte Erwähnung, daß das mörderische Pärchen in Wirklichkeit Geschwister wären, wirkt nur noch aufgesetzt.

Unterm Strich bleibt daher ein skurriler aber halbwegs unterhaltsamer Streifen mit zeitgenössischer musikalischer Untermalung, der zumindest, da er schon keine Begründung für die Handlungen liefert, ein gewisses Sittenbild der Siebziger vermittelt. 6 Punkte.

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