Nach zwei vor allem von Harry A. Towers und Arthur Brauner dominierten Phasen und vor seinen meist weniger ambitionierten Exploitationfilmen für Erwin C. Dietrich ab 1975 legte Franco in der ersten Hälfte der 70er Jahre nochmals ein paar seiner beachtenswertesten Filme vor, die meist als französische Produktionen oder Koproduktionen das Licht der Welt erblickten und zum großen Teil von Robert de Nestle produziert worden sind. De Nestle hatte von Anfang der 50er bis Ende der 70er Jahre gut fünf Dutzend Produktionen auf die Beine gestellt und dabei ab den 60er Jahren eine beachtliche Mischung von spekulativer Exploitation, unterhaltsamer Kolportage und engagierten, ambitionierten Werken hervorgebracht: in letztgenannte Sparte fallen vor allem Franjus "Judex" (1963) - selbst bereits ein großartiger Mix aus großer, surrealer Kunst und trivialer Kolportage! -, die sozialkritischen, katholisch gefärbten Dramen Maurice Cloches - darunter "Prisons de femmes" (1958), der freilich nicht den späteren Frauengefängnis-Dramen des Exploitationkinos gleicht, wobwohl er wie manch andere Cloches dessen spekulativen Aspekte bereits enthält! - und die politisch engagierten afrikanisch-französischen Filme "Mandabi" (1968) von Ousmane Sembène und "Mektoub" (1970) von Ali Ghalem. De Nestles mehrfache Zusammenarbeiten mit Riccardo Freda zeugen ebenfalls vom Vorhaben, triviales Unterhaltungskino und künstlerische Ambitionen zu verschmelzen; in de Nestles Vertrieb einiger Klassiker des erotischen Films von José Bénazéraf ("Le Cri de la chair" (1962), "La Drogue du vice" (1963), "L'Enfer sur la plage" (1965)) deutet sich schließlich die Stoßrichtung an, die de Nestles Produktionen der 70er kennzeichnete: hochwertige, kunstvoll gestaltete Erotikfilme wie Jacques Scandelaris etwas schwülstige de Sade-Verfilmung "La Philosophie dans le boudoir" (1970) oder die zeitgenössischen Filme Jess Francos ab "Les Cauchemars naissent la nuit" (1970).
Die Zusammenarbeit mit Franco zog sich bis hin zum - mit Erwin C. Dietrich koproduzierten - recht schwachen, wenngleich eigenwillig ausstaffierten "Das Frauenhaus" (1977) - bloß unterbrochen von etwa drei, vier Zusammenarbeiten mit Alain Payet bzw. Paolo Moffa! - und enthielt neben durchaus auch vorhandenen Schnellschüssen solche kleinen Perlen wie "Christina, princesse de l'érotisme" (1971), "Les Démons" (1971), "La Fille de Dracula" (1972), "Plaisir à trois" (1973), "Le Miroir obscène" (1973) - die französische Alternativ-Version von "Al otro lado del espejo" (1973), die Franco für de Nestle erstellte und die in ihrer weit kommerzielleren Orientierung an das spanischsprachige Original nicht heranreicht! -, "La comtesse perverse" (1974) und "Les Possédées du diable".
"Les Possédées du diable", zu welchem de Nestle auch gemeinsam mit André Bénichou die Filmmusik verfasste, zählt zweifelsohne zu den größten Erfolgen in Francos de Nestle-Phase und entfaltet seinen leichtfüßigen, entspannten, traumwandlerischen Stil, der sich ab "Necronomicon - Geträumte Sünden" (1967) abzuzeichnen begann, in aller Konsequenz und spannt Francos Vorbilder etwas weniger intensiv, dafür aber weit subtiler ein, als es "Necronomicon - Geträumte Sünden" ein paar Jahre zuvor noch getan hatte.
"Les Possédées du diable" wird [Achtung: Spoiler!] durchzogen von frei verwobenen Motiven aus der phantastischen Weltliteratur und von Anleihen beim film noir, um sein zunächst kriminalistisches, dann immer phantastischer sich (re)generierendes Erotikon zu entwerfen, in welchem Franco einmal mehr ganz selbstbewusst sich selbst zitiert, um die Handlung dieses Films in seinen Privatkosmos einzugliedern, in welchem über unzähligen Variationen alle Stoffe & Motive nahezu übergangslos miteinander verschwimmen.
Der Renfield-Strang aus Bram Stokers "Dracula" (1894) steht - nicht zum ersten und nicht zum letzten Mal bei Franco! - Pate und der Pakt mit dem Teufel aus dem Faust-Stoff und aus Jeremias Gotthelfs Novelle "Die schwarze Spinne" (1842) nimmt einen noch weit größeren Stellenwert ein: Patrick Mariel (Guy Delorme) - inzwischen ein gutsituierter, glücklicher Geschäftsmann mit Frau & Tochter! - wird nach einem längeren Prolog, der Lina Romay und Pamela Stanford bei lesbischen Intimitäten zeigt, von seiner Vergangenheit eingeholt, als eines Tages das Telefon läutet und eine Frau namens Lorna Green (Stanford) herrisch auf ein Treffen mit ihm besteht. (Man kennt den Namen Lorna Green bereits aus "Necronomicon - Geträumte Sünden", wo er die hübsche, verführerische, mörderische und womöglich teuflische Hauptfigur ziert... später wird er als Pseudonym einer seiner Darstellerinnen durch seine Filme geistern.) Da das Treffen im neuen Hotel in Camargue stattfinden soll, verschiebt Patrick den Familienausflug von Saint-Tropez nach Camargue: zur großen Enttäuschung seiner Tochter Linda (Romay), die argwöhnt, dass dem Vater seine Affären wichtiger sein könnten als sie es ist, derweil andernorts eine irrsinnige Anstaltsinsassin nach längerer Zeit im Koma vom Geist Lornas beeinflusst wird...
In Camargue angekommen, wird Linda sogleich in der Badewanne von Lorna heimgesucht, die wie ein Sukkubus zur nahezu somnambul-willenlosen Jungfrau in die Wanne steigt, um sofort zum gegenseitigen Oralverkehr überzugehen. Kurz darauf trifft sich Patrick mit Lorna, die sich ihm ganz noir-mäßig als platinblonde femme fatale präsentiert (während sie seiner Tochter mit rötlich-blonder Lockenperücke erscheint): und während sich andernorts in der Anstalt die unbekannte Insassin nach Lorna verzehrt, legt Lorna Patrick nahe, ihr am nächsten Tag seine Tochter Linda auszuliefern, die dann ihr achtzehntes Lebensjahr erreicht haben wird. Patrick lehnt entschieden ab und wird von Lornas Diener Maurizius (Howard Vernon) per Riesenmuschel-Schlagring zusammengeschlagen; zurück im Hotelzimmer warnt er zunächst seine Gattin Marianne vor Lorna Green und erhält kurz darauf vom Hotelier einen Revolver zu seiner Verteidigung. Doch Lornas Macht geht keineswegs bloß von ihrem Diener aus: Als Patricks Frau mit ihm schlafen will, krabbeln ihr zu ihrem großen Entsetzen einige Krebse aus dem Intimbereich...
Linda erhält kurz darauf erneut Besuch von Lorna, die sich ihr als ihre eigentliche Mutter präsentiert und die Geschichte des Vaters enthüllt: erfolglos & unglücklich ist er einst gewesen, ehe er in einem Casino auf sie stieß und ihr am Spieltisch einen ersten Erfolg verdankte. Sie lockte ihn auf ihr Zimmer, verführte ihn; ihn erinnerte Lorna sofort an eine Zauberin aus phantastischen Erzählungen und Sagen, Lorna erwiderte, dass alles seinen schicksalhaft vorgeschriebenen Gang gehe. Es kam zum Geschlechtsverkehr, bei dem Lorna Patrick in einen Pakt verwickelte: er werde reich & erfolgreich, müsse jedoch daheim sogleich mit seiner Partnerin schlafen - von der Lorna zu diesem Zeitpunkt dann auch Besitz zu ergreifen scheint! -, werde sie dabei schwängern, die Tochter bis zum achtzehnten Lebensjahr großziehen und sie dann an Lorna ausliefern. Nach dieser Offenbarung liebkost Lorna die junge Frau, um sie schließlich mit einem Godemiché zu entjungfern - und einem Vampir gleich das Deflorationsblut von diesem zu lecken.
Am nächsten Morgen entdeckt Patrick den Blutfleck im Bett der Tochter, entdeckt diese unter der Dusche - wo sie ihn verführerisch lockt - und wird schließlich von den Schreien seiner Frau zurück ins Schlafzimmer gelockt: dort ist Marianne unter starken Unterleibsschmerzen dahingeschieden; einige Krebse dringen aus ihrem Unterleib und strömen durch das Zimmer. Außer sich vor Wut sucht er mit seinem Revolver Lorna und ihren Diener auf - derweil Linda als von Lorna Besessene im Zimmer der Anstaltsinsassin erscheint und mit ihr intim wird! -, erschießt erst ihn, dann sie. Im Sterben wandelt sich Lornas Schrecken in Dankbarkeit & Siegesgewissheit: erneut erfülle sich der schicksalhafte Lauf der Dinge. Mit Lorna stirbt dann auch andernorts die Anstaltsinsassin und als Patrick wieder zu seiner Tochter zurückkehrt, nimmt das, was einst Lornas Körper ausfüllte, in Linda Rache: Die Tochter verführt den Vater zunächst zum Inzest, um ihm dann - bevor es zum äußersten kommt - einen tödlichen Stich in den Hals zu verpassen. Patrick haucht sein Leben aus, Linda wälzt sich irrsinnig lachend mit aufgerissenen Augen in ihrem Bett hin und her...
"Les Possédées du diable" ist freilich kein Film, der mit psychologischer Glaubwürdigkeit besticht (was Franco ohnehin bloß in "Al otro lado del espejo" und vielleicht auch noch in "Paroxismus" (1969) gelungen ist); allein die Szene, in welcher Patrick die überraschte Tochter an der Leiche der bizarr dahingeschiedenen Gattin & Mutter zurücklässt, um seine Rache an Lorna ausüben zu können, beinhaltet durchaus einen exemplarischen Hauch unfreiwilliger - oder zumindest bewusst in Kauf genommener - Komik, der den Streifen für ein Publikum, das an Spannungsdramaturgie, Realismus und naturalistisches Schauspiel gewöhnt ist, als lachhaften Trashfilm erscheinen lassen wird. Und "Les Possédées du diable" ist sicher nicht ganz frei von Trash, ist er doch durchaus exploitativ und hantiert er doch mit veräußerlichten Motiven des Schundfilms: veräußerlichte Motive, die Franco aber im Rahmen seiner Karriere sehr schnell verinnerlicht hat, um sie an sein Konzept von Verderben & Erotik anzupassen. Und so ist "Les Possédées du diable" ein Film, der psychologisch unglaubwürdig und dramaturgisch nicht gerade lehrbuchartig - ja teilweise sogar etwas unsauber! - mit Oberflächenreizen & Leitmotiven aus dem Genrekino (des Kriminalfilms, des phantastischen Films, des erotischen Films) hantiert, um dabei eine ausgesprochen stimmige Abbildung des francoschen Leitgedankens zu ergeben, eine kohärente Darstellung der alle Grenzen übertretenden, alle Oberflächen durchstoßenden Erschütterung des Sterbens & Tötens, der Liebe & Lust. Dieser Grundgedanke, der fast alle Francos zum Klingen bringt und für das Verschmelzen & Verschwimmen seines Gesamtwerks verantwortlich ist, ist das ozeanische Gefühl in allen typischen Franco-Filmen, welches in ihnen die zusammengeplünderten Genreschablonen um Vampire, Sukkubi, Geister, mad scientists, Hypnotiseure, femme fatales, Liebespaare, inzestuöse Partner und Massenorgien durchflutet und zusammenhält; es ist der Kleber, der alles berührt & durchtränkt und dabei die Unstimmigkeiten der Oberflächlichen unter der Oberfläche stimmig & lückenlos miteinander verbindet, es ist der wahre Gehalt unter der Schale der Trivial-Collage.
Und dabei geht Franco wie so oft in seinen besseren Filmen sehr systematisch vor: Lorna Green ist nicht zufällig eine Zauberin, die ihr Opfer ans Meer lockt, die ein grünlich-bläuliches Schlafzimmer besitzt und aqua-farbene Lidschatten trägt, die ihr Opfer mit einer Riesenmuschel bearbeiten lässt, die Krebse aus der Vagina der Gattin ihres Opfers kriechen lässt, die ihr Objekt der Begierde in der Badewanne heimsucht und es unter der Dusche den eigenen Vater verführen lässt, und deren Diener Maurizius heißt - wie der Inselstaat Mauritius im Indischen Ozean. Lorna Green wird ausgesprochen deutlich mit dem Meer in Verbindung gebracht, vor dessen Hintergrund "Les Possédées du diable" angesiedelt ist, um als böse Nixe oder Meerhexe jenes ozeanische Gefühl zu personifizieren, das für lustvolle Verschmelzung und angsteinflößende Selbstauflösung zugleich steht. Man kennt das bei Franco zu dieser Zeit bereits: man denke bloß an den Liebestod im Meer in "La Comtesse perverse", an die angespülten Leichen in "Paroxismus" (in welchem einige Erinnerungsbilder tatsächlich in Wellenbewegungen verschwimmen, wie man es aus den Übergangsphasen zu Beginn und Ende klassischer Rückblenden kennt) oder an "Necronomicon - Geträumte Sünden", wo die verführerische, womöglich diabolische femme fatale Lorna Green nicht bloß in einem Schloss direkt am Meer haust, sondern vor dem entscheidenden Finale sogar durch ein Aquarium hindurch beobachtet wird...
Wie Francos Sexvampire & Sukkubi kommuniziert Lorna über jede Distanz hinweg und durch alle Wände hindurch mit ihren Opfern, ist per psychic link mit ihnen verknüpft, dringt sogar in deren Geist ein, derweil ihr Körper ohnehin bloß eine Hülle ist, deren Geist nach dem Vergehen der Hülle in anderen Körpern Unterschlupf findet und nichts weiter zu suchen scheint als Lust & Liebe: Sie verkehrt sexuell mit Patrick, schlüpft bei seinem Verkehr mit seiner Gattin in ebendiese hinein, ergreift Besitz von seiner Tochter, der sie auf unerklärliche Weise in geschlossenen Zimmern erscheint, und sucht im Körper Lindas eine eingesperrte Liebschaft für ein Liebesspiel heim, die keine weitere Funktion für die Handlung erfüllt, als in Form eines weiblichen Renfields besonders stark auf die besitzergreifenden, beeinflussenden, telepathischen geistigen Kräfte Lornas aufmerksam zu machen. Lorna Green bringt die Ekstase der Lust und die Ekstase des Todes und ist zugleich ein im Grunde körperloses Prinzip, das sich in immer neuen Körpern entfaltet: es ist im Grunde das personifizierte natürliche Prinzip der Fortpflanzung und des Versterbens, das immer fortexistieren wird solange es Lebewesen gibt, das sie alle stets durchdringt und die Grenzüberschreitung des kleinen und des großen Todes mal angenehm, mal erschreckend erscheinen lässt.
Die Geschichte, die Franco diesmal über diesen Grundgedanken legt, stattet ebendiesen - wie in all seinen besseren Filmen - dann aber doch noch mit ein paar interessanten Beziehungen aus, die zwar in der konkreten Handlung nicht unbedingt psychologisch glaubwürdig erscheinen, die aber als allegorische Veranschaulichungen nicht gänzlich untauglich sind: Da wäre die Tochter, die sich von eventuellen Liebhaberinnen des Vaters beiseite gedrängt wähnt und ihn später - wenngleich beeinflusst bzw. besessen - zu verführen gedenkt. Bezeichnenderweise wird die eigene Mutter kaum als Bedrohung aufgefasst: Fremde Sexpartnerinnen wie Lorna hingegen schon - und aus ebendieser Lorna, dieser personifizierten Ekstase heraus wurde Linda geboren, um letztlich wie diese (im quasi-Inzest mit Lorna, im beinahe-Inzest mit Patrick, im Vatermord) alle Grenzen zu überschreiten. Der Vater stirbt nicht zuletzt deshalb, weil er sich der Lust zu sehr verweigert hat - und zwar auf zweierlei Weise: indem er den Pakt mit Lorna, der personifizierten Lust, nicht einzuhalten bereit ist und indem er dem inzestuösen Verlangen der Tochter nicht nachgekommen ist und ihre homoerotischen, quasi-inzestuösen Kontakte zur Mutter im Geiste, zu Lorna zu unterbinden versucht hat. Insofern lässt sich "Les Possédées du diable" auch als Form des Aufbegehrens töchterlichen Ungehorsams gegen eine rigide Sexualmoral des Vaters lesen - und ist insofern ganz & gar dem Zeitgeist und der sexuellen Revolution verpflichtet: und bricht lustvoll & lüstern alle denkbaren Tabus, geht es doch um das Sexualleben einer 17jährigen, um Homosexualität, um Inzest, um Ehebruch, um Hardcore-Szenen... (Insofern hat er nichts, aber auch gar nichts mit Friedkins relativ konservativem "The Exorcist" (1973) gemeinsam, als dessen Plagiat er gelegentlich wegen seines Titels, vor allem wegen seines US-Titels verstanden wird.)
All das gießt Franco in die von ihm zu dieser Zeit gewohnten Formen: (teils dynamische) Weitwinkel-Aufnahmen, delirierende Jazz- & Lounge-Klänge, unvergessliche Kostümierungen & Kulissen und reichlich nackte Haut. Zu den einprägsamen Kulissen zählen freilich die Hotels in Camargue mit ihren verspielten Fassaden, welche - und das gilt noch stärker für die Deckenverzierung in der Hoteldisco und die Fassade des Casinos! - bereits mit wellenartigen Formen die Figuren ins Ozeanische stürzen lassen. Freilich kommen die Gebäude nicht an Ricardo Bofills Villa El Xanadu heran, die es Franco zu dieser Zeit mehrfach angetan hat, kommen aber ausgesprochen modisch daher - weshalb sie manchem wohl auch schlichtweg veraltet erscheinen dürften (was auch für die Teppichböden und Vorhänge gelten dürfte). Unabhängig von der Bewertung dieser Mode ist "Les Possédées du diable" zumindest ein beachtliches Musterbeispiel für die Mode der frühen 70er Jahre. Das Auftreten Lorna Greens mit ihren Mega-Lidschatten, wechselnden Perücken und Gewändern ist dann fast schon so etwas wie die Übertreibung solcher Mode...
Diese Auflösung der narrativen Handlung in deskriptiven Momenten des Umherschlenders & -treibens in den Farben & Formen der Mode unterstützt natürlich Francos Abzielen auf das alles zusammenhaltende ozeanische Gefühl: Figuren & Publikum verlieren sich immer wieder in Sinnlichkeiten, tauchen ein ein lust- & schaudervolle Zustände, derweil der Spannungsbogen quasi lose durchhängt... Insofern ist der fast zehnminütige Prolog dieses Film mit seiner Liebesszene zu den lustvoll & gequält zugleich aufjauchzenden und einlullenden Klängen de Nestles ein überaus konsequenter, stimmiger Einstieg in diesen Film, der mit seiner Handlung erst nach & nach über eine erhellende Rückblende herausrückt. Und auch der spätere Regisseur Gérard Kikoïne, der hier wie bei etlichen anderen de Nestle-Francos die Montage bewerkstelligt hat, passt sich diesem schlafwandlerischen Rhythmus an, gewährt genügend Zeit, um in den Bildern zu versinken, derweil die Handlung aussetzt oder extrem zerdehnt wird.
Francophile dürfen sich noch über die Besetzung freuen: Neben Romay, Stanford und Vernon sind auch Franco höchstpersönlich (als Anstaltsleiter) und seine Stieftochter Caroline Rivière zu sehen. Auch mit dem stets ein wenig zum Grimassieren neigenden Richard Bigotini - der hier auch als Regie-Assistent tätig war - und mit Catherine Lafferière sind weitere bekannte Franco-Gesichter zu entdecken. Und auch das Haus aus "Plaisir à trois" begegnet einem hier wieder - Francophile dürfen sich also wie zuhause fühlen...
"Les Possédées du diable" ist gewissermaßen einer der ozeanischsten Filme Francos, eine verträumte, gemächliche Fantasie zwischen film noir, Horrorfilm und Erotikfilm, die Francos Grundgedanken sehr gründlich & konsequent wiedergibt, dabei zur richtigen Form und zur richtigen Dramaturgie greifend. Nach "Al otro lado del espejo" und "Paroxismus" dürfte "Les Possédées du diable" einer der besten Francos sein, der nach seinem Richtungswechsel in "Necronomicon - Geträumte Sünden" das Licht der Welt erblickte. Um seine Qualitäten schätzen zu können, bedarf es aber vermutlich schon der Vorliebe für das erotische Kino der 60er & 70er Jahre und einer Offenheit für Filme jenseits des Spannungskinos.
7,5/10