Review

Horror und Sozialkritik können durchaus einhergehen, man denke nur an Romeros Zombie-Streifen oder, aus jüngeren Tagen, „28 Days Later“. Dass dieser Streifen dem Anspruch durchdachter Gesellschaftskritik nicht gerecht werden kann, liegt nicht an der guten Grundidee, sondern der fahrigen, oft überaus langweiligen Umsetzung.

Rund 75 Minuten befinden wir uns in den dreckigsten Gassen von Los Angeles und mittendrin Identifikationsfigur Eric Hayes, Sensationsreporter und charakterlicher Abschaum.
Als er eines Tages völlig betrunken mit der Kamera festhält, wie drei Männer eine Frau fressen, die Kamera aber gar kein Tape beinhaltete, macht er sich mit einem Kumpel auf, die Ghouls zu suchen…

Rasch wird klar, dass Hayes schlimmer ist, als die Ghouls. Direkt zu Begin hält er fest, wie eine Frau vergewaltigt und mit Messerstichen ermordet wird, ohne auch nur eine Sekunde über ein Einschreiten nachzudenken. Hayes lebt vom Leid der Hilflosen, emotionslos verfolgt er Nacht für Nacht die Wagen der Cops, zieht sich dabei vier Schachteln Zigaretten rein, hat mittlerweile seine Freundin vergrault und ist ein hoffnungsloser Trinker.
Besonders in den ersten zwanzig Minuten fällt es dem Betrachter nicht leicht, sich in dessen dreckige und gefühlskalte Welt hineinzuversetzen, zumal es der Einleitung am roten Faden mangelt.

Die Bedrohung durch die Ghouls muss man indes ohne jede Begründung hinnehmen. Wie ein Obdachloser später berichtet, leben die schon immer in der Unterwelt und würden sich mit Einbruch der Nacht Menschenopfer holen. Hayes, der mittlerweile nichts mehr zu verlieren hat und selbst beim News-Produzenten unten durch ist, begibt sich mit Knarre und einem gewissen Maß an Gleichgültigkeit in die Höhle des Löwen, wo es zum eiskalten Showdown kommt, der sich der Gesamtstimmung komplett anpasst: Sehr dreckig und trist, aber fern jeglicher Spannung.

Denn die dreckige Atmosphäre, die durch das Filmen mit billigem Videomaterial entsteht, wird zu keiner Zeit durchbrochen, selbst als die Kreaturen einige Male zuschlagen, geschieht dies ohne sonderliches Tempo, ohne Aufwand an Action und mit nur sehr wenigen Fressszenen (der deutschen Fassung fehlen sieben Minuten). Da werden gorige Momente ausschließlich im Halbdunkel erfasst, zudem wackelt die Kamera, - zeitweise durch Egosicht des Reporters – gewaltig. Zwar deuten sich einige Ausweidungen an, doch explizit ist nichts zu sehen, außer ein paar Schlabber-Innereien.

Die Anteile des Horrors weichen dem des Dramas, was sich nicht zuletzt durch die nervige Musikuntermalung hervortut. Anstatt in Konfliktsituationen antreibende Sounds einzusetzen, muss man schrägen Freejazz ertragen, der zwar zu den dreckigen Hinterhofgassen passt, aber eben nicht zum Auftauchen menschenfressender Monster.
Und spätestens als man die bedrückende Stimmung durch klassische Western-Klänge aufzulockern versucht, ist es mit der Glaubwürdigkeit an sozialkritischem Anspruch vorbei.

Zugute halten kann man der Geschichte, dass sie aus einem Guss ist und ihre trostlose Stimmung problemlos über die komplette Laufzeit transportieren kann und somit das Gefühlsleben der Hauptfigur optimal veranschaulicht.
Das funktioniert trotz wenig markanter Darsteller und schwachen Dialogen recht gut, worunter jedoch eingefleischte Horror-Fans leiden werden.
Denn wer zombieähnliches Treiben im Fokus haben möchte, befindet sich definitiv im falschen Film, insofern fällt es schwer, diesen Streifen überhaupt einer Zielgruppe nahe zu legen.
4 von 10

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