Gute deutsche Filme findet man wirklich selten und noch viel seltener sind deutsche Serien. Wenn ich spontan an deutsche Serien denken muss, fallen mir Serien wie GZSZ, Unter Uns, Alarm für Cobra 11, Der Clown oder Verbotene Liebe ein, die ich Alle für ganz großen Mist halte. Doch in der ganzen schmutzigen Schlammpfütze gibt es ganz wenige Exemplare, die im tiefsten Schatten funkeln. Man muss zwar ganz intensiv danach suchen aber es gibt tatsächlich gute, sogar sehr gute deutsche Serien und "Stromberg" ist ein perfektes, wenn nicht sogar das Paradebeispiel. Im Vorfeld habe ich bei dieser Serie eigentlich eine reine Comedy-Serie erwartet, doch Stromberg als Comedy zu bezeichnen halte ich für einen fatalen Irrtum. Die Serie, über den bösartigsten und gleichzeitig sympathischsten Chef Deutschlands, ist eine fantastische Mediensatire, die sogar enorm viel Realität widerspiegelt und sich sehr oft sogar sehr ernsten Themen widmet, die natürlich mit bitterbösem, aber nie abgehobenen, Humor versüßt werden. Die Serie stellt eigentlich nichts weiter dar, als den gewöhnliche Alltag in einem Büro. Das Konzept hierbei ist einfach grandios : Ein Kamerateam filmt den Büroalltag der Versicherungsfirma Capitol und ist immer live dabei, wenn Stromberg sich von einem Fettnäpfchen ins Nächste begibt. Hinzu kommt sein dreistes Mobbing gegenüber seinen Mitarbeitern und versucht eindrucksvoll zu verbergen, dass er eigentlich so rein gar nichts auf dem Kasten hat. Natürlich kann man ganz klar hinterfragen, wie so ein Nichtskönner wie Stromberg überhaupt in den Chefsessel gelangen konnte, aber ein bisschen Serienstoff muss schließlich auch vorhanden sein. Legendär hierbei sind einfach die Sprüche, die Stromberg hier stets vom Stapel lässt, Welche fast alle jetzt schon einen wohlverdienten Kultstatus genießen. Zunächst dachte ich, dass Stromberg, durch den fantastischen Christoph Maria Herbst (der hier die Rolle seines Lebens ergattert hat), eine reine One-Man-Show ist. Dem ist aber nicht so, denn auch die Nebencharaktere sind mit viel Sympathie und Glaubwürdigkeit ausgestattet. Der markanteste Nebendarsteller dürfte wohl Ernie sein, der vertrottelte Verlierer Typ, der nicht nur leicht zurückgeblieben wirkt, sondern auch das Mobbing-Opfer Nr.1 darstellt. Allerdings ist seine Entwicklung die mit Abstand schlechteste, wenn man die Selbige verteilt auf alle Staffeln objektiv begutachtet. In den ersten 3 Staffeln wirkt Ernie zwar bekloppt, aber immer noch wie ein Mensch, der zudem arbeiten kann. Später wirkt er dann nur noch wie ein Geisteskranker, der eigentlich längst in jede Klapse eingeliefert gehört. Zudem waren seine Wutausbrüche und Sprüche mit der Zeit ein wenig zu viel. Eine hervorragende Entwicklung hingegen machen Tanja und Ulf, die anfangs für den romantischen Teil der Serie verantwortlich sind. Gerade Ulf ist ein Mann, denn man einfach lieben muss, da er zwar ein totaler Chaot ist, aber durch sein jugendlichen Charme stets zum anbeißen ist. Dann haben wir die etwas ältere Erika, die auch sehr sympathisch ist und zudem für die dramatischsten Momente der Serie verantwortlich ist. Ja, manchmal hasst man einfach Stromberg nur dafür, wie er Erika manchmal behandelt. Die sympathischste aller Nebenfiguren wird allerdings erst später zu einer festen Figur etabliert. Jennifer verändert auch den Charakter von Stromberg sehr ins Positive, was der Story, besonders nach einigen Schwachstellen, enorm auf die Füße verhilft. Klar, wenn eine Serie bereits 5 Staffeln umfasst, bleiben Schwächephasen einfach nicht aus. Besonders die vierte Staffel ist ziemlich lahm, da sie beim Szenario eine total unnötige Ergänzung integriert. Staffel 5 bügelt zwar die schwache vierte Staffel wieder aus, ist aber durch die abstruse Gesamtsituation total unglaubwürdig und büßt ein wenig von der authentischen Aura der ersten 3 Staffeln ein.
Alle die große Vorurteile gegenüber deutschen Serien haben sollten sich unbedingt Stromberg angucken, denn mit dieser hervorragenden Mediensatire, liefert Deutschland eine der besten Serien, die das Land jemals produziert hat, ab. Natürlich darf man hierbei nicht vergessen, dass Stromberg auch nur ein Remake einer britischen Serie ist (die auch ein US-Remake mit Steve Carell hervorbrachte), aber wenn man nicht gerade die "Alle Remakes sind scheiße"-Keule schwingt, wird man bei Stromberg überragend gut unterhalten. Und ich persönlich kann mir einfach nicht vorstellen, dass jemand Christoph Maria Herbst in der Rolle des Strombergs toppen kann, weder im britischen Original, noch im US-Remake. Somit ist Stromberg für mich eine klare Kauf - und Guckempfehlung und sollte vielleicht noch 1 bis 2 Staffeln bekommen, um dann schließlich mit dem heiß erwarteten Kinofilm in den wohlverdienten Ruhestand zu gehen.
Fazit : Staffel 1 ist großartig, Staffel 2 sogar die beste der gesamten Serie. Staffel 3 hat viele ernste Momente und erst bei Staffel 4 fängt es langsam an, albern zu werden. Dafür war Staffel 5 wieder einigermaßen gut. Somit ist Stromberg insgesamt eine fantastische Serie, die zurecht von sämtlichen Fans so vergöttert wird.
8,5/10