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Es gibt Filme, bei denen die Handlung nicht im Vordergrund steht, obwohl eine gute Geschichte präsentiert wird, sondern das "wie" der Darsteller und die spezielle Atmosphäre in der dies passiert. (A – im Originaltitel) LOVE SONG FOR BOBBY LONG ist so ein Fall, denn er besticht durch die sehr gelungene Performance all seiner Darsteller, die als harmonisches Team agieren und man hat nicht den oft entstehenden Eindruck, dass der eine den anderen ein wenig an die Wand spielen will. Ganz vorne ist hier natürlich John Travolta als Bobby Long der mal wieder zeigen durfte, warum er doch zur ersten Liga in Hollywood gehört.

In LOVE SONG FOR BOBBY LONG IST er Bobby Long mit schneeweißen Haaren und gebücktem Gang und sonstigen Gebrechen seiner Krankheiten und Alkoholsucht, die dennoch stets im Hintergrund bleiben und nicht mit dem Dampfhammer den Zuschauern präsentiert werden. Die rund 2 Stunden Handlung haben ganz bewusst ein Tempo wie New Orleans im Sommer. Man kann und will sich nicht schnell bewegen und so wirkt LOVE SONG FOR BOBBY LONG ganz gediegen, wie nach einem guten Essen mit vollem Bauch und wenn man mal gerade nicht wieder Lust auf einen schnellen Thriller mit Mord und Totschlag, Verfolgungsjagden, 3D und sonstigen technischen Schnickschnack hat.

LOVE SONG FOR BOBBY LONG ist somit im besten Sinne old-school und die Geschichte von Pursy Will (Scarlett Johansson), die nach dem Tod ihrer Mutter zurück in ihren Heimatort New Orleans kommt und dort 2 Freunde ihrer Mutter, eben Bobby Long  (John Travolta) und Lawson Pines (Gabriel Macht) kennenlernt, ist eine wie sie nur das Leben selbst schreiben kann. Unaufgeregt, normal und völlig nachvollziehbar ist diese Story und trotzdem schafft es LOVE SONG FOR BOBBY LONG eine völlig eigene und extrem relaxte Atmosphäre zu schaffen, die stets zwischen Melancholie und Hoffnung pendelt. John Travolta darf mal richtig schauspielern und tut dies recht intensiv und völlig unselbstverliebt.

Auch die junge und heute fast 30-jährige Scarlett Johansson spielt im Rahmen ihrer Möglichkeiten auch wenn Kussmund und Oberweite sehr oft im Mittelpunkt ihrer Pointierung liegen, obwohl dies sicherlich so in der Rolle der kecken und selbstbewussten Pursy angelegt. Dazu kommt ein pop-bluesig-rockiger Soundtrack der frisch wie ein Independent Album wirkt, aber von Größen wie Los Lobos oder Nada Surf ist. Sogar John Travolta hat einen Song dazu beigetragen, seine diesbezügliche Musikalität was Gitarrenspiel und Gesang angeht, die er auch in LOVE SONG FOR BOBBY LONG vorträgt, war zumindest mir noch nicht bewusst bekannt und auch eine nette kleine Überraschung eines stets vorhersehbaren, aber trotz kitschigen Elementen am Ende empfehlenswerten Dramas …

6,5/10 Punkten

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