Review

Ganz nettes Katastrophenkino aus den 70ern, aber aktuelle Produktionen wie „Dante’s Peak“ oder „Titanic“ haben es sowohl im Bereich Effekte als auch Dramaturgie besser hingekriegt.
Der Luxusliner Poseidon ist nicht nur nach dem griechischen Meeresgott benannt, der gerne mal unliebsame Menschen in den Fluten verschwinden lies, nein, auch die Eigner sind alles andere als freundliche Zeitgenossen. So wird Captain Harrison (Leslie Nielsen), angehalten schneller zu fahren, obwohl das Schiff eh schon unter großer Belastung steht. OK, ist zwar etwas klischeehaft, aber wenn der Film aus den 70ern ist und das Siegel Katastrophenfilm trägt, dann müssen natürlich wieder Menschen die Katastrophe verschlimmern.
Doch nach diesen ganzen Vorzeichen geht es mal wieder Richtung Passagiere, wo dem Zuschauer nach und nach die Charaktere vorgestellt werden, die allerdings alle in bestimmte Sparten passen: Starsinniger Polizist inklusive geehelichter Ex-Prostituierter, älteres Ehepaar usw. Am wichtigsten ist natürlich der Reverend Frank Scott, nicht nur weil er von Gene Hackman gespielt wird, sondern auch, weil der direkt der charismatischste Kerl an Bord ist und jeder weiß im Katastrophenfilm, was das heißt.

Es kommt, wie es kommen muss: Nach der Aufwärmphase trifft eine Flutwelle das Schiff und dreht es auf den Rücken. Während die Poseidon langsam zu Sinken beginnt, animiert Frank alle vorgestellten Charaktere mit ihm in den Rumpf nach oben zu klettern. Der nicht vorgestellte Rest an Figuren bleibt zurück (und ersäuft alsbald), aber für das kleine Grüppchen beginnt die Flucht vor der Gefahr erst…
„Die Höllenfahrt der Poseidon“ ist leider kein zeitloser Klassiker, wobei die Kritik sich gar nicht mal auf die gealterten Effekte bezieht. Denn gerade die umgekippte Poseidon ist zwar als Modell zu identifizieren, versprüht aber altmodischen, handgemachten Charme. Auch der Schiffschauplatz ist ganz ansehnlich in Szene gesetzt (vor allem in den Tauchszenen), obwohl man das noch etwas klaustrophobischer hätte machen können. Denn stellenweise hat man nicht das Gefühl einen dramatischen Rettungsversuch, sondern einen Sonntagsspaziergang durch ein umgekipptes Schiff zu sehen.
Schwach hingegen die Handlung, die nicht genug Spannung aufbaut. Zwar kann der Film in der Hinsicht überraschen, wer lebt und wer stirbt, aber es gibt keinen durchgängigen Spannungsbogen. Stattdessen läuft das Ganze immer so ab: Hindernis taucht auf, eine Lösung muss gefunden werden. Dabei geht es vor allem auf den Sack, dass Frank quasi der MacGyver unter den Priestern ist, sich besser mit dem Schiff und der Technik auskennt als glaubwürdig wäre und immer die richtigen Entscheidungen trifft. Jeder, der etwas anders macht als er, muss mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit seine Entscheidung bereuen und dran glauben.

Was den Film dann trotz dieser nervigen Dramaturgie ganz unterhaltsam macht, das ist die softe Action. Zwar sind die Aktionen wie Klettern, Schwimmen usw. nicht so spektakulär wie in neueren Filmen, aber doch nett in Szene gesetzt und schick anzusehen. Im späteren Verlauf häuft sich die Actionmenge dann auch und kann die Schwächen in der Handlung dann zumindest teilweise überdecken.
Schauspielerisch ist der Film trotz zahlreicher großer Namen (u.a noch Ernest Borgnine, Roddy McDowall und Shelley Winters) leider knapp über dem Durchschnitt. Das liegt vor allem daran, dass die Klischeerollen zu einseitig sind, um den Darstellern genug Raum zu lassen, um sich entsprechend zu entfalten und ihre Rollen mit Leben zu füllen.

Dank des Charmes der altmodischen Tricks und der soften Action ist „Die Höllenfahrt der Poseidon“ noch ganz nett anzusehen, aber mit derartig schlapper Handlung ist kein Highlight des Katastrophenfilms drin.

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